SC Caissa Schwarzenbach

So geht Schachclub heute

Hoher Auswärtssieg in Altenkirchen – trotzdem alles andere als souverän

Vor zwei Wochen traten wir zu unserem allerersten Aufeinandertreffen gegen den SK Altenkirchen an. Zwei Jahren zuvor in die Oberliga aufgestiegen, hielten diese in der letzten Saison die Klasse. Dieses Jahr konnten sie zumindest gegen den SC Heimbach-Weis/Neuwied einen knappen Auswärtserfolg erzielen und in dieser Klasse darf bekanntlich keine Mannschaft unterschätzt werden!

Aufgrund der 3-stündigen Fahrtzeit, die mit hoher Wahrscheinlichkeit in einer sonntäglichen Chaos-Anreise gemündet hätte, entschlossen wir uns ausnahmsweise bereits am Samstag anzureisen. Erfreulicherweise wurde diese Idee durch unseren Vorstand unterstützt – hierfür noch mal ein spezieller Dank!

Wir übernachteten beim coolen Amerika-Auswanderer Quaide und machten uns einen schönen Abend. Simone aka Salamino unterstützte uns nicht nur als Zuschauer, sondern zauberte uns als „Chef de Cuisine“ einwandfreie Penne all’amatriciana.

Ständig Hunger – Captain Rick hat keine Zeit für große Fotoshootings

Jörg ersetzte Andre und somit lauteten die Paarungen wie folgt:
1. FM Brühl, Andreas, Dr. (2337) – Frischmann, Rick (2357)
2. FM Wagener, Claude (2259) – Fries, Frederik (2306)
3. Heidorn, Oliver (2132) – Wild, Achim (2226)
4. Telke, Holger (2099) – Czybik, Nils-Patrick (2173)
5. Kaster, Martin (2097) – Holle, Cedric (2098)
6. Schmidt, Reiner (2199) – Tabatt, Hendrik (2325)
7. Hoffmann, Thomas (2031) – Grewenig, Jan (2095)
8. Schmerda, Ingo (1880) – Becker, Jörg (2116)

In der Vorbereitung sah ich, dass mein Gegner ein recht klassisches Repertoire hat. Ich vermutete, dass mein geliebtes Schottisch aufs Brett kommen würde, und das geschah auch. Lustigerweise entschied sich mein Gegner genau für eine Variante, die ich kurz davor mit Jan analysiert hatte.

Frischmann – Brühl nach 9.-g5

Bekannt wurde dieser Zug als Viswanathan Anand ihn bei der Schachweltmeisterschaft 1995 gegen Garry Kasparov anwandte und damit relativ schnell ein Remis erreichte. Anschließend fand der Zug allerdings nie wirklich große Beachtung von starken Spielern und auch die Engine bevorzugt andere Züge. Nichtdestotrotz macht die schwarze Idee natürlich einen gewissen Sinn, da weißes f2-f4 verhindert wird und so der e5-Bauer als typisches Angriffsziel gilt.
Ich erwiderte mit dem von vielen Schottisch-Experten bevorzugten 10.h4 und nach den logischen Zügen 10.-Lg7 11.Lb2 0-0-0 12.Sd2 Sb4 13.De4 The8!? (13.-Lb7 mit der Idee c6-c5 empfand ich als kritischer), entstand folgende Stellung.

Frischmann – Brühl nach 13.-The8!?

Weiß muss aufpassen nicht in die Falle 14.a3?? zu tappen. Nach 14.-Lxe5! 15.Dxe5 (15.Lxe5 Sc2! -+) Df6 (Dd6) gewinnt Schwarz. Ich spielte stattdessen 14.0-0-0!? und war recht zufrieden mit meiner Stellung.

Freddys Gegner wählte ein "tricky" 6.Ld3-System gegen Najdorf. Freddy erwiderte 6.-g6 (Schwarz hat natürlich viele Alternativen wie 6.-Sc6!? oder 6.-e5) und leitete bald zu einer Struktur über, die mir aus meinem eigenen Sizilianisch Repertoire bekannt war.

