(6) Caissa I – OSG Baden-Baden II 3,5-4,5

SC Caissa Schwarzenbach   3½-4½ OSG Baden Baden II       
 4 Mueller,Reinhold       1 : 0 Schmaltz,Roland         2
 5 Oberhofer,Andre        0 : 1 Heimann,Andreas         3
 6 Tabatt,Hendrik         ½ : ½ Mutschnik,Illya         5
 7 Fries,Frederik         0 : 1 Schwarz,Michael         7
 8 Grewenig,Jan           0 : 1 Dinger,Florian          8
 9 Wild,Achim             0 : 1 Kachiani-Gersinska,Ket 10
10 Weller,Manuel          1 : 0 Tiemann,Christoph      11
16 Yin,Stanley            1 : 0 Reefschlaeger,Helmut,D 12

Es hat leider wieder nicht gereicht, und diesmal wars echt ein wenig bitter.

Die Punkte, denen wir besonders nachtrauern: 2 von uns ausgeschlagene Remis-Angebote der Gegner, und eine klar vorteilhafte Mittelspielposition. Aus diesen 3 Partien holten wir am Ende 0 Punkte.

Gehört natürlich alles zum Spiel, aber wenn man schon mal jammern will, ist das ein guter Zeitpunkt:)

Im Prinzip finde ich es auch absolut gut, dass unsere Spieler die Partien auskämpfen wollen, auch wenn es gegen favorisierte Gegner geht. Und da die Remis-Offerten zu einem Zeitpunkt kamen, als alle Partien noch am laufen waren, kann man auch niemandem einen Vorwurf machen.

Bei der kurzen Nachfrage bei mir konnte ich auch nichts Brauchbares sagen, weil das Match noch völlig offen war.

Im Einzelnen liefs wie folgt:

Ronny holt seinen ersten vollen Punkt! Und das mit Schwarz gegen Roland Schmaltz!!

Das war eine super Vorstellung von ihm, zumal sein renommierter Gegner auch keinen groben Fehler gemacht hat. In einem eher geschlossenen Mittelspiel (7 gegen 7 Bauern) konnte Ronny einen Bauern erobern. Das Manöver sah durchaus gewagt aus, weil sein Turm dadurch etwas ins Abseits geriet. Aber Ronny hielt dem entstehenden Druck stand, und verteidigte seinen Mehrbauern präzise. Kurz darauf konnte er einen für ihn günstigen Damentausch durchsetzen, der ihm ein Doppel-Turmendspiel mit 2 Mehrbauern einbrachte. Nach ein paar weiteren präzisen Zügen hatte er den vollen Punkt in der Tasche. Das war klasse, weiter so!

Andre hatte gegen den jungen IM Andreas Heimann ebenfalls ein sehr bauernreiches Mittelspiel auf dem Brett. In einer komplexen Struktur mit verschiedenen Auflösungsmöglichkeiten bot Heimann Remis. Nach kurzer Rücksprache mit mir (zu diesem Zeitpunkt liefen alle Bretter noch, der Kampf war völlig offen und ich konnte leider nur mit den Schultern zucken:)), spielte Andre weiter, kam aber nach einer Ungenauigkeit unter starken Druck, den Heimann geschickt verstärkte, bis die weiße Stellung schließlich nicht mehr zu halten war.

Kein Vorwurf an Andre. Mir ist es lieber, wenn unsere Leute bereit sind zu kämpfen, anstatt den Druck auf die Mitspieler abzuladen.

Ich hatte es an 3 mit IM Ilia Mutchnik zu tun. Gegen denselben hatte ich vor Jahren schon mal im deutschen Mannschaftspokal gespielt. Damals hatte ich Weiß und die Partie endete Remis. Diesmal musste ich mit Schwarz ran, aber das Ergebnis blieb dasselbe.

