Wie in besseren Tagen! 1. Mannschaft gewinnt hoch gegen Gau-Algesheim

Am 24.03.2019 stand das letzte Heimspiel dieser Saison für unsere 1. Mannschaft bevor. Wir mussten 3 Ausfälle kompensieren und der Gegner war kein geringerer als Gau-Algesheim, welche unter anderem schon gegen Landau die Mannschaftspunkte geteilt hatten. Erfreulicherweise
konnten unsere Gegner auch nicht mit den Top 8 starten, daher ergaben sich die folgende Paarungen:

Frischmann (2326) – Ovsejevitsch (2603)
Wild (2257) – Karsay (2323)
Weller (2246) – Kling (2145)
Grewenig (2138) – Frede (2195)
Holle (2088) – Meyer (2092)
Tabatt (2338) - Grieb L. (1788)
Becker (2105) – Hipler (1867)
Scheuermann (2124) – Grieb S. (1881)

Hochmotiviert wie eh und je und auf der Suche nach weiterer Vergeltung spielte Rick an Brett 1 eine extravagante Eröffnung mit Schwarz. 1.e4 c5 2.b3 Sf6 3.e5 Sd5 4.Lb2 g6 5.Df3 Sc7!? was an sich ok ist auch wenn man anschließend feststellte, dass 5...Sb4 die bessere Alternative war. In der
Folge ergab sich ein positionelles Gefriemel mit diversen taktischen Motiven.

Ovsejevitsch - Frischmann nach 15.Sb5!

In der Partie geschah 14...Kd8 (14...Sxb5? 15.Lxh7 Tg6 16.Lxg6 fxg6 17.h7 +−) Jedoch ging dann nach dem relativ simplen 15.Sxd4 cxd4 16.Sf3 kompensationslos ein Bauer verloren und Rick befand sich im Hintertreffen.

Mit großem Interesse verfolgten wir alle an Brett 2 das "Call it a day Rematch" mit vertauschten Farben.
Zur Erläuterung: Achim war es damals gelungen beim Grenke Chess Open 2017 mit Schwarz in der Eröffnungsphase der Philidor-Verteidigung den Bauern d6 a tempo einzustellen, da ihm sein Gedächtnis einen Streich spielte. Diese Partie ging dann auch hoffnungslos verloren...
Diesmal ging er wie gewohnt solider zu Werke. In einer Nebenvariante des Friesisch-Herb Systems (1.Sf3 2.e3) ähnelte die Struktur der Grünfeld-Indischen Verteidigung. Weiß behielt das Zentrum und Schwarz spielte dynamisch dagegen.

Wild - Karsay nach 9.Sbd2

In der Diagrammstellung folgte 9...e5! mit Ausgleich. Nach 10.dxe5 Sc6 11.h3 Lxf3 12.Sxf3 Sxe5 tauschte sich immer mehr Material und die Stellung verflachte zunehmends.

An Brett 3 musste ich diesmal mit den schwarzen Steinen vorliebnehmen. Immer das alte Lied: mangelnde Vorbereitung, taktische Finesse und ausgewogene Nervenstärke. Diesmal misslingte mir aber die Eröffnung gewaltig und ich befand mich frühzeitig am Abgrund. In einer mir unbekannten gefährlichen Nebenvariante der Chigorin-Verteidigung agierte ich nicht präzise genug und Weiß gewann schnell die Oberhand.

Kling - Weller nach 11.-Sd8

Wie auch in der nachträglichen Analyse vom ukrainischen GM Ovsejevitsch bestätigt ist 12.Tg1! die stärkste Fortsetzung. Mein Gegner verpasste diese Turmaktivierung durchweg die komplette Partie über. Nach 12...Dh6 13.Tc1 Sf6 14.Txc7 0-0 15.Tg2 ± ist die Partie zwar noch nicht vorbei aber weiße Stellung wirkt gefestigt und stabil.
Auch nach der Partiefortsetzung 12.Tc1 war die weiße Stellung zu bevorzugen.

Jan spielte an Brett 4 mit Weiß Schottisch eine gängige Hauptvariante. Beide Spieler befanden sich auf heimischem Terrain und es enstand eine interesannte Mittelspielstellung mit heterogenen Rochadestellungen.

Grewenig - Frede nach 11.-Te8

An dieser Stelle wäre 12.f3! ein systemgerechter Zug gewesen mit der Idee den Bauern e4 zu stützen, dann die Dame aus der Schussline bringen und mit g4 etwas starten. Stattdessen folgte das etwas langsamere 12.h3?! was Schwarz vor keine Probleme stellte.

Cedric wählte an Brett 5 mit Schwarz gegen die Englische Eröffnung einen eher unorthodoxen Aufbau. Jedenfalls entwickelte er alle seine Figuren, ob dies auch die richtigen Felder waren bin ich mir nicht so stimmig darüber.

