(2) Schott Mainz I – Caissa I 2,5-5,5

TSV Schott Mainz          2½-5½ SC Caissa Schwarzenbach  
 2 Krivonosov,Oleg        0 : 1 Frischmann,Rick         3
 3 Cicak,Slavko           1 : 0 Mueller,Reinhold        4
 4 Balcerak,Jakob         0 : 1 Oberhofer,Andre         5
 6 Schenderowitsch,Michae ½ : ½ Tabatt,Hendrik          6
 7 Goebel,Constantin      ½ : ½ Fries,Frederik          7
 8 Bewersdorff,Oliver     0 : 1 Grewenig,Jan            8
10 Gohil,Harry            0 : 1 Wild,Achim              9
11 Kienast,Joerg          ½ : ½ Weller,Manuel          10

Wir haben ein kleines Stück Vereinsgeschichte geschrieben: Schwarzenbachs erster Mannschaftssieg in der zweiten Bundesliga! Und ich schreibe hier mal ganz unbescheiden, dass der in überzeugender Manier gelandet wurde.

Wir traten in gleicher Besetzung an, wie bei der ersten Runde gegen Untergrombach. Dort hatten wir bereits gemerkt, dass wir schachlich gar nicht so weit weg sind von den etablierten Teams. Die knappe Auftaktniederlage gab uns sogar etwas Auftrieb, und dieses mal konnten wir gegen Schott Mainz die ersten 2 Mannschaftspunkte einsacken.

Unser Vorsitzender Dieter Stolz stellte sich freundlicherweise als Fahrer zur Verfügung, und brachte Freddy, Manuel und mich pünktlich ans gegnerische Spiellokal. Die anderen 5 Jungs quetschten sich bei Achim ins Auto, und trafen knapp aber immerhin noch rechtzeitig zu Spielbeginn an ihren Brettern ein.

Die Eröffnungsphase lief eher mäßig für uns:

Rick bekam mit Weiß gegen Krivonosov eine katalanische Hauptvariante aufs Brett, die längere Zeit der Theorie folgte. Ronnys Gegner GM Cicak wich dem offenen Sizilianer aus, und es kam eine Struktur aufs Brett, die eher an Varianten im geschlossenen Spanisch erinnerten.

Andre bekam nach der Zugfolge 1.e4 c5 2.c3 d6 3. d4 Sf6 4.f3 eine Nebenvariante im Alapin-Sizilianisch aufs Brett, die bald in eine französische Struktur überging. Andre hatte dort einigen Raumvorteil, musste allerdings den Abtausch der weißen Läufer zulassen.

Ich selbst spielte mit Schwarz abgelehntes Damengambit, das in eine Karlsbader Struktur überging. Mein Gegner erlaubte mir den Abtausch der weißfeldrigen Läufer, was mich dem Ausgleich sehr nahe brachte. Allerdings ist es in dieser Art Position für beide Seiten sehr schwierig, Initiative zu entwickeln. Freddy mißglückte mit Weiß die Eröffnung ein wenig. Nach 1.Sf3 Sf6 2.c4 e6 3.Sc3 c5 4. d4 cxd 5. Sxd a6 setzte er mit 6.a3 Dc7(!?) 7.e3 sehr passiv fort, und musste sich in der Folge selbst um Ausgleich bemühen. Jan hatte mit Schwarz ein abgelehntes Wolga-Gambit auf dem Brett, und war bereits frühzeitig voll im Spiel. Achim bekam es mit Königsindisch zu tun, und fianchettierte seinen weißen Läufer. Sein Gegner Harry Gohil stellte sich mit ..c6 dagegen, und nahm bald auf d4 raus, so dass einiger Druck gegen den schwachen Bauern auf d6 entstand.

Manuel hatte mit Schwarz einen offenen Najdorf auf dem Brett. Sein Gegner rochierte kurz und konnte bald den Themenzug e5 durchsetzen, was ihm gute Anfriffschancen einbrachte.

