Nur ein 4 : 4 gegen Remagen

Am 21.01.2018 fand unser Spitzenspiel gegen Remagen statt. Leider hatten wir durch die Niederlage gegen Saarbrücken quasi jegliche Aufstiegschancen verspielt, da Remagen in den letzten Runden keine starken Gegner mehr haben wird. Weil Andre im Urlaub war, spielten wir wieder mit Ronny. Immer schön ihn mal wieder zu sehen!

Unsere Gegner kamen an der ersten 4 Brettern mit 2 GMs und 2 IMs. Die Paarungen lauteten wie folgt:

  1. Frischmann,Rick (2354) - Dgebuadze,Alexandre (2521)
  2. Fries,Frederik (2293) - Popovic,Petar (2453)
  3. Wild,Achim (2236) - Polaczek,Richard (2402)
  4. Müller,Reinhold (2280) - Alienkin,Aleksander (2395)
  5. Czybik,Nils-Patrick (2165) - Huhndorf,Arnold (2252)
  6. Holle,Cedric (2084) - Murariu,Nicky (2027)
  7. Tabatt,Hendrik (2316) - Thönnes,Frank (2049)
  8. Grewenig,Jan (2111) - Busch,Raimund (2267)

Mein Gegner wählte mit Weiß einen geschlossenen Sizilianer. Keine sehr kritische Variante, allerdings eine gute Wahl um auf Gewinn zu spielen, da die Stellung recht strategisch ist. Tatsächlich entstand eine höchst interessante Stellung:

Dgebuadze – Frischmann nach 18.f5

Schwarz muss zu Gegenspiel gelangen und das gelingt nur mit 18.-c4! 19.dxc4 (19.d4 d5 mit Gegenspiel.) Dxc4 20.Dg4! Tad8 21.b3 Dc7 und die Stellung blieb kompliziert.

Freddys Gegner wählte am zweiten Brett eine Nebenvariante in der Grünfeld-Verteidigung:

Fries – Popovic nach 6.c4

Schwarz spielte nun 6.-dxc4. Üblicherweise spielt Schwarz 6.-0-0, aber die Partiefortsetzung ist durchaus ernst zu nehmen. Freddy spielte 7.a4 und nach 7.-0-0 setzte er mit 8.a5!? fort, was mir nicht sehr gefällt. Ich denke, Weiß verliert damit zu viel Zeit und sollte stattdessen einfach 8.Sa3 spielen. Die Partie war nun sehr taktisch geprägt mit leichtem Vorteil für Schwarz.

Achim wählte am dritten Brett eigentlich eine gute Variante, aber entschied sich dann gegen einen sehr natürlichen Zug.

Polaczek – Wild nach 10.Lb2

Es sprach nichts gegen das natürliche 