Wagener – Fries nach 13.f5

Freddy entschied sich hier für 13.-b4 nebst 14.-e5, was in dieser konkreten Stellung wahrscheinlich nicht gut ist. Prinzipiell sollte Schwarz in diesem Stellungstyp die Spannung aufrechterhalten und z. B. mit 14.-Lb7 fortsetzen. Entscheidender war allerdings, dass Freddy nach fxg6 mit dem h-Bauern zurücknahm, was in diesem Stellungstyp fast immer zu starkem weißen Angriff führt. Das Schlagen mit dem f-Bauern sieht zwar auch gefährlich aus, gibt aber Schwarz oft die Möglichkeit sich über die f-Linie durch Schwerfiguren-Tausch (z. B. Sh5) zu entlasten. Hier sah es also früh schon nicht gut aus für unseren Spieler.

Achim wählte mit Weiß dieses Mal die gleiche Variante, gegen die er in der letzten Runde mit Schwarz verloren hatte. Nach dem typischen Durchbruch e3-e4 stand Weiß zumindest optisch leicht besser.

Wild – Heidorn nach 16.Dc2

Nils' Gegner wählte mit Weiß einen Colle-Aufbau. Was sich nach einer langweiligen Stellung anhört, wurde von beiden Spielern sehr originell behandelt.

Telke – Czybik nach 13.-Lc5

Weiß goss hier mit 14.b4!? ordentlich Öl ins Feuer, aber Nils reagierte laut Engine korrekt mit 14.-Lxb4 15.Lb2 b5! 16.Scd2 Lc3 17.Dc2. Die Stellung blieb höchst kompliziert mit beiderseitigen Chancen.

Cedric hatte es am 5. Brett mit der Caro-Kann Verteidigung zu tun und wählte die auf Weltspitze in letzter Zeit viel diskutierte Vorstoßvariante. Schwarz machte in typischer Manier mit g7-g5 und h7-h5 am Königsflügel Druck. Cedric entschied sich bald für ein etwas fragwürdiges Manöver.

Holle - Kaster nach 8.-Sd7

Er spielte 9.Db3 und nach Db6 10.De3 (Damentausch hätte Schwarz deutlich bevorzugt). Eine bessere Möglichkeit war das typische Manöver Se1-d3. Anschließend kann Weiß oft auf d5 tauschen und Sb3 oder f2-f4 bzw. f2-f3 (falls Schwarz g5-g4 zieht) spielen. Nach Cedrics Fortsetzung entstand bald eine ausgeglichene Stellung mit beiderseitigen Chancen:

Holle - Kaster nach 19.Sd3

Hendrik hatte es mit dem Königsgambit zu tun, was eigentlich gut klingt, doch sein Gegner kannte sich offensichtlich besser aus als er. Schon früh wirkte die Stellung sehr unangenehm für Schwarz:

Schmidt – Tabatt nach 10.Sg5

Ich sah hier eine schwere, aber nicht unlösbare Verteidigungsaufgabe auf Hendrik zukommen.

Jans Gegner wählte einen offenen Sizilianer mit 2.-Sc6 und 4.-a6, was merkwürdig erscheint. Jan wählte einen Marozcy-Aufbau mit 5.c4 und sein Gegner erwiderte 5.-g6, wonach ein beschleunigter Drache mit a7-a6 entstand. Mehr oder weniger ist das gleichbedeutend mit einem Mehrtempo für Weiß, da der beste schwarze Plan Sd7-c5 gefolgt von a5-a4 ist.

Grewenig – Hoffmann nach 11.-e6

Jan spielte nun 12.Sxc6 bxc6 13.Sc3 und Schwarz hatte ein Problem mit dem Bauern d6, welches bald mit dem Zug d6-d5 gelöst werden musste. Jan zögerte dieses Mal nicht lange und machte die natürlichsten Züge, nach denen er einfach leicht besser stand:

Grewenig – Hoffmann nach 18.-cxd5

Ersatzmann Jörg spielte Meraner System und leitete schnell in einen Stonewall-Aufbau über.

Schmerda – Becker nach 11.-Sd7

Weiß wählte hier das leicht fragwürdige 12.Sxd7?!, wonach Schwarz ausgleichen sollte. Ambitionierter war es sich einfach mit 12.Ld2 zu entwickeln. Nach 12.-Sxe5 folgt 13.dxe5! und Weiß steht etwas angenehmer.

Wagener - Fries nach 22.-Te7

Als Erstes verlor Freddy seine Partie, da sein Gegner hier mit 23.Sh7! entscheidend Material gewann. Freddys Eröffnungsbehandlung brachte ihm eine sehr unangenehme Stellung, wonach er leider nie richtig in die Partie kam. Natürlich muss man auch anerkennen, dass sein Gegner einfach eine sehr saubere Partie spielte.

