SC Caissa Schwarzenbach

So geht Schachclub heute

1. Mannschaft erfüllt Pflichtaufgabe gegen Illingen

Am 26. November spielten wir gegen im Schwarzenbacher Jugenddorf gegen unsere alten Bekannten vom SC Turm Illingen. Erfreulicherweise hatte der Verein in diesem Jahr den Wiederaufstieg in die Oberliga Südwest geschafft. Ich selbst halte es für selbstverständlich, dass wir als saarländischer Verein unseren saarländischen Kollegen im Kampf gegen den Abstieg die Daumen drücken. Leider konnten die Illinger bis zum Spieltag lediglich ein Unentschieden erzielen und verloren sogar zweimal denkbar knapp mit 4,5 – 3,5. Es ist ihnen zu gönnen, dass sie in der zweiten Saisonhälfte noch die Wende schaffen!

Wir traten wieder in Stammbesetzung an und waren ähnlich wie beim letzten Spieltag klarer Elo-Favorit:
1. Frischmann, Rick (2366) – Mayer, Frank (2317)
2. Fries, Frederik (2295) – Klein, Joachim (2179)
3. Wild, Achim (2239) – Giese, Tilman (2038)
4. Czybik, Nils-Patrick (2173) – Biehler, Thomas (2223)
5. Holle, Cedric (2098) – Schmidt, Johannes (2120)
6. Oberhofer, Andre (2268) – Keßler, Alexander (1829)
7. Tabatt, Hendrik (2332) – Zimmer, Oliver (1971)
8. Grewenig, Jan (2103) – Schuh, Peter (1913)

In meiner Partie gegen einen der saarländischen Spitzenspieler bestand die Strategie eigentlich darin eine interessante aber solide Stellung zu erreichen, die sich in alle Richtungen entwickeln kann, da diese Herangehensweise bei meiner letzten Partie gegen Frank ganz ordentlich geklappt hat. Ich erwartete 1.c4 e5 mit baldigem g2-g3 oder sogar 1.g3. 1.c4 e5 kam sogar wirklich aufs Brett, aber mein Gegner überraschte mich hier direkt mit 2.e3 und nach 2.-Sf6 mit 3.a3. Die Idee ist offensichtlich einen Kan-Sizilianer mit vertauschten Farben und Mehrtempo zu spielen, was am Brett insbesondere deshalb zu einem merkwürdigen Gefühl meinerseits führte, da ich selbst den Kan-Sizilianer in meinem Repertoire habe.

Mayer – Frischmann nach 3.a3

Der offene Sizilianer mit vertauschten Farben kam hier kaum für mich in Frage. Ambitionierte Züge an dieser Stelle sind z. B. das von MVL gespielte 3.-g6 oder eventuell sogar 3.-c5. Ich entschied mich für eine recht prinzipielle Lösung mit 3.-c6, da grundsätzlich im Alapin-Sizilianer der Zug a2-a3 zwar nicht komplett nutzlos ist, aber trotzdem nicht sehr kritisch. Nach den weiteren Zügen 4.d4 exd4 5.exd4 d5, dachte ich dem Ausgleich bereits sehr nahe zu sein.

Freddys Gegner wählte mit 1.Sf3 d6 2.d4 Lg4 eine sehr originelle Eröffnungsbehandlung, die allerdings in der Vergangenheit auch von einigen sehr starken Spielern gewählt wurde (wenn auch meist nur im Rapid- oder Blitz-Schach). Die verlief weiter mit 3.c4 Lxf3 4.exf3 c6 5.d5!?, was eine typische Idee in diesem Stellungstyp ist. Weiß verhindert somit schwarzes d6-d5 und gewinnt weiter an Raum. Die Schwächung der Diagonalen a1-h8 ist hierbei nicht von großer Bedeutung. Im 9. Zug leistete sich Freddys Gegner aus meiner Sicht eine erste Ungenauigkeit.

