SC Caissa Schwarzenbach

So geht Schachclub heute

Tabellenführung nach Spieltag 1

Bericht von Mannschaftsführer Alexander Gress zum erfolgreichen Auftakt der 3. Mannschaft:

 

Nach einem Jahr in der zweiten Bundesliga kehrte ich zu meinen Wurzeln in die Verbandsliga zurück und übernahm direkt den Posten als Mannschaftsführer. Im ersten Spiel hatten wir Riegelsberg zu Gast, was direkt in der ersten Runde schon einen harten Brocken darstellt. Wir mussten auf Stanley und die beiden Michaels verzichten, zudem wurde Nima als Aushilfe in die zweite Mannschaft hochgezogen. Um unseren neun Mann starken Kader aufzufüllen, brauchen wir also drei Ersatzspieler aus der vierten Mannschaft. Dieter, Madlen und Hans-Jürgen sollten sich als genau die richtige Wahl herausstellen. Bei drei Ersatzspielern fällt oft der Begriff „Ersatzgeschwächt“, aber auch in den Reihen von Riegelsberg vermisste ich ein paar erfahrene Recken, wie Fritz, Axel und Rolf. Demnach startete der Kampf etwa auf Augenhöhe.

Ich spielte eine lange Partie, deshalb kann ich mich nicht genau an den exakten Verlauf des Matches erinnern, aber ich versuche trotzdem mal den Werdegang zu rekonstruieren. Die erste Partie entschied Hans-Jürgen für uns. Er spielte mit Weiß gegen Ronny Heisel und wählte gegen die französische Verteidigung einen soliden Ansatz und es entstand ein Mittelspiel mit einem typisch französischen rückständigen Bauern auf e6. Ein inkorrektes Qualitätsopfer von  Schwarz brachte unseren Mann in eine vorteilhafte Position. HJ nutzte seine Dominanz und machte ordentlich Druck gegen den schwarzen König. Dank des Materialvorteils gab es dann bald schon keine Verteidigung und der Angriff brach entscheidend durch. 1-0 für uns.

An Brett 4 spielte Harald mit Weiß gegen Reinhard Reichel und befand sich nach einem abgelehnten Morra Gambit in einer guten Stellung mit großem Raumvorteil. Harald hatte Schwierigkeiten im Mittelspiel einen Plan zu finden und die Stellung drohte zu kippen, da verlor sein Gegner die Nerven, verlor großzügig Material und gab sofort auf. 2-0.

Madlen hatte nach einer von beiden Seiten ruhigen und soliden Eröffnung das Läuferpaar auf ihrer Seite. Die Stellung wirkte zäh und es konnten kaum Fortschritte verbucht werden bis ihr Gegner Hauke Ratayczak eine schöne taktische Idee von Madlen übersah und die Qualität verlor. In der Folge spielte Madlen die Stellung sehr souverän zu Ende, stark! 3-0.

Am zweiten Brett spielte unser langjähriger Papiertiger Christian. Einige befürchteten ihm fehle etwas die Praxis und um es seinen Kritiker zu beweisen eröffnete er gegen die offene Zweispringerverteidigung mit dem aggressiven Springer g5. Sein Gegner, Marlon Schäfer, wusste genau was er tat und spielte eine der schärfsten Abspiele, die ich persönlich kenne. Christian hatte eine Qualität und einen Bauern für eine handvoll Entwicklungstempi. Bei exaktem Spiel kann Weiß eine vorteilhafte Stellung erreichen, allerdings ist diese zweischneidige Stellung praktisch enorm schwer zu behandeln. Nach der ersten Ungenauigkeit bevorzugt der Computer schon die schwarzen Steine, nach der Zweiten schien es schon hoffnungslos zu sein. Marlon spielte tadellos. Druckvolle, dynamische Züge, die man eigentlich nur als Maschine verteidigen kann. Eine starke Vorstellung und man kann Christian keinen Vorwurf machen, dass er an dem Tag gegen diesen Gegner verloren hat. 3-1.

Es ging nun über die Zeitkontrolle, der Zwischenstand und die Stellungen auf den restlichen Brettern ließen in mir eine sehr gute Stimmung aufkommen. Wir brauchten noch 1,5 Punkte aus vier Partien. Zwei Bretter standen glatt auf Gewinn, eine auf Ausgleich und ich selbst stand auch etwas besser.