Auf dem Brett war eine „zähe“ Position mit 7 gegen 7 Bauern und vollem Figurensatz. Einzig die d-Linie war offen, und so lavierten wir die nächsten 20 Züge unsere Figuren von links nach rechts. Mein Gegner tat dies mit mehr Verständnis, und erhielt etwas Positionsvorteil, der aber wohl noch auszuhalten war. Als sich aber die Position am Damenflügel schließlich öffnete, fand Ilia nicht die besten Fortsetzungen, und ich bekam Vorteil. Mit absolut präzisem Spiel wäre hier vielleicht mehr als ein halber Punkt drin gewesen, aber wer spielt schon absolut präzise? In aufkeimender Zeitnot entschied ich mich für eine Variante mit Bauerngewinn, der meinem Gegner aber aktives Figurenspiel überließ. Dieses wusste er auch zu nutzen, und mit den starken Zügen wurde ich kurz vor der Zeitkontrolle nicht so wirklich fertig. Mit etwas Glück und gegnerischer Zeitnot kam ich aber mit einem blauen Auge davon. Nach der Zeitkontrolle hatte ich Turm und 4 Bauern gegen Läufer, Springer und 3 Bauern. Es war zwar abzusehen, dass ich meinen sehr exponierten Mehrbauern verlieren würde, aber die Zeit, die Ilia brauchte, um ihn zu erobern, konnte ich zu einem weiteren Bauerntausch nutzen, so dass am Ende jeder 2 Bauern übrig hatte, die sich auch noch gegenüber standen. Das war einigermaßen bequem zu verteidigen.

Bei Freddy lief es unglücklich. Wie Andre schlug er ein frühes Remisangebot von IM Michael Schwarz aus. Auch hier natürlich kein Vorwurf, zumal Freddy angenehm stand.

Sein Gegner hatte sich sehr untypisch aufgestellt, und hatte eine nachhaltige Felderschwäche auf e6. Allerdings war diese kaum brauchbar zu nutzen, hemmte aber immerhin das schwarze Figurenspiel.
Kurios war, dass bis zum 44sten Zug(!) noch alle 16 Bauern auf dem Brett standen. Freddy versäumte es wohl ein paar mal, die Position günstig zu öffnen und Vorteil zu erzielen. Als Schwarz schließlich den ersten Bauerntausch vornahm, war schon fast völliger Ausgleich auf dem Brett. Leider stellte Freddy direkt im nächsten Zug einen Bauern und damit die Partie ein. Das kann passieren, wenn nach endlos langer Zeit auf einmal eine neue Struktur entsteht. Man ist gedanklich noch nicht so drin und es passiert ein simpler Fehler. Dem zähen und geschickten Spiel von Michael Schwarz muss man sicher auch Tribut zollen, trotzdem schade für Freddy, weil es einfach unnötig war.

An der Niederlage an Brett 5 habe ich nichts zu meckern. Jan saß mit den schwarzen Steinen dem jungen FM Florian Dinger gegenüber. In einem offenen Sizilianer zeigte dieser eine starke positionelle Vorstellung. Die Struktur legte sich früh fest, Weiß verblieb mit einem Isolani auf e4, Schwarz mit einem auf d6. Dabei hatte Weiß jedoch immer die etwas besseren Figuren, die er auch richtig zu setzen verstand, bis er schließlich den schwarzen Königsflügel öffnen konnte. Jan verteidigte sich zäh und hielt trotz kritischer Stellung lange das materielle Gleichgewicht. Als im 40sten Zug aber dann doch ein Bauer verloren ging, war wohl Nichts mehr zu retten. Das war eine wirklich gute kämpferische Leistung von Jan, aber an diesem Tag war der weiße Vortrag einfach super-stark.

An Brett 6 darf ich wieder meckern. Achim spielte gegen die langjährige deutsche Nationalspielerin Kachiani-Gersinska. Nach etwas unorthodoxem Eröffnungsverlauf mit früher Öffnung des Damenflügels gewann Achim einen Bauern, für den ich beim Nachspielen nicht wirklich Kompensation gefunden habe. Allerdings war auch genau dies die kritische Stelle: Nach dem Bauerngewinn musste Achim einem Angriff auf seine Dame ausweichen, und hatte dafür 2 Felder zur Verfügung. Eines der beiden beinhaltete einen weiteren Bauerngewinn, öffnete aber auch dem schwarzfeldrigen Läufer seiner Gegnerin die lange Diagonale, und setzte die Dame weiteren Angriffen aus. Das sollte sich als fatal erweisen. Achim nahm den Bauern, und gab damit erstmal seinen Vorteil wieder ab. In der „ruhigen“ Variante wäre er einfach mit einem starken Mahrbauern auf der a-Linie verblieben, der zum ganzen Punkt genügen müsste. So geriet er direkt unter starken Druck, und fand im nächsten Zug nicht die richtige (und einzige) Antwort, die Weiß zumindest ohne Nachteil im Spiel gelassen hätte. In der gewählten Abwicklung stellte sich die weiße Grundreihe sich als überraschend schwach heraus, und Achim musste einen Läufer geben, was die Partie direkt entschied. Hier war sicher mindestens ein halber Punkt mehr drin.