Fries – Klein nach 9.Le3

Schwarz entschied sich hier für 9.-c5, wonach es für ihn schwierig wird Gegenspiel zu organisieren ohne sich dabei strukturell erheblich zu schwächen. Nachhaltiger ist an dieser Stelle ein Aufbau mit 0-0, cxd5, a6, Tc8 und eventuell b5 oder h5, aber auch hier finde ich die weiße Stellung schon sehr angenehm zu spielen.

Achim wählte einen offenen Philidor, dem sein Gegner mit 6.Ld3 begegnete. Was auf den ersten Blick harmlos erscheint, enthält durchaus einiges an Gift. Früh wählte Tilman allerdings einen nicht sehr kritischen Zug.

Giese – Wild nach 8.-0-0

Tilman spielte hier 9.De2, was schlecht ist, da die weiße Dame nach dem ohnehin geplanten 9.-Te8 in der Schusslinie steht. Kritisch ist an dieser Stelle das von Achim in der Analyse erwähnte 9.f4!?. Die korrekte schwarze Antwort ist danach das auch von Achim vorgeschlagene 9.-d5 10.e5 Sg4 11. De1 (11.Sa4!?) f6 und nach z. B. 12.h3 Sh6 bleibt die Stellung kompliziert. Achim hatte nach 9.De2 keine Probleme und seine Stellung war bereits etwas angenehmer.

An Brett 4 spielte Nils Katalanisch und sein Gegner erwiderte mit einem klassischen Aufbau. Es entstand die alte Hauptvariante, als sein Gegner den Zug 10.-a5 wählte (10.-Ld6 ist mittlerweile populärer). In einer seiner Videoserien für chess-24 empfiehlt der Großmeister Jan Gustafsson auch einen klassischen Aufbau gegen Katalanisch und erwähnt dabei, dass ihm nach den Zügen 10.-a5 11.Sc3 Sa6 der Zug 12.Tae1 am meisten stören würde. Genau dafür entschied sich Nils auch und nach beiderseits logischen Zügen entstand diese Stellung:

Czybik – Biehler nach 14.-Lb4

An dieser Stelle erhielt unser Spieler ein Remisangebot, welches er annahm. Die „Blechkiste“ sieht Weiß nach 15.Te2 im Vorteil. Allerdings muss Weiß dazu den Bauern a4 opfern und obwohl die weiße Kompensation offensichtlich ist, ist es aus meiner Sicht nicht klar wie gut Weiß wirklich steht. Ich finde es also in Ordnung, dass Nils sich unvorbereitet nicht auf diese Stellung eingelassen hat. Auch war dies aufgrund der Spielstärke seines Gegners sicherlich keine schlechte Wahl. Also direkt schon 0,5 – 0,5.

Cedric hatte es am 5.Brett mit der Spanischen Partie zu tun. Er antwortete mit der Chigorin-Variante, aber kam meiner Meinung schon früh auf Abwege.

Schmidt – Holle nach 11.d4

Das ist mehr oder weniger die Ausgangsstellung des Systems und Cedric spielte nun 11.-cxd4, was mir gar nicht gefällt. Ich denke nicht, dass man so früh die Spannung auflösen sollte. Mehr oder weniger alle Spitzenspieler wählen hier entweder die Hauptvariante 11.-Dc7 oder das modernere 11.-Sd7. Insbesondere letzteres gefällt mir gut, da oft dynamische Stellungen entstehen, die an die Benoni-Verteidigung erinnern. Wie gefährlich diese Variante sein kann, musste kein geringerer als GM Veselin Topalov dieses Jahr in Gibraltar gegen den jungen GM David Anton erfahren. Eine sehr instruktive Partie, die sich definitiv eines Blickes lohnt: http://www.chessgames.com/perl/chessgame?gid=1860893

Nach Cedrics Fortsetzung und einem verpassten zentralen Konter, stand er schlechter.