0 : 1

Erfreulicherweise konnten wir direkt den Ausgleich erzielen. Jan kassierte in guter Stellung den schwarzen Isolani auf d5 ein und hatte anschließend keine Probleme bei der Verwertung seines Materialvorteils. Eine starke Partie von Jan, der von Beginn an überzeugte und nie etwas anbrennen ließ.

1 : 1

Zu diesem Zeitpunkt erhielt Hendrik ein Remisangebot. Nachdem er zu Beginn mehr als bedenklich gestanden hatte, verteidigte er sich irgendwie und stand nur noch leicht schlechter. In einem reinen Schwerfiguren-Endspiel hatte Hendriks König keinen Bauernschutz mehr und seine Stellung sah durchaus etwas gefährlich aus. Nachdem er allerdings schon zuvor aus einer schwierigen Stellung herauskam, hatte ich irgendwie das Gefühl er hätte jetzt ein wenig das Momentum auf seiner Seite. Außerdem waren viele der anderen Stellungen äußerst kompliziert und ich erhoffte mir, dass Hendriks Endspielstärke uns einen Punkt bescheren könnte. Also weiterspielen Hendrik!

In Jörgs Partie ließen zunächst beide Parteien in ausgeglichener Stellung einige Möglichkeiten aus, bis Jörg schließlich mit einem schon lange geplanten Königsangriff die Initiative erhielt.

Schmerda - Becker nach 29.-Tg6

Die weiße Stellung ist an diesem Punkt schon recht schwierig zu verteidigen. Nach der Partiefortsetzung 30.De2? war allerdings schnell Schluss, da Jörg nun stark mit 30.-e5! reagierte und somit seinen Läufer entscheidend ins Spiel bekam. Meiner Meinung eine gute Partieanlage von Jörg der von Beginn an Druck machte, bis der Gegner diesem nicht mehr standhielt. Sicherlich ein verlässlicher Ersatz!

2 : 1

Danach wurde es sehr turbulent!

Achims bekanntermaßen makelloses Partieformular konnte dieses Mal leider nicht entziffert werden, weshalb ich die Partie nur bis zum letzten Kommentar (s.o) nachspielen konnte. Erinnern kann ich mich jedenfalls noch daran, dass Achim in guter Stellung einen Bauern auf b5 mit der Dame nahm und dabei den Zug Td5 übersah (ungedeckter weißer Springer auf g5). Ich glaube er bekam zwei Bauern für die Figur, vielleicht auch drei. Zumindest war der schwarze König nicht sehr sicher und es bestanden einige „Fuddel-Möglichkeiten“.

Zur gleichen Zeit hatte sich auch Nils in eine bedrohliche Lage manövriert.

Telke - Czybik nach 29.-Sxf6

30.Te8 und Schwarz wäre völlig gelähmt gewesen! Auf 30.-Lb7 folgt 31.Se6+ mit Gewinn.

Auch Cedric überspannte den Bogen ein wenig. Als er zuerst eine Qualität opferte, sah die Lage noch okay aus, doch kurz darauf übersah er einen Zug seines Gegners und stand meines Erachtens fast platt.

Zur gleichen Zeit stellte Hendrik einen blanken Turm ein – der Wahnsinn! Hendrik bezeichnete dies später als einen der schlimmsten – wenn nicht sogar der schlimmste – Überseher seiner Karriere.

Schmidt - Tabatt nach 31.-Kh7

Weiß war sich seiner Sache anscheinend sehr sicher und blitzte seinen Zug runter – 32.Tef3! Das würde tatsächlich gewinnen, wenn Schwarz nicht den Zug 32.-Tg7 hätte, den Hendrik sofort ausführte. Das Zwischenmatt auf g2 übersah Hendriks Gegner wahrscheinlich in seiner Berechnung. Schwein gehabt!

Zumindest in meiner Partie sah es zunehmend besser aus. Nachdem ich wieder ein paar Schwierigkeiten mit der technischen Verwertung meiner Gewinnstellung hatte, übersah mein Gegner eine laut Engine gute Möglichkeit wieder nahe des Ausgleichs zu kommen. Es folgten ein paar weitere Ungenauigkeiten meines Gegners und nach dem Gewinn des zweiten Bauern war ich davon überzeugt die Stellung nach Hause zu bringen.