An 8 spielte für uns Dieter Stolz mit Weiß gegen Steven Müller. Ich spielte fast meine komplette Schachkarriere im selben Verein wie Dieter und freute mich, mal wieder mit ihm an einer Seite zu kämpfen. In der Eröffnung vernachlässigte Steven die Entwicklung und das Zentrum, den Lehrbüchern zufolge keine gute Idee und so kam Dieter sehr früh in eine Gewinnstellung. Doch Dieter zeigte Nerven, nach verpassten taktischen Schlägen konnte sich Steven wieder zurückkämpfen. Die entstandene Stellung war von aktiven schwarzen Figuren und einem weißen Zentrumsfreibauer geprägt. Steven agierte zu passiv und tauschte zu viele Figuren. Schließlich konnte Dieter den Abtausch aller Figuren erzwingen und der weiße Freibauer war der entscheidende Faktor im entstandenen Bauernendspiel. 4-1.

Achim erreichte, nach schwacher Eröffnung seines Gegners Michael Schwindling, mit den schwarzen Steinen eine gute Stellung. Das geschlossene Mittelspiel war von strategischen Ungenauigkeiten geprägt. Unterm Strich behielt Achim den besseren Überblick und ein Endspiel Läufer gegen Springer ist entstanden. Das Endspiel war vermutlich nicht zu halten für Weiß, zudem kannte Achim keine Gnade und spielte es perfekt. Geduldig verwandelte er die strategischen Vorteile in einen vollen Punkt. 5-1, ab hier war alles klar, so dass Robert und ich unsere Partien nun ohne Druck spielen konnten, was aber natürlich auch für unsere Gegner bedeutete.

Zu diesem Zeitpunkt hatte Robert eine 0.0 Turmendspielstellung auf dem Brett. Das ganze war nicht super trivial und sein Gegner HaJü Alt versuchte alles um den vollen Punkt mit zu nehmen. Robert wirkte sich seiner Sache extrem sicher, für meine Begriffe spielte er seine Züge aber zu schnell. Wäre es noch um etwas gegangen, hätte mich das sicherlich Nerven gekostet. Tatsächlich verteidigte er sich inkorrekt und die Stellung war einige Züge lang für Weiß gewonnen, aber HaJü hatte die entscheidende Ressource nicht gesehen. Robert hat mal wieder seine Zähigkeit unter Beweis gestellt und nimmt den halben Punkt mit. 5,5-1,5.

Die letzte laufende Partie war meine, ich spielte mit Schwarz gegen Thomas Wannemacher. Seine Eröffnungswahl überraschte mich, er spielte eine Modevariante im Najdorf-Sizilianer. Er entwickelte seine Dame auf ein unübliches Feld, da war ich aus dem Buch und kam zu dem Schluss, dass dieser Zug den schwarzen Standardplan entkräftet. Nach der Partie stellte ich fest, dass ich das alles einmal analysiert hatte und der Standardplan funktioniert, aber daran konnte ich mich ja nicht erinnern. Im folgenden behandelte ich die Najdorf-Struktur (quasi mein Wohnzimmer) einfach etwas besser und erhielt das aktivere Figurenspiel in einer heterogenen Rochadestellung. Thomas wickelte hier in ein nachteiliges Endspiel ab. Eine Ungenauigkeit von mir in dieser Abwicklung versagte mir großen Vorteil. Kurz vor der Zeitkontrolle entwickelte sich das Endspiel schnell weiter und wir landeten in einem Turmendspiel mit gleichem Material, nur mein König stand aktiv im Zentrum und sein König in seiner Rochadestellung. Im 39.ten Zug verpasste ich den Gewinnzug und nach der Zeitkontrolle entstand ein Endspiel, dass nur Schwarz gewinnen konnte. Meine bisherigen Analysen lassen allerdings vermuten, dass die Stellung für Weiß zu halten ist. Thomas verteidigte sich nicht ganz perfekt, aber ausreichend um eine theoretische Remisstellung zu erreichen. Ich konnte zwar einen Freibauern durchbringen und damit seinen Turm erobern, allerdings waren die verbliebenen weißen Bauern, unterstützt durch den König, zu viel um den vollen Punkt mit zu nehmen. Ausgerechnet in dieser Stellung machte Thomas einen schwerwiegenden Fehler, nachdem ich leichtes Spiel hatte.

Der Endstand 6,5-1,5 widerspiegelt, dass alle Entscheidungen uns zu Gute kamen. Hätten wir an dem Tag mehr Pech gehabt und Riegelsberg mehr Glück, so wären wir dennoch siegreich gewesen, da wir eine hochkonzentrierte geschlossen starke Teamleistung gebracht haben. In dieser Form sind wir ein ganz klarer Titelaspirant!

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