Andre spielte klassisch mit 3.Sc3 gegen Französisch und hatte auf den ersten Blick eine aussichtsreiche Stellung:

Oberhofer – Keßler nach 11.-Sd7

Schwarz hatte zuvor die weiße Drohung g4-g5 "ignoriert". Oder doch nicht? Andre hatte das zumindest so empfunden und spielte tatsächlich 12.g5. Nach den weiteren Zügen 12.-Lxe4 13.gxf6 folgte das einfache Sxf6 und Andre hatte einen Bauern weniger für nicht sonderlich große Kompensation. Trotz des Bauernverlusts machte ich mir aufgrund des Rating-Unterschieds hier noch kaum Sorgen.

Hendrik spielte mit Schwarz eine interessante Variante mit 1.c4 e5 2.Sc3 d6 3.g3 g6, was sein Gegner versuchte sofort mit 4.d4 auszunutzen. Es entstand diese Stellung:

Zimmer – Tabatt nach 6.-Lg7

Weiß spielte hier 7.Lg5 was auf den ersten Blick logisch erscheint, aber nach 7.-Sbd7 wird Schwarz bald die weißen Figuren mit c7-c6 und/oder h7-h6 befragen und Weiß wird weiter Zeit verlieren. Besser wäre deshalb 7.Lh6!? gewesen. Sollte Schwarz den Läufer nun nehmen, besitzt Weiß zumindest Dauerschach mit 8.Sxf6+ Kf8 9.Sd7+ Kg8 10.Sf6+. Setzt Schwarz stattdessen mit 7.-0-0 fort, sollte Weiß zumindest nicht schlechter stehen, z. B. 8.Lxg7 Kxg7 9.Lg2. Nach der Partiefortsetzung stand Hendrik schon besser.

Jan wählte gegen den klassischen Sizilianer die Richter-Rauser Variante, die sein Gegner mit dem seltenen 6.-Db6 beantwortete. Nach weiterer extrem mysteriöser Eröffnungsbehandlung stand Jan bereits klar besser und schließlich nach 12 Zügen bereits glatt auf Gewinn.

Grewenig – Schuh nach 12.-0-0-0

Nach der Partiefortsetzung 13.Le3 verliert Schwarz bereits einen überlebenswichtigen Bauern und steht auf verlorenem Posten.

Die erste Gewinnpartie des Tages verzeichnete Andre. Er bekam zunächst immer bessere Kompensation für seinen Bauern, bis sein Gegner unter großem Druck Qualität und Bauern zurückgab und schließlich "per Schablone" mattgesetzt wurde.

Oberhofer – Keßler nach 24.Tf7

Es folgte 24.-Txf7 25.Sxf7+ Kg8 26.Se5+ Kh8 27.Sg6+ und Schwarz gab auf wegen Dh3#.

1,5 : 0,5

Ebenfalls sehr gut sah es bei Achim aus.

Giese – Wild nach 14.Tab1

Achim gewann mit 14.-Txb2! einen Bauern und sammelte anschließend auch noch einen zweiten Bauern auf e4 ein. Mit technischer Präzision ging es Richtung Gewinnverwertung.

In meiner Partie passierte nicht sonderlich viel, bis ich meinem Gegner eine Zugwiederholung angeboten hatte.

Mayer – Frischmann nach 14.-Le6

Meine Idee ist nun mit Sc7 fortzusetzen. Sobald der lästige Läufer auf a2 getauscht wird, werden sich meine Probleme erheblich verringern. Mein Gegner folgte der kritischen Variante: 15.Sxg6 hxg6 16.Txe6 fxe6 17.Dxg6+ Kh8 18.Sxd5 exd5.

Mayer – Frischmann nach 18.-exd5

Die Partie endete nun nach 19.Dh6+ Kg8 20.Dg6+ im Dauerschach. Es gab durchaus Alternativen für meinen Gegner, die allerdings alle auch einige Risiken beinhaltet hätten. Mit dem Remis waren zumindest beide Seiten nicht unzufrieden.

2 : 1

Hendrik erarbeitete sich ein besseres Endspiel, verdarb dies an einer Stelle aber erheblich (falls die Notation stimmt).

