Zweite Mannschaft beendet Saison ungeschlagen

Zum Abschluss der Saison in der Saarlandliga hatten wir die zweite Mannschaft des SC Turm Illingen bei uns zu Gast. Ähnlich wie die SVG Saarbrücken II oder Eppelborn trat auch dieser Gegner mit mehreren Jugendspielern an, was nicht zuletzt aufgrund der Tatsache, dass man aus der aktuellen DWZ dieser Spieler nicht unbedingt auf ihre aktuelle Spielstärke schließen kann, immer einen gewissen Reiz hat. Die Situation vor der Begegnung war günstig: durch unseren Vorsprung von drei Mannschaftspunkten auf Illingen I waren wir bereits Meister. Wir wollten also einerseits noch ein paar schöne Spiele machen, andererseits im Hinblick auf den Abstieg den Wettbewerb in dieser Liga nicht verzerren.

Als Gastgeber hatten wir an den geraden Brettern Weiß und spielten wie folgt:

1. Tabatt, H. (2298) - Giese Tilman (2005) 0:1

2. Becker, J. (2015) - Hauer A. (1900) 0:1

3. Bürmann, J. (2066) - Meiser, F. (1711) 1:0

4. Uhrig, C. (1919) - Schuh, F. (1290) 1:0

5. Busemann, S. (2022) - Feidt, J. (1235) 1/2:1/2

6. Scheuermann, G. (1987) - Siemann, L. (1177) 1:0

7. Fiedler, R. (1845) - Hubig, V. (1780) 1:0

8. Ripperger, R. (1855) - Feidt, D. (928) 1:0

Dabei ergab sich folgende chronologische Reihenfolge der Einzelergebnisse: Am siebten Brett spielte Robert mit Schwarz gegen Volker Hubig die Grünfeld-Verteidigung, in der er dem Gegner sowohl das Läuferpaar als auch die Kontrolle über die offene c-Linie überließ und dadurch relativ früh in Nachteil geriet.

Hubig, V. - Fiedler, R. nach 22...Da6

Hier steht Weiß ausgezeichnet. Die Beherrschung der c-Linie und die passive Stellung der schwarzen Figuren können durch 23.Le2 sofort ausgenutzt werden. Nach 23... Txc7 24.Dxc7 Lf6 (24... Sf5 ist wegen 25.g4 nicht gut) 25.Da5 Dxa5 26.Lxa5 entstünde mehr oder weniger forciert eine Stellung, in der Weiß mittel- bis langfristig einen Bauern gewinnen kann. Stattdessen hoffte Weiß mit 23.Lb4? auf sofortigen Materialgewinn, was sich allerdings als Fehlkalkulation erwies; Robert konnte die Partie mit 23... Txc7! 24.Dxc7 Tc8 25.Dxe7 Txc1+ umgehend drehen. Er ließ sich den Vorteil in der Folge auch nicht mehr nehmen und brachte uns mit

1:0

in Führung.

Meine eigene Partie an Brett 4 mit Weiß gegen Felix Schuh endete kurze Zeit später. Über eine Zugumstellung waren wir in der modernen Variante der italienischen Eröffnung gelandet und aufgrund einiger ungenauer Züge meines Gegners kam ich zu dem hierfür typischen Angriff am Königsflügel. Ich war in Besitz des Läuferpaars, hatte lang rochiert und zudem die g-Linie geöffnet. Schwarz hatte die Spannung im Zentrum aufgelöst und dankenswerterweise auch auf etwaiges Gegenspiel am Damenflügel verzichtet. Einziger Nachteil für Weiß in solcher Stellung: es gibt gleich mehrere Gewinnpläne und man muss sich entscheiden. Ich hatte aber wenig Zeit verbraucht und konnte in Ruhe überlegen, welche Vorgehensweise mir am besten zusagt.

Uhrig, C. - Schuh, F. nach 21... Ted8

Es bietet sich beispielsweise 22.Th3 an, mit Turmverdoppelung auf der g-Linie und späterem Einschlag auf g7. Ebenso gewinnt 22.Sg6+, wo es für Schwarz nach dem Tausch der Springer auf g6 notwendig ist, den Läufer auf d2 rauszunehmen, was die Qualität kostet, ohne den weißen Angriff völlig zum Erliegen zu bringen. Andernfalls gewinnt Weiß jedoch leicht durch Verdoppelung der Türme auf der a-Linie und späterem Einschlag des Läufers auf h6. Mir gefiel jedoch eine dritte Variante, nämlich 22.Lxg8 am besten. Sie erfordert zum Ersten keinerlei Materialopfer von Weiß, zum Zweiten endet das Spiel in einigen Varianten bereits nach wenigen Zügen und zum Dritten kann Weiß wohl in allen Varianten zumindest sofort Material gewinnen. Die beste Antwort wäre auch hier die Hergabe der Qualität mit 22... Txd2 gewesen, was das Ende des Spiels wohl etwas hinausgezögert hätte. Alle anderen Züge verlieren schnell: Nach 22... Sxg8 geht natürlich 23.Sg6+ mit Damengewinn, nach 22... Kxg8 darf sich Weiß zwischen 23.Lxh6 mit Mattangriff und 23.Dc4+ mit Figurengewinn entscheiden und nach dem Partiezug 22... Dxg8 sah sich Schwarz nach 23.Lxh6 Dxa2 24.Lxg7+ ebenfalls einem Mattangriff ausgesetzt. Wenige Züge später war das Spiel dann auch zu Ende und es stand

