(4) Caissa I – SV Hofheim 1,5-6,5

SC Caissa Schwarzenbach   1½-6½ SV Hofheim               
 1 Belkhodja,Slim         ½ : ½ Schroeder,Jan-Christia  1
 3 Frischmann,Rick        0 : 1 Lobzhanidze,Davit       2
 4 Mueller,Reinhold       0 : 1 Hickl,Joerg             4
 5 Oberhofer,Andre        0 : 1 Weber,Ulrich            6
 6 Tabatt,Hendrik         0 : 1 Zude,Arno               7
 7 Fries,Frederik         0 : 1 Zude,Erik,Dr.           8
 8 Grewenig,Jan           0 : 1 Tischendorf,Michael,Dr 12
10 Weller,Manuel          1 : 0 Seidel,Juergen

Erstmal: das war zu hoch. So deutlich wie das Ergebnis war der Matchverlauf keinesfalls.

Ok, das ist ziemlich oft so: der Underdog liefert eigentlich einen guten Kampf, aber an den paar entscheidenden Stellen beweist der Favorit dann doch die größere Übersicht. Diesmal lief es für uns ungefähr nach diesem Muster, wobei ich jetzt nicht übertreiben möchte, denn Hofheim war sicher verdienter Sieger. Aber 1,5 Brettpunkte mehr waren wirklich locker drin.

Wir traten diesmal nur fast mit unserer Aufstellung aus den ersten 3 Runden an. Achim fehlte, aber Slim hatte erfreulicherweise Zeit für uns.

Gespielt haben wir wie angekündigt zusammen mit unserer zweiten Mannschaft, in einem großen und komfortablen Saal im Kardinal-Wendel-Haus. Hier würde ich sogar die Phrase „optimale Spielbedingungen“ dreschen. Das konnte sich sehen lassen, und ich hoffe, wir kriegen im Verlauf der Saison noch einen Doppelwettkampf am selben Spielort hin.

Im Einzelnen:

Slim hatte es mit Schwarz am ersten Brett mit Hofheims Nachwuchstalent Jan-Christian Schröder zu tun, und signalisierte mit der sizilianischen Eröffnung Kampfbereitschaft. Allerdings schloss sich das Zentrum bald, wobei Slim recht komfortabel stand, nach einer Ungenauigkeit aber gehörig unter Druck geriet. Sein junger Gegner kreirte einen starken Angriff am Königsflügel, und laut Eigenaussage direkt nach der Partie stand Slim auf Verlust, konnte sich dann schließlich aber doch noch ins Remis retten.

Rick spielte mit Weiß gegen den starken IM David Lobzhanidze (gegen den habe ich auch mal auf die Ohren bekommen:)), und hatte ein Slawisch-System mit frühem Lf5 auf dem Brett. Die Eröffnung lief dabei im normalen Rahmen, und Rick hatte nach knapp 15 Zügen und Damentausch eine brauchbare Position mit dem kleinen Vorteil des Läuferpaares erreicht. Allerdings entglitt ihm die Partie zusehends, und sein Gegner konnte seinen Springern starke Vorposten errichten, und kam in Vorteil. Trotzdem bekam Rick noch eine gute Chance, als sich Lobzhanidze – wohl in beidseitiger Zeitnot - einen Fehler leistete. Es war der einzig schlechte Zug von Schwarz in dieser Partie, und nachdem, Rick an der Chance leider vorbei ging, übernahm der IM wieder die Kontrolle. In einer Stellung, die schwierig aber wahrscheinlich zu verteidigen war, griff Rick dann fehl und lief in ein Mattnetz.

An Brett 3 ( der Gegner hatte unverschämterweise den Hickl aus dem Hut gezaubert:)), lieferte Ronny eine Riesenpartie ab. Ich muss zugeben, dass ich von vorneherein hier am wenigsten erwartet hatte. Ronny spielte Schwarz, und Jörg Hickl, der mittlerweile nur noch selten am Brett zu sehen ist, habe ich als einen der stärksten deutschen Großmeister in Erinnerung.

Es entstand schnell eine strategische Position ohne die ganz großen taktischen Möglichkeiten. Hickl hatte wie üblich mit 1.g3 eröffnet. Dazu fallen mir 2 Zitate seiner Großmeisterkollegen ein:

„Er hat sich schon wieder „eingehicklt““. (Klaus Bischoff), und „Das er das nicht leid wird“ (Gerald Hertneck).

Aber Ronny gab eine ganz starke Vorstellung ab, überspielte seinen rennomierten Gegner, und hatte im späten Mittelspiel schließlich einen gesunden Mehrbauern + Positionsvorteil. Allerdings musste er auch akkurat fortsetzen, um den Vorteil zu halten bzw. zu verwerten. Das gelang Ronny nicht, und nachdem der GM Gegenchancen bekommen hatte, zeigte er seine Klasse, und brach unter Bauernopfer den Damenflügel auf, verschaffte sich so einen starken Freibauern und seinen Figuren entsprechende Felder, um ihn zu unterstützen. Ich bin nicht ganz sicher, an welcher Stelle die Partie entgültig verloren war, aber hier sah es schon übel aus, und Ronny musst kurz darauf aufgeben.

