Nachtrag: Bittere Pille gegen Svg Saarbrücken

Im Dezember traten wir zu unserem Match gegen die Svg in Saarbrücken an. Nicht nur das Wetter an diesem Tag (gefühlt -20 Grad, Straßen glatt, Schnee), sondern auch das Ergebnis fühlte sich ziemlich schlecht an. Die Saarbrücker konnten aus ihren Vollen schöpfen, da in Frankreich zeitgleich kein Spieltag stattfand. Nach Elo-Rating waren wir sogar knapp hinten! Gefühlsmäßig im Bezug auf unsere Mannschaftsstimmung kam das Spiel auch zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt für uns. Ich hatte bereits morgens eine böse Vorahnung und so kam es nicht verwunderlich, dass quasi nur zwei unserer Spieler an diesem Tag Normalform erreichten.

Die Paarungen lauteten:

1. Mohammad, Samir (2303) - Frischmann, Rick (2321)
2. Philippe, Christophe (2345) - Fries, Frederik (2276)
3. Bastian, Herbert (2240) - Wild, Achim (2246)
4. Paci, Cedric (2266) - Czybik, Nils-Patrick (2129)
5. Le Corre, Benjamin (2245) - Holle, Cedric (2070)
6. Spielmann, Alain (2224) - Oberhofer, Andre (2223)
7. Müller, Denis (2173) - Tabatt, Hendrik (2290)
8. Busche, Stefan (2021) - Grewenig, Jan (2094)

In meiner Partie kam überraschenderweise eine Petrov-Verteidigung aufs Brett, in der beide Spieler einer Theorievariante folgten bis ich an kritischer Stelle die Züge vertauschte.

Frischmann – Mohammad nach 13.-Dc7

Normalerweise spielt Weiß hier direkt 14.Lh6 und erst nach 14.-Te8 folgt 15.h3. Der Unterschied ist, dass Weiß in vielen Varianten die Dame nach g5 stellen kann. Nach meiner Fortsetzung 14.h3 hatte Schwarz bereits wenig Problem auszugleichen.

In Freddys Partie kam an Londoner System auf Brett. Hier sah noch alles normal aus und beide Spieler stellten sich auf einen längeren Positionskampf ein.

Achims Gegner kam durch Zugumstellung in den beschleunigten Drachen und wählte anschließend das Gurgenidze-System. Das kann durchaus eine gefährliche Variante für Weiß sein, aber Achim kennt sich in Maroczy-Strukturen gut genug aus.

Nils hatte es mit einem katalanischen Aufbau zu tun und verteidigte sich klassisch. Auch hier geschah nichts Besonderes zu Beginn.

Cedrics spielte am 5. Brett gegen Kalashnikov zunächst die Hauptvariante runter, in der Weiß einige Zeit verliert, aber dafür das Läuferpaar und einige Angriffspunkte erhält.

Holle – Le Corre nach 11.-Dxc8

Cedric hatte hier etwas Angst vor der Drohung b5-b4. Tatsächlich ist dies keine ernstzunehmende Drohung und Weiß hat hier einfach die Möglichkeit 12.Le2 zu spielen, da nach 12.-b4 13.Sd5 Sxe4 14.Lxa6! folgt. Cedric spielte allerdings 12.f3, was ein bisschen zu langsam ist. Insbesondere nach dem weiteren Partieverlauf 12.-0-0 13.a4 Sb4! sah es schon ziemlich gut für Schwarz aus.

Andres Gegner spielte ein relativ ambitionsloses System gegen Damenindisch und nach Aufgabe des Läuferpaares sah es hier schon früh recht gut aus für uns.

Der Knackpunkt der Begegnung war sicherlich die Partie von Hendrik gegen Denis Müller. Hendrik spielte eine Art geschlossenen Sizilianer und nutzte nach einer frühen Ungenauigkeit auf chirurgisch genaue Weise die Schwächen der schwarzen Stellung aus. Trotzdem fand sein Gegner einen Weg die Stellung äußerst kompliziert zu halten. Nichtsdestotrotz musste es einen Weg zu deutlichen weißen Vorteil geben.

Zuletzt spielte Jan Najdorf und nach einem klassischen Aufbau seines Gegners entstand eine komplizierte Stellung mit beiderseitigen Chancen.

Eigentlich keine furchtbare Anfangsphase für uns, aber der Kampf bewegte sich zunehmend nur noch in eine Richtung.

Der erste Schockmoment kam schnell als Hendrik seine Partie aufgeben musste! Er fand keinen Weg sein Material so zurückzugeben, um das schwarze Gegenspiel unterbinden zu können. Am Ende übersah er ein einfaches Räumungsmotiv und wurde mattgesetzt. Schon sah es vom einen auf den anderen Moment richtig böse für uns aus! 0-1

Obwohl meine Stellung sehr ausgeglichen wirkte, realisierte ich, dass sie viel leichter für meinen Gegner zu spielen war und wurde zunehmend in die Defensive gedrängt.

Cedric hatte mit starker Figurenaktivität seines Gegners zu kämpfen und stand ziemlich platt. Doch sein Gegner spielte die Stellung wirklich sehr ungenau weiter und versaute mit einem Zug seinen ganzen Vorteil. Leider reagierte Cedric falsch und lud seinen Gegner zu logischen und guten Zügen ein, die in einer klaren Gewinnstellung mündeten. 0-2

Ein Hoffnungsschimmer war es nicht mehr, aber trotzdem spielte Andre eine komplett saubere Partie und besiegte seinen Gegner äußerst überzeugend. 1-2

Freddy kam in eine strategisch schwierige Stellung, die noch schwieriger wurde, als sein Gegner eine Qualität für zwei starke Zentrumsbauern opferte. Die anschließende Stellung war sehr unangenehm und ist vermutlich auf Dauer auch einfach nicht zu verteidigen. 1-3

Zu allem Überfluss vertauschte ich in einem gleichfarbigen Läuferendspiel nach vorher starker Verteidigung die Züge und verlor einfach eine Figur. Bei richtiger Spielweise wäre die Stellung nicht zu gewinnen gewesen. 1-4

Nach interessanten Komplikationen musste Nils lange eine schlechtere Stellung verteidigen, aber kämpfte sich zwischenzeitlich gut zurück. Nach einem strategischen Fehler ging die Stellung allerdings im Endspiel relativ schnell „den Bach runter“. 1-5

Achims Partie war sehr spannend und genauso kompliziert. Er verteidigte sich stark und erhielt eine gute Stellung, die er allerdings mit einigen Ungenauigkeiten vor der Zeitkontrolle wieder verwarf. Danach waren die schwarzen Drohungen nicht mehr abzuwenden. 1-6

Jans Partie war – wie zu erwarten – ein „Auf und Ab“. Schlussendlich musste Jan diese Stellung zum Gewinn führen:

Busche – Grewenig nach 34.-Dc5

Es ist unklar, ob diese Stellung bei genauer Verteidigung zu gewinnen ist. In einer praktischen Partie erscheint mir die weiße Verteidigungsaufgabe allerdings ziemlich schwer. Jan provozierte folgerichtig den Zug h2-h3 und gewann nachdem er mit seinen beiden Läufern plus Dame entscheidende Drohungen gegen den weißen König aufstellte.

Somit stand das Endergebnis bei 2:6 an einem für uns äußerst enttäuschenden Sonntagmittag.

Bericht von Rick Frischmann

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