Meyer - Holle nach 12.-Te8

Die weiße Idee sollte generell immer in Verbindung mit dem Bauernvorstoß f4 stehen. In der obigen Stellung wäre dies gut gewesen; ein paar Züge vorher noch viel stärker. Zu unserem Gunsten spielte sein Gegner 13.d5? was nicht nur die Spannung im Zentrum löste, sondern auch noch den Läufer auf b6 zum Leben wiedererweckte und f4 nun umso schwieriger gestaltet. In der Folge gelang es Cedric die weiße Königsstellung mit h5 anzuknabbern und er behielt die besseren Aussichten auf den vollen Punkt.

An Brett 6 nahm unser Routinier/Altmeister Hendrik mit den weißen Steinen Platz. Aufs Brett kam Königsindisch im Anzug. Bereits nach der Eröffnungphase machte sich das Elo-Übergewicht von ca. 550 Punkten unsererseits spürbar.

Tabatt - L. Grieb nach 11.Sh4

In der Partie geschah 11...b5 12.Sf5 Lc5 13.Df3+=. Genauer wäre in der Digrammstellung 11...h6 gewesen um den Lg5 mit "Quo vadis?" zu befragen. Nach dem auto-reply 12.Sf5 Lc5 13.Lh4 stellt 13..Kh7 die Drohung g5 wieder aufrecht. Während der Partie war mir einfach klar, dass Hendrik das Ding irgendwie schaukeln wird.

Jörg spielte mit Schwarz an Brett 7 gegen eine eher zahnlose Damenbauernspiel-Eröffnung. Aus der Eröffnung heraus fanden alle seine Leichtfiguren ein aktives Plätzchen und er hatte keine Probleme
auszugleichen.

Hipler - Becker nach 11.-dxc4

Besonders der Läufer auf h5 gefällt mir sehr gut. Normalerweise kenne ich solche Stellungen nur wenn der Läufer auf b7 geparkt ist. In der Digrammstellung wählte sein Gegner 12.Sxc4. Ob man jetzt mit den "hängenden Bauern" spielen sollte bleibt denke ich immer noch im gewissen Maße Geschmackssache. Jedenfalls hatte Jörg im weiteren Verlauf keine Schwierigkeiten und konnte standesgemäß einen Springer auf d5 etablieren und auf mehr hoffen.

Was sich an Brett 8 ereignet hat passt wieder in die Rubrik "Kurzgeschichten" Gerhard spielte mit Weiß die Vorstoß-Variante gegen Caro-Kann mit 4.Sc3 und 5.g4. Eine aggressive Variante, welche ich früher selbst mal gespielt habe. Schwarz reagierte etwas zimperlich in der Eröffnungsphase jedoch für Caro-Kann typisch immer noch solide genug und bei Überspannung des Bogens von Weiß konnte das auch schnell "backfiren".

Scheuermann - S. Grieb nach 13.f4

In der Diagrammstellung würde das natürliche 13...b5! Weiß schon vor einige Probleme stellen, da b4 droht und dieser keine gute Rückzugsmöglichkeit hat. Außerdem steht der a2-Bauer noch auf
dem Silbertablett für Schwarz serviert. Jedoch wählte Schwarz das gierige 13...Sb4 was taktisch gerade noch gerechtfertigt ist. Nach den Zügen 14.f5 Sxa2+ 15.Sxa2 Dxa2 16.Sc3 hätte man sich friedlich auf Remis einigen können nach 16...Da1+ 17.Sb1 Da4 18.Sc3 Da1+ usw. Sei's drum, es folgte 16...Da5? direkt und nach 17.Lb5+ war der schwarze König einem gigantischen Angriff ausgeliefert.

Die Punkte fielen wie reife Äpfel vom Baum. Zuerst Hendrik dann Gerhard und dann Jörg.

Tabatt - L. Grieb nach 19.Dg4

Hendrik konnte weiter positionell agieren und dabei ein paar plumpe Drohnungen aufstellen wie z. B. 20.Lg5-d8 oder Lg5-f6. Sein junger Gegner fiel ihm auch direkt zum Opfer, denn es folgte 19...Sdf6 und 20.Lxf6. Ein sauberer Vortrag mit einem etwas abrupten Ende.

1 : 0

Gerhard konnte seinen Angriff weiter fortsetzen und er ließ auch nichts mehr anbrennen. Keine 5 Züge später ergab sich bei ihm folgendes Bild:

Scheuermann - S. Grieb nach 22.-Te8

Es folgte nur noch 23.Sxd5 und danach warf sein Gegner das Handtuch. Mehr Worte benötigt diese Stellung auch nicht. Dewegen wollen wir es dabei belassen.