Manuel begeistert mich! Wieder tütete er mit Schwarz einen Sieg ein, und hat jetzt 4,5 Punkte aus 6 Partien auf seinem Konto, mit einer gespielten Leistung von knapp 2450!

Diesmal erhielt er aber frühzeitig „Schützenhilfe“ von seinem Gegner Christoph Tiemann, der sich gegen Ende der Eröffnungsphase seinen schwarzfeldrigen Läufer einfangen ließ. Trotzdem war die Partie nicht durch: Tiemann erhielt für die Figur immerhin einen gedeckten Freibauern auf e6, der schmerzhaft in die schwarze Stellung schnitt, und ihm Angriffschancen gegen den schwarzen König ermöglichte. Tiemann spielte nach dem Figurenverlust einfallsreich und kämpferisch. Zwar war das für Schwarz wohl nie „lebensgefährlich“, aber andererseits war die weiße Initiative nur schwer zu hemmen. Manuel verteidigte sich jedoch mit Übersicht, bis sich der Angriff endlich verflüchtigte, und er mit Mehrfigur den Sieg sicher stellte. Das Ganze bitte noch 3 mal!

Was an Brett 8 los war ist schwer zu erklären. Ich hatte mir als Ersatzmann Stanley Yin aus unserer zweiten Mannschaft genommen. Dort wartete beim Gegner der schachlich sicher überlegene Helmut Reefschläger, der zudem eine überragende Saisonbilanz mit 4,5 aus 5 vorzuweisen hatte. Stanley ist einer der unorthodoxesten Schachspieler die ich kenne, und mir war selbst nie klar, in welchen Mustern er denkt. Dass das 300 Elopunkte kompensieren kann glaube ich nicht, aber einen Versuch wars mir wert, und irgendwie hats funktioniert.

Die Partieanlage und die Mittelspiel-Behandlung von Stanley beschreibe ich hier nicht, denn das verursacht Kopfschmerzen. Seine Stellung war mal mehr, mal weniger verloren, phasenweise einfach völlig platt. Aber trotzdem gab es nie den ganz einfachen Gewinn für Schwarz. Zwar hatte Reefschläger an 2 Stellen klare Gewinnkombinationen drin, aber Stanleys Position war so schlecht, dass es noch genügend verlockende Alternativen gab. Beim ersten Auslassen blieb die schwarze Position trotzdem völlig gewonnen, beim zweiten mal war Weiß wieder im Geschäft. Kurz darauf wich Reefschläger (aus menschlicher Sicht absolut verständlich) einer Zugwiederholung aus, was die Partie auf den Kopf stellte. Stanley nutzte seine erste Chance zum vollen Punkt.
Ich weiß, dass so eine Niederlage sehr bitter für den Gegner ist. Ich habe selbst mal eine Turnierpartie gegen Stanley verloren (ok, war nicht ganz so krass, aber schon so ein bißchen..),
und war durchaus etwas angefressener als üblich.

Normalerweise hätte ich hier von einem „überaus glücklichen“ Punkt für uns gesprochen, aber bei Stanley gehört ein solcher Partieverlauf irgendwie zum Programm, und daher sage ich nur „ziemlich glücklich“.

Unterm Strich war das gut, v.a. wegen Ronnys Schwarz-Sieg an Brett 1. Leider hat es wieder nicht zum Mannschaftspunkt gereicht, aber der Einsatz stimmt.

In der nächsten Runde geht es zu unserem Tabellennachbarn nach Schöneck, und wir hoffen natürlich, wieder mal was Zählbares mitzunehmen.

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