An Brett 4 traf Andre auf den IM Ulrich Weber, und konnte in einem (sehr:)) geschlossenen Mittelspiel sich Positionsvorteil erarbeiten. Beide Seiten hatten noch ihren kompletten Figurensatz bei verkacheltem Zentrum. Ich habe von dieser Partie am wenigsten gesehen, und kann den Verlauf nicht ganz akkurat wiedergeben. Ich bekam noch mit, dass Andre den positionell günstigen Abtausch der weißen Läufer vornehmen konnte. Danach muss er eine sehr gute Stellung erreicht haben, aber nach einem Fehler wendete sich das Blatt. Als ich wieder Zeit hatte zu gucken, war bereits ein verlorenes Endspiel auf dem Brett.

Ich selbst spielte mit Schwarz gegen Arno Zude, und konnte ihn mit einer side-line aus der Theorie werfen. Mein Gegner reagierte jedoch abgeklärt, vermied theoretische Verwickelungen und löste direkt das Zentrum auf und bot den Damentausch an. Für diese Partiephase muss ich mich loben (sorry:)): ich rechnete den Übergang in das entstehende Endspiel weit und ausnahmsweise auch präzise. Wir erreichten eine Position, in der mein Gegner mit 2 Türmen verblieb und ich mit 2 Läufern, aber auch mit einem sehr starken Freibauern, für den Weiß zwangsweise einen Turm würde geben müssen. Danach entstand eine Position mit Läuferpaar gegen Turm und Bauer.

Wahrscheinlich hatte ich hier etwas Vorteil, überschätzte die Stellung aber. Gewinnversuche zu unternehmen war sicher legitim, aber ich habe völlig überzogen. Im weiteren Verlauf häuften sich die Menge und die Primitivität meiner Fehler, während Zude einfach ruhig blieb und tat was zu tun war. Irgendwann kam ich noch in horrende Zeitnot und habe mich schließlich selbst erschossen.

Ärgerlich und dumm.

Freddy spielte direkt neben mir gegen Erik Zude, den Bruder meines Gegners. In einem Königsinder entstand eine Mittelspielstellung, in der Weiß einen Doppelbauern auf der e-, und Schwarz auf der c-Linie hatte. Freddy entschied sich nach längerem Nachdenken zu einem zeitweiligen Figurenopfer, das die etwas passive Postierung der schwarzen Streitkräfte nachweisen sollte. Ein kreativer Plan, der aber auch kreativ beantwortet wurde: Schwarz opferte die Figur direkt zurück und auch noch die Qualität hinterher. Dadurch bekam er mit einem superstarken Läuferpaar und einer aktiven Dame vor allem auf den weißen Feldern großes Übergewicht. Ich bin nicht sicher, was und wieviel davon forciert war, aber wahrscheinlich war Freddys Manöver einfach inkorrekt. Schließlich wurden die Drohungen zu viel und Freddy musste die Waffen strecken.

Auch bei Jan lief es nicht unbedingt glücklich. Nach 1.d4 Sf6 2.Sf3 g6 spielte sein Gegner etwas unambitioniert 3.Lf4, und Jan hatte keine besonderen Schwierigkeiten Ausgleich zu bekommen.

Im Mittelspiel hatte er Raumvorteil bekommen, und die Möglichkeit, den gegnerischen Damenflügel aufzubrechen. Das hätte wohl nicht zu großem Vorteil geführt, aber zumindest zu angenehmem Spiel. Leider spielte Jan den Aufbruch einen Zug zu früh, und stellte damit praktisch schon die Partie ein. Sein Gegner revanchierte sich umgehend und griff seinerseits daneben, aber der Faden war schon verloren gegangen. Nach dem nächsten Fehlgriff war nichts mehr zu retten und auch diese Partie ging an Hofheim.

Manuel hat das ganz schön clever gemacht. Er hat wohl aus den Partien der letzten Runde erkannt, dass man nach guter Eröffnungsbehandlung meistens verliert. Folgerichtig hat er mit Weiß die Anfangsphase völlig vermurkst, und ziemlich kompensationslos einen Bauern verloren bei Damentausch. Das sah nach knapp einer Stunde ziemlich platt aus.

Das Endspiel hat er dann aber souverän gewonnen. Ich habe die Partie mittlerweile nachgespielt, und die letzten 30 Züge von Manuel waren so ideenreich wie präzise. Eine „Lasker-mäßige“ Endspielbehandlung, sehr sehr stark! Irgendwie erstaunlich, aber beim Nachspielen hatte ich den Eindruck, ich hätte mit Schwarz auf ähnliche Art verloren.

Das war wenigstens ein nettes Trostpflaster für uns.

Unterm Strich waren es zu viele einfache Fehler. Die sollten wir dringend reduzieren, denn die Gegner zeigen sich meistens undankbar und revanchieren sich zu selten.

Unterm Strich bin ich aber mit der „Hinrunde“ nicht unzufrieden. Sieht man, dass die zweite Liga für uns alle Neuland bedeutet und fast alle unserer Spieler auf diesem Level noch etwas Erfahrung brauchen, war das gar nicht übel. Spielerisch können wir durchaus mithalten, bloß patzen wir zuviel. Ich bin aber bester Hoffnung, dass wir in der zweiten Saisonhälfte weniger herschenken, und uns wieder besser verkaufen.

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