Zimmer – Tabatt nach 32.Td1

Hendrik spielte nun 32.-Te8?. Danach hat Weiß allerdings den taktischen Schlag 33.e4! und gewinnt nach 33.-Txe4 34.Sd2 Teb4 35.a3 T4b5 36.Sc4+ die Qualität. Sein Gegner spielte allerdings 33.Sd2 und nachdem Hendrik a5-a4xb3 (Sxb3) durchbrachte, ging Weiß langsam an seinem schwachen a-Bauern und passiven Figuren zugrunde.

3 : 1

Wir konnten anschließend mit einem Doppelschlag den Sieg unter Dach und Fach bringen.

Achim hatte keinerlei Probleme bei der Verwertung seiner beiden Mehrbauern, da er nach dem Gewinn des dritten Bauern seinerseits zwei Freibauern besaß, von denen mindestens einer "durchgeht".

4 : 1

Freddy fabrizierte mal wieder einen „klassischen Fries“ – sprich eine positionelle Meisterleistung.

Fries – Klein nach 20.-Se8

Mit 21.Sb1! machte sich der weiße Springer auf die Reise nach g5. Schwarz ist ohne Gegenspiel und kann diesem Plan kaum etwas entgegensetzen. Sobald der Springer sein Ziel erreicht, wird Schwarz vermutlich seinen schwarzfeldrigen Läufer dafür tauschen müssen, wonach der weiße Läufer auf b2 natürlich ein absolutes Monster darstellen wird. Genauso kam es auch und Freddy setzte der Partie ein wie ich finde sehr ästhetisches Ende.

Fries – Klein nach 31.-Td7

32.g4! öffnet die Stellung entscheidend. Nach 32.fxg4 33.Th1! gab Schwarz sofort auf.

5 : 1

Cedric kam in seiner Partie in bereits schwieriger Stellung auf Abwege mit seiner Dame. Grundsätzlich keine schlechte Idee in einer solchen Stellung einen Bauern mitzunehmen in der Hoffnung "irgendwie zu überleben". Sein Gegner zog allerdings genau die kritischen Züge und spielte die Stellung einfach "bockstark" herunter, obwohl er zwischenzeitlich direkte Gewinne ausließ.

Schmidt – Holle nach 22.-g6

23.Dd2! stellte hier die entscheidende Doppeldrohung Ta1 und Dh6 bzw. Lxg6 auf, wogegen Schwarz keine Verteidigung mehr besitzt. Ich denke Cedric sollte in Zukunft versuchen Stellungen zu vermeiden, in denen sich der Gegner besser auskennt. Er kam recht früh schon in eine schwer zu spielende Stellung, die schwer zu verteidigen ist. Wenn diese Variante mit Schwarz wiederholt werden soll, empfehle ich die oben erwähnte Verbesserung aus Topalov - David Anton.

Lass den Kopf nicht hängen Cedric, du hast nicht erst bei der Saarlandmeisterschaft bewiesen, dass Potenzial in dir steckt. Diesen Erfolg muss der Berichterstatter (bzw. alle außer Hendrik und Ronny?) dir erst einmal nachmachen. Mit tieferem Eröffnungswissen wirst du in Zukunft auch wieder „deine Stellungen“ bekommen und ich bin mir sicher, dass dann auch die Resultate wieder stimmen werden!

5 : 2

Jans Gegner verteidigte sich in sehr schlechter Stellung über einen langen Zeitraum äußerst zäh. Jan verlor anscheinend ein wenig Konzentration und patzte:

Grewenig – Schuh nach 45.-Txf6

Jan spielte hier 46.Kc3? und musste nach 46.-Sd6 eine Qualität opfern. Glücklicherweise war die Stellung noch immer sehr gut für Weiß und bald konnte Jan in ein gewonnenes Endspiel abwickeln.

Grewenig – Schuh nach 53.-Tf4

Nach 54.Txf4 gxf4 55.c6 wird Weiß den schwarzen f-Bauern mit seinem Läufer aufhalten und einfach den gegnerischen Turm gewinnen. Schwarz ist genau einen Zug zu langsam (mit schwarzem König auf f6 wäre die Angelegenheit noch nicht klar).

6 : 2

Ein schöner Abschluss eines für uns erfolgreichen Spieltags!

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