SC Caissa Schwarzenbach

So geht Schachclub heute

Guter 13. Platz bei der 88. Deutschen Meisterschaft in Apolda

Da Saarlandmeister Ronny Müller nicht an der Meisterschaft teilnehmen konnte, übernahm ich als Zweitplatzierter gerne seinen Startplatz. Nachdem ich bereits 2013 und 2015 in Saarbrücken dabei war, spielte ich nun auch zum ersten Mal außerhalb des Saarlands. Bereits ein Blick auf die Teilnehmerliste erzeugte bei mir große Vorfreude – das Turnier war mit 27 Titelträgern bei 40 Teilnehmern so stark besetzt wie schon lange nicht mehr. Die Turnierorganisation hatte es geschafft eine gute Mischung aus routinierten Spitzenspieler und hungrigen Nachwuchsspieler herzustellen. Ich selbst war an Platz 26. gesetzt und hatte das Ziel in der ersten Hälfte zu landen und dabei noch meine erste IM-Norm einzusammeln.
Gespielt und übernachtet wurde im Hotel am Schloss, welches dazu hervorragende Spielbedingungen bat. Nach meiner problemlosen Anreise, fand die Eröffnungsfeier in der Vereinsbrauerei Apolda statt – genauer gesagt im Lager der Vereinsbrauerei. Neben Kisten voller Apoldaer Bier genossen wir unser „frisch gezapftes“ und aßen dazu Gegrilltes. Insgesamt fand ich die Wahl des Standorts eine tolle Idee, der eine sehr freundliche und gesellige Atmosphäre erzeugte.
In der ersten Runde spielte ich gegen GM Alexander Donchenko (2573 Elo). Noch vor zwei Jahren in Saarbrücken hielt ich gegen ihn mit Schwarz Remis, was mir diesmal allerdings nicht gelang. Er zeigte sich gut vorbereitet und ich kam mehr oder weniger gar nicht in die Partie. Nachdem ich mich wieder einigermaßen zurückgekämpft hatte, ließ ich mich vierzügig mattsetzen. Damit hatte ich es nicht nur auf die Facebookseite von Susan Polgar geschafft, sondern werde damit wohl auch noch einige Taktik-Bücher füllen.

In der 2. Partie gegen Daniel Prenzler (2210) spielte ich erneut nicht gerade überzeugend. Ich hatte zu Beginn einigen Druck, der dann langsam verflachte und zwischenzeitlich sogar in schwarzem Vorteil hätte münden können. Diese Möglichkeit übersah mein Gegner glücklicherweise, wodurch ich nach dem Erreichen des 40. Zuges wieder eine leicht bessere Stellung bekam. Kurz später wickelte mein Gegner dann in ein für ihn verlorenes Bauernendspiel ab und ich konnte so meine Auftaktniederlage wieder ausgleichen.

In den folgenden 3 Partien gegen GM Tischbierek (2450), Schmidt-Schäffer (2380) und FM Jahncke (2340) hatte ich jeweils bessere bis hin zu technischen Gewinnstellungen erhalten. Leider hat es mir deutlich an der nötigen Technik gemangelt und es sprangen nur drei magere Remis heraus. In der 4. Partie hätte ich mehrmals auf schöne Weise die Initiative an mich reißen können:

Schmidt-Schaeffer – Frischmann nach 38.Dc6

1) Wie sollte sich Schwarz um den Bauern b5 kümmern? Antwort am Ende des Artikels.

In der 6. Runde bekam ich dann die schwarzen Steine gegen GM Rainer Buhmann (2590). Dieser war überraschenderweise bis dato der Remis-König des Turniers, was mich etwas optimistisch stimmte. In der Partie kam eine Grünfeldstruktur aufs Brett. Nachdem ich mir eine Ungenauigkeit erlaubte stand ich früh schon verdächtig. Ich sah mich schließlich gezwungen einen Bauern für das Läuferpaar zu opfern – praktisch gesehen mit Sicherheit die beste Option. Wären meine weißen Felder nicht so schwach gewesen, wäre die Stellung wohl völlig in Ordnung für mich. Leider war dem nicht so und nach einer Folge von sehr genauen Zügen meines Gegners, hatte ich einige Probleme meine Stellung zusammenzuhalten. In großer Zeitnot übersah mein Gegner eine relativ triviale Gewinnkombination und ich konnte mich in ein Turmendspiel retten, das nicht zu gewinnen war.

Buhmann – Frischmann nach 47.-Tc6

Weiß kann keine Fortschritte erreichen, da er an die Verteidigung des Bauern d6 gebunden ist. Der weiße König besitzt keine Möglichkeit einzudringen und Schwarz hat immer die Wartezüge Kg7-f6 bzw. Ta6-b6-c6, wenn Weiß den König nach e4 stellt.

In der 7. Runde wurde ich dann mit Weiß gegen die einzige Teilnehmerin FM Jana Schneider (2270) gelost. Ich musste in den letzten Runden bei guten Gegnern noch mindestens 2/3 holen, um eine IM-Norm zu erreichen. Wenn ich gewinne, bekomme ich in den folgenden Runden stärkere Gegner und es reichen vermutlich 2 Remis. Sollte ich nur Remis spielen, müsste ich in den letzten beiden Runden gegen ungefähr gleichstarke Gegner beiden Partien gewinnen. Während der Vorbereitung fiel mir auf, dass sie wahrscheinlich die gleiche Französisch-Variante wie mein Gegner der 2. Runde spielen könnte. Bei der Analyse stieß ich auf eine interessante Möglichkeit, die auch prompt auf dem Brett erschien.