Während bei Rick der Kampf ums Zentrum noch in vollem Gange war, bekam Ronny bald in Schwierigkeiten. Er hatte mittlerweile ..d5 durchgesetzt, was ihm einigen Raumvorteil bescherte, aber auch Schwächen auf den weißen Feldern einbrachte. Cicak hatte den Bauern direkt geschlagen, und kam mit den Zügen Lb3, Sg5 und Df3 zu großer Initiative, die schließlich in einem Bauerngewinn kulminierte. Bei Andre wurde die Stellung hingegen immer vielversprechender. Er federte den Druck gegen seine Zentrumsbauern geschickt ab, und kam schließlich zum Durchbruch f4-f5, der ihm einen starken Angriff über die f-Linie bescherte. Bei mir plätscherte die Partie derweil vor sich hin. Nach 17 Zügen bekam ich ein Remisangebot, und ich muss zugeben, ich war versucht zu akzeptieren. Aber ich kann der Mannschaft ja schlecht predigen immer zu kämpfen, und selbst nach weniger als 2 Stunden den Waffenstillstand unterzeichnen. Also versuchte ich es weiter, und begang prompt die erste Ungenauigkeit. Einer meiner Türme verirrte sich am gegnerischen Königsflügel, und nun hatte mein Gegner verständlicherweise Lust bekommen weiter zu spielen, und lehnte mein Remisangebot ab ( Gut, das war auch zu durchschaubar:)). Aber ganz so schlimm war die Lage dann wohl doch nicht für mich. In dieser Phase endeten auch die ersten 3 Partien:

Achim hatte nach einem positionellen Fehler seines Gegners klaren Vorteil bekommen, und gewann in der Folge den schwachen d6-Bauern. In einem klar nachteilfaften Endspiel mit Minusbauern überschritt sein Gegner dann die Zeit. Ein starker Vortrag von Achim, der diesmal nicht nur gut sondern auch sehr zügig gespielt hatte. Ich akzeptierte daraufhin das zweite Remisangebot meines Gegners. Die Position ließ sich wohl beidseitig noch etwas „ausschlachten“, aber irgendwie fehlten uns beiden die klaren Ideen. Auch der Computer gab uns nachträglich die Segnung zur Punkteteilug. Ronny stellte in sehr schlechter Position auch noch einen Läufer ein, und musste aufgeben. Er hatte aber auch mit Schwarz gegen den einzig anwesenden Großmeister deutlich den schwersten Stand.

Manuel verteidigte seine schwierige Stellung sehr zäh, und kam schließlich zu einem hart erkämpften Remis, und plötzlich sah es ziemlich gut aus:

Andre stand nach einem superstarken Vortrag mittlerweile deutlich auf Gewinn. Erst einen Zug vor Ende leistete er sich einen Fehler, der seinen Gegner wieder ins Spiel hätte bringen können. Zum Glück für uns griff Balcerak stattdessen ebenfalls daneben, und musste nach dem nächsten Zug die Waffen strecken.

Auch Rick hatte sich positionell durchgesetzt, und hatte eine Gewinnstellung erreicht: Bei 4 gegen 4 Bauern am Königsflügel und Damen auf beiden Seiten, hatte Rick ein übermächtiges Läuferpaar, während die 2 gegnerischen Springer im offenen Feld keinen Halt fanden. Rick gewann in der Folge auf Kosten eines Bauern einen der Springer, und es verblieb eine Stellung mit Läufer, Dame und 3 Bauern gegen Dame und 4 Bauern auf einem Flügel. Freddy hatte im Mittelspiel etwas Vorteil erreicht, allerdings blieb die Position sehr kompliziert. Am Ende stand ein Endspiel auf dem Brett mit gleichem Material und ungleichfarbigen Läufern, das bald remis gegeben wurde. Zu diesem Zeitpunkt ein uns willkommenes Ergebnis, denn an den anderen beiden Brettern sah es richtig gut aus. Jan holte nach einer scharf geführten Partie, in der sein Gegner sicher auch seine Chancen hatte, seinen ersten vollen Punkt für Schwarzenbach. Glückwunsch und weiter so!

Auch Rick konnte nach einer tollen Partie schließlich sein Endspiel nach Hause bringen, und am Ende stand ein 5,5 – 2,5 für uns!

Unsere Stimmung nach dem Match braucht man nicht weiter ausführen. Der Chef hat uns noch ein paar Bier spendiert (hier nochmal vielen Dank an Dieter für alles), und wir freuen uns aufs nächste Heimspiel gegen Schwäbisch-Hall! Gegen die Übermannschaft der Liga ist realistisch betrachtet kaum was drin, aber wir versuchen natürlich ein paar gute Partien hinzulegen.

So kanns weiter gehen!

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