Glücklicherweise löste sich nun das Chaos zu unseren Gunsten auf. Nils' Gegner übersah 30.Te8 und spielte stattdessen 30.Tf4. Damit war die Stellung wieder besser für Nils und nach weiterer Entlastung durch Figurentausch gewann Nils in Gewinnstellung durch Zeitüberschreitung des Gegners.

Auf jeden Fall eine sehr interessante Partie, die an einer Stelle böse für unseren Spieler hätte enden können! Sei’s drum – Nils ist mit 2/2 Mr. 100 % 🙂

3 : 1

Bei Achims Partie dachte ich nach kurzem Schauen während der Partie eigentlich, die Stellung wäre vielleicht noch nahezu ausgeglichen, aber er beschrieb seine Stellung später als verloren. Jedenfalls gab der Gegner den Ball zurück, indem er seinerseits eine Figur einstellte. Danach war nichts mehr zu machen und Achim gewann. Gute Partieanlage von Achim – Patzer sollte natürlich nicht passieren, kann aber mal vorkommen.

4 : 1

Nachdem Hendrik die totale Katastrophe überlebt hatte und mit der Mattdrohung auf g2 wieder zum Ausgleich gekommen war, erreichte er ein besseres Turmendspiel, dass er schließlich ganz locker nach Hause brachte. Natürlich ein äußerst glücklicher voller Punkt!

Somit war beim Stand von 5 : 1 der Mannschaftssieg schon eingetütet.

Es kam allerdings noch dicker für die Gastgeber! Cedrics Gegner verlor in kompletter Gewinnstellung den Überblick und verdarb die Stellung zum Remis!

Holle - Kaster nach 50.Kf5

Schwarz spielte hier 50.-e3?? (50.-Sc1 nebst e4-e3-e2 gewann einfach) und nach 51.Ke4 d1D 52.Lxd1 Sf2+ 53.Kxe3 Sxd1+ 54.Kd4 kann Schwarz seine Bauern nicht mehr verteidigen.

Auch hier also ein glückliches Remis zum 5,5 : 1,5!

Es lief also lediglich meine Partie, in der ich ziemlich überzeugt davon war den richtigen Gewinnweg gefunden zu haben.

Frischmann - Brühl nach 41.-Kc8

Ich spielte hier 42.e6 und nach Dxf3 43.Dxd7+ Kc8 44.Dd6+ Kb7 45.e7 De2+ 46.Ka3 entstand folgende Stellung:

Frischmann - Brühl nach 46.Ka3

Ich war überzeugt davon alle schwarzen Ideen berücksichtigt zu haben. 46.-Lb6, 46.-Df1 und 46.-Le3 (was mein Gegner spielte) waren meine Kandidatenzüge, die in der Tat alle verlieren.

Natürlich packt die Engine hier eine Knaller-Variante aus: 46.-De3! 47.Dd7+ Kb6 48.Dd8+ Ka6 49.Ka4 Dc3!=. Nach einer Folge von einzigen Zügen zeigt die Engine „triple zero“. Selbst das Endspiel mit 4 Bauern gegen Läufer, das nach 50.Da8+ Kb6 51.Dxc6+ Kxc6 52.e8D+ entstehen würde, ist anscheinend theoretisch nicht zu gewinnen. In einer praktischen Partie hätte ich vermutlich trotzdem irgendwie weiter auf Gewinn spielen können, aber ein Remis wäre natürlich sehr ärgerlich für mich gewesen. Nach der Fortsetzung meines Gegners konnte ich den Schachgeboten entkommen und gewann schließlich. Somit bin ich mit Nils zusammen also auch noch bei 100 % und der Endstand belief sich auf ein 6,5 : 1,5.

Zusammengefasst lieferten unsere Gegner einen äußerst starken Kampf ab, bei dem eindeutig alle drei Endresultate möglich gewesen wären. Das Ergebnis fiel natürlich zu hoch aus, doch dieses Mal hatten wir wohl einfach das Glück auf unserer Seite. Gerade in der heißen Phase zwischen dem 30. Und 40. Zug dürfen wir in Zukunft nicht so viele Stellungen „verdaddeln“.

Unser nächstes Spiel findet bereits am Sonntag gegen unsere Freunde aus Illingen statt! Gespielt wird ab 11 Uhr im Jugenddorf Homburg. Gäste sind wie immer herzlich willkommen!

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