2:0

Gerhard hatte sich mit Weiß an Brett 6 mit Lukas Siemann auseinanderzusetzen und beantwortete dessen sizilianische Eröffnung mit dem Grand Prix Angriff. Zwar ließ Gerhard im Mittelspiel dem Gegner etwas freie Hand am Damenflügel, aber letzten Endes fehlten die dort aktiv gewordenen schwarzen Figuren dann auch bei der Verteidigung des eigenen Königs. Nachdem Weiß in für diese Eröffnung typischer Manier in Vorteil gekommen war, spielte Gerhard zwar nicht unbedingt den schnellsten Gewinnweg, hielt aber den Druck aufrecht und für Gerhard-Kenner war klar, dass es mit der schwarzen Stellung vermutlich bald zu Ende gehen würde.

Scheuermann, G. - Siemann, L. nach 24.Da5

Hier gibt es mehrere gewinnträchtige Fortsetzungen für Weiß, etwa 25.Sxh5, aber das Beste ist vermutlich Gerhards Partiezug 25.Tf5!. Wenn Schwarz danach noch weiterspielen will, muss er 25... Kh7 26.Taf1 Dd8 probieren, alles andere ist deutlich schlechter. Lukas hat diese Variante entweder nicht gesehen oder falsch eingeschätzt und mit 25... Sxf6? gewissermaßen schon die Segel gestrichen. Wenige Züge später gratulierte er Gerhard zum Sieg und es stand

3:0

Am dritten Brett spielte Jan mit den schwarzen Steinen gegen Fabian Meiser. Letzterer spielte wie Gerhard Grand Prix gegen Jans Sizilianer, allerdings eine in meinen Augen eher zweifelhafte Variante. Nach nur 8 Zügen entstand folgende Stellung, zu der es erstaunlicherweise auch viele Vorgängerpartien gibt:

Meiser, F. - Bürmann, J. nach 8.f5

Ich bin kein Grand Prix Experte, aber dieser Aufbau scheint mir für Weiß nicht wirklich erstrebenswert, f5 kam hier vielleicht doch eine Nuance zu früh. Jan hatte die Partie nach den weiteren Zügen 8... d5! 9.Lb3 dxe4 10.Dxe4 Sxf5 meines Erachtens gefühlt schon im Sack. Er ließ auch überhaupt nichts mehr anbrennen, konnte zusätzlich auch noch davon profitieren, dass sein Gegner weiteren Figurenabtausch nicht nur nicht zu vermeiden suchte, sondern sogar anzustreben schien, und bald befand man sich in einem für Schwarz klar gewonnenen Turmendspiel mit Mehrbauer. Fabian sah das dann auch ein und es stand

4:0

Stephan hatte in dieser Saison besonders oft das interessante, aber manchmal auch zweifelhafte Vergnügen, gegen junge Spieler zu spielen, deren gute Eröffnungskenntnisse in keinem großen Zusammenhang zu ihrer noch ausbaufähigen DWZ stehen. So auch diesmal mit Jonas Feidt, der in einem englischen Vierspringerspiel bis zum 17. Zug einer bekannten Variante folgte. Stephan wich als erster ab und Weiß kam daraufhin leicht in Vorteil.

Feidt, J. - Busemann, S. nach 18.Lxb7

Hier muss Schwarz wohl den Minusbauern akzeptieren und mit 18... Tab8 auf die aktivere Figurenstellung setzen. Nach dem Partiezug 18... Sa4? kann Weiß durch 19.Lxa8 Txa8 20.Sc4! in deutlichen Vorteil kommen. Jonas spielte statt 20.Sc4 zwar 20.Da1, aber auch das war kein schlechter Zug. Es bliebe natürlich abzuwarten, ob er seinen Vorteil gegen seinen erfahrenen Gegner hätte halten können, an dieser Stelle einigten sich die beiden jedoch auf ein Remis, was dem Gegner zwar den ersten halben Punkt bescherte, uns aber bereits den Mannschaftssieg sicherte. Aktueller Spielstand war jetzt also

4,5:0,5

Als Nächstes ging die Partie am ersten Brett zu Ende. Hendrik hatte mit Schwarz gegen Tilman Giese einen damenindischen Aufbau gewählt. Er erreichte auch früh Ausgleich und schon bald setzte er Weiß – begünstigt durch dessen etwas unkonventionellen Entwicklung seines Damenläufers - durch eine Mischung von gutem Figurenspiel und geschickten Bauernzügen unter Druck. So weit war alles gut und es kam zu folgender Stellung:

Giese, T. - Tabatt, H. nach 27.dxe5

Hier geschah das entscheidende Missgeschick. Der Partiezug 27... d4? sieht verlockend aus, hätte aber weiter vorbereitet werden müssen. Nach 28.Db3+ Kh8 29.Dxb5 dxc3 30.bxc3 drehte sich das Blatt zugunsten von Weiß. Sowohl 27... Tfd8 als auch 27... De6 hätten hingegen den schwarzen Vorteil festgehalten. Tilman konnte später seinen Vorteil weiter ausbauen und die Partie sicher nach Hause bringen. Neuer Spielstand war

4,5:1,5

Am achten Brett spielte Reinhold mit Weiß gegen Dennis Feidt. Leider liegt mir die Partie nicht vor, Reinhold hat mir aber später in humorvoller Weise erläutert, wie er in der Eröffnung - gespielt wurde Zweispringerspiel – einen einzügigen Figurengewinn übersehen hatte und danach erst mal für einige Zeit nicht mehr ziehen konnte, weil er damit beschäftigt war, sich über sein Missgeschick zu ärgern. Schließlich nahm er den Faden aber wieder auf und überspielte seinen Gegner auf gewohnte Weise und es stand:

5,5:1,5

Den Schlusspunkt setzte Jörg am zweiten Brett mit Weiß gegen Andreas Hauer. Letzterer spielte die Owen-Verteidigung, die ich lange nicht mehr gesehen hatte; vor vielen Jahren war ja die Variante mit 3.Ld3 f5?? – sie wurde hier natürlich nicht gespielt - zumindest im Amateurschach für einige Zeit en vogue, bis irgendwann jeder die Wiederlegung der schwarzen Spielweise kannte. Jörg entwickelte sich erst mal gut und einige Züge lang war auch alles noch in Ordnung. Doch dann kam er infolge etwas unglücklicher Manöver seines Damenläufers etwas in Nachteil. Schwarz kontrollierte schließlich die Diagonale a8-h1 und schickte sich zudem an, die d-Linie zu besetzen. Jörg versuchte, die gegnerischen Drohungen durch einen Königsangriff zu parieren.

Becker, J. - Hauer A. nach 21Sxf5?

Hier sollte nun Schwarz den Springer auf f5 einfach nehmen. Seine wesentliche Verteidigungsressource besteht dabei in dem Zug Le4, der auf fast alle weiße Entgegnungen die richtige Antwort ist. Eine kritische Variante ist beispielsweise 21... gxf5 22.Txf5 Le4 23.Dg4+ Kh8 24.e6+ f6 25.Txc5 Lxb1! 26.Txb1 Lxc5 27.Lxc5 Tg8 und der weiße Angriff verpufft. Auch nach 21... gxf5 22.Lxf5 Le4 23.Dg4+ Kh8 24.Tae1 Lxf5 25.e6+ f6 kommt Weiß nicht weiter. Gespielt wurde jedoch 21... Se6?, was Weiß Gelegenheit gibt, mit 22.Dg4 gleich mehrere Probleme zu lösen. Der Bauer g2 wäre dann gedeckt, g6 wäre gefesselt und Weiß könnte seine Entwicklung in Ruhe beenden. Nach der Partiefortsetzung 22.Sh6? Kg7 blieb allerdings Schwarz am Drücker und Andreas gab sich keine weitere Blöße. Jörg kämpfte noch für einige Zeit, aber irgendwann war es dann vorbei.

Endstand:

5,5:2,5

Wir haben damit lediglich in der ersten Runde gegen unsere dritte Mannschaft einen Mannschaftspunkt liegen lassen, in allen anderen Begegnungen haben wir jeweils mindestens fünf Brettpunkte erzielt und die Meisterschaft mit vier Punkten Vorsprung vor dem SC Turm Illingen I gewonnen. Nach aktuellem Stand steigen wir allerdings nicht in die Oberliga Südwest auf, weil unsere erste Mannschaft, die nach einem souveränen Sieg in der letzten Runde gegen Spitzenreiter Worms den Aufstieg in die zweite Bundesliga nur um ein winziges Pünktchen verpasst hat, in der Oberliga verbleiben wird und dort nur eine Mannschaft pro Verein gemeldet werden kann.

Ich möchte an dieser Stelle sagen, dass es eine sehr schöne Saison war und es wahnsinnig viel Spaß gemacht hat, mit dieser Mannschaft zu spielen. Wir sind meistens in Bestbesetzung angetreten und man hatte immer das Gefühl, dass das Team als Ganzes hervorragend funktioniert. Besonders hervorheben möchte ich, dass Reinhold – meist am achten Brett – aus 7 Partien ganze 7 Punkte geholt und damit einen Score von 100 Prozent erzielt hat. Dem stand Gerhard mit 5,5 Punkten aus 6 gespielten Partien – meist am sechsten Brett – nur wenig nach. Und die ohne Niederlage erzielten 7 Punkte aus 9 Partien von Jan – meist am dritten Brett – sind ebenfalls aller Ehren wert.

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