2 : 0

Jörg konnte seinen Gegner auch vor einige taktische Probleme stellen.

Hipler - Becker nach 20.-Lg5

Die besten Chancen hätte noch 21.Dc3 geboten. Die weißen Leichtfiguren in der d-Line wären weiterhin äußerst hilfebedürftig gewesen und die Entklammerung hätte noch ein paar genaue Züge erfordert. In der Diagrammstellung folgte allerdings 21.f4? und nach dem Zwischenzug 21...Sd5 ging dieser Bauer einfach verloren. Bauer Nummer 2 und 3 folgten bald und nach erfolgreichem Damentausch hatte sein Gegner keine Lust mehr weiterzuspielen. Wer kanns ihm verübeln.

3 : 0

Rick konnte leider aus seiner schlechteren Stellung mit Minusbauern nicht mehr viel rausholen. Sein Gegner gab ihm auch keine Chance mehr dazu. Den Punkt kann man und muss man wohl geben.

3 : 1

Achim gab einen Bauern her für das etwas freiere Spiel und die offene Turmlinie. Zudem hatte er noch das Läuferpaar in der Hinterhand, was ihm die nötige Kompensation bieten sollte.

Wild - Karsay nach 20.-Le7

Im richtigen Moment wickelte er mit.21 Lxb6 axb6 in ein ungleichfarbiges Läufer+Turm Endspiel ab, was kaum noch Chancen auf einen Sieg bereitlegte. Nachdem die Bauern noch alle festgelegt wurden einigte man sich auf die gerechte Punkteteilung. Eine zufriedenstellende Partie von Achim, dessen Gegner doch gerade in den letzten Jahre eine enorm positive Entwicklung genommen hat.

3,5 : 1,5

Cedric brachte dann die vorzeitige Entscheidung. Er war drauf und dran die weiße Königsstellung auseinanderzunehmen. Dies gelang ihm auch ganz gut.

Meyer - Holle nach 24.Se2

24...Dh6 hätte den Bauern g7 überdeckt und den Angriff sehr wahrscheinlich erfolgreich zu Ende geleitet. Nach der Partiefortsetzung 24...Te4?! sah sich sein Gegner gezwungen eine Qualität zu opfern mit 25.Tg1-Txg6 was auch richtig war und konnte die Stellung so verkomplizieren. Danach rannte Cedrics König einmal quer übers Brett aber am Ende konnte er selbst noch Mattdrohnungen gegen den weißen König aufstellen und somit die Entscheidung bringen.

4,5 : 1,5

Nach meiner vermurksten Eröffnungsbehandlung bot sich mir die Gelegenheit noch einen weiteren Bauer für aktives Figurenspiel zu opfern. Praktisch eine gute Entscheidung, da sich mir dann endlich taktische Pfuschereien boten. Leider rechnete ich diese auch nicht korrekt durch und am Ende musste die Zeitnot entscheiden.

Kling - Weller nach 30.Ld3

In der Diagrammstellung entschied ich mich für das Figurenopfer 30...Sexd5 31.exd5 Sxd5 und es folgte der fatale Fehler 32.Tf1?? Nach 32...De3 hing die Dame auf c3 und der Bauer auf b4. Mein Gegner konnte diese Drohungen nicht mehr parieren und gab die Dame für den mächtigen Springer auf d5. Das nachfolgende materielle Übergewicht brachte ich über die Zeitkontrolle und konnte auch den vollen Punkt einstecken.

5,5 : 2,5

Den Schlusspunkt setzte diesmal Jan.

Grewenig - Frede nach 17.-d5

In einer umkämpften Mittelspielstellung übersah er leider die ein oder andere gute Möglichkeit wie z. B. 18 c4! d4 (18...Se7 19.cxd5 Sexd5 20.Dc2 ±) 19.c5 ± jedoch tat es ihm sein Gegner gleich und die Stellung mündete schließlich in einem Turmendspiel 3 gegen 2 Bauern an einem Flügel. Das
wollte sein Gegner nicht mehr ausreizen bis zum Äußersten und willigte zum Remis ein.

Endstand 6 : 2

Fazit:
Ein verdienter Mannschaftssieg und 2 wichtige Punkte um oben dran zu bleiben. Da Worms jedoch gegen Landau knapp mit 4,5-3,5 gewinnen konnte, ist es uns nicht mehr vermacht ins Titelrennen noch einzugreifen. Wer allerdings nach 8 Spieltagen ein Konto aufweist von 16-0
Mannschaftspunkten hat es sich auch redlich verdient aufzusteigen.
Nichtsdestotrotz heitze Rick uns für das letzte Saisonspiel gegen Worms allen nochmal ein und wollte es wieder wissen auch wenn es nur noch um die goldene Ananas geht.

Bericht von Manuel Weller

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