Frischmann – Schneider nach 14.-0-0

2) Funktioniert hier 15.Sxh6+? Antwort am Ende des Artikels.

Ich erreichte bald eine sehr gute Stellung, aber spielte verdammt ungenau weiter. Die Verwertung von guten Stellungen scheint momentan wirklich mein Hauptproblem zu sein. In der Folge entstand diese Stellung:

Frischmann – Schneider nach 27.-Dh5

3) Wer steht besser und warum? Sollte Weiß mit 28.Le2 Dh7 29.Ld3 Dh5 die Zugwiederholung annehmen? Antwort am Ende des Artikels.

Nach dem Remis brauchte ich also 2 Siege für die Norm und wurde in der 8. Runde mit Schwarz gegen FM Jens Hirneise (2328) gelost. Was ich selbst als recht schlechte Stellung für mich empfand, sieht der Rechner schon fast als Verluststellung an. Jens fand allerdings nicht die genausten Züge und am Ende verteidigte ich ein schlechteres Endspiel dann relativ genau und die Partie endete Remis.

Die letzte Runde spielte ich gegen FM Karsten Schulz (2276). Mit Weiß wollte ich zum Abschluss natürlich noch einen Sieg einfahren und wählte ausnahmsweise mal wieder 1.d4. Schnell bekam ich eine gut zu spielende Maroczy-Struktur, in der ich meinen Gegner „kneten“ wollte. Dieser verteidigte sich allerdings sehr dynamisch. Ich behielt zunächst den Überblick und gewann durch mithilfe einer Doppeldrohung eine Figur gegen 2 Bauern. Anschließend opferte ich völlig richtig einen weiteren Bauern für den Damentausch und Aktivität. Bei richtiger Fortsetzung wäre eine technische Gewinnstellung herausgekommen, aber ich tat mich mal wieder sehr schwer. Ich stellte meine Figuren auf falsche Felder und ließ meinen Gegner immer mehr Boden gutmachen. Irgendwann hatte ich die Stellung dann soweit vermasselt, dass ich auf Verlust stand. Dann geschah Folgendes: Schon vor der Runde wurde angekündigt, dass der Raum aufgrund einer anderen Veranstaltung um 3 Uhr gewechselt werden muss. Dies musste nach den Regeln der Hängepartie geschehen. Wer hätte jemals daran gedacht, dass ich im Leben noch zu einer Hängepartie komme? Jedenfalls war mein Gegner am Zug und notierte seinen Zug. Die Unterbrechung der Partie war an dieser Stelle recht günstig für mich, da ich schon in erheblicher Zeitnot war. Beide Partieformulare wurden in einen Umschlag gepackt und es wurde in einem anderen Raum nach kurzer Zeit weitergespielt. Interessanterweise drehte genau dieser Zug die Partie wieder zu meinen Gunsten. Im folgenden Endspiel riss ich mich wieder zusammen und rechnete die Hauptvariante korrekt bis zum Gewinn.

Somit konnte ich mich schlussendlich noch auf den 13. Platz vorschieben und war trotz verpasster IM-Norm durchaus zufrieden mit meiner Leistung.

Ein großes Lob muss ich der Turnierorganisation aussprechen. Es wurde ein ebenso starkes wie spannendes Teilnehmerfeld zusammengestellt, der Spielort war ausgezeichnet, für die Versorgung der Spieler war stetig gesorgt, die Turnierleitung war souverän und auch die gesellige Atmosphäre bei der Eröffnungsfeier und Siegerehrung haben mir sehr gefallen.

 

1) Schwarz kann hier mit 38.-Td2! fortsetzen und so den Bauern b5 indirekt decken. 39.Dxb5? verliert sofort wegen 39.-Dg5 und Weiß ist machtlos gegen die Drohungen Dxg3+ und Txf2+. Zum Beispiel: 40.Kg1 Txf2+! 41.Kxf2 Lxg3+ 42.Kg2 Dxb5 -+

2) 15.Sxh6! gibt Weiß hier einen extrem starken Angriff. Nach 15.-gxh6 folgt nicht 16.Lxh6 (wegen 16.-Dg3!) sondern 16.Df3! Le7 17.Ld3. Weiß hat genug Zeit den Bauern h6 zu nehmen und bringt zunächst mehr Figuren in den Angriff. Die beste Verteidigung für Schwarz laut meinen Analysen 17.-Dc6 und nach 18.Te4! entsteht ein schönes Chaos auf dem Brett.

3) Nach einmaliger Stellungswiederholung entschied ich mich hier doch für das richtige 28.gxf6!. Es folgte 28.-Txg3+ 29.fxg3 Df3 30.Tg5+ Kf8 31.fxe7+ Kxe7 32.h4? (32.Te1+- droht Le4). Selbst nach dem ungenauen 32.h4 stand ich noch immer auf Gewinn, da meine Figuren Verbindung mit dem h-Bauern einfach zu stark sind und Schwarz nebenbei erhebliche Probleme mit ihrem König hat. In erheblicher Zeitnot übersah ich leider einige gute Züge für mich und begnügte mich am Schluss in immer noch besserer Stellung mit einem Remis. Das war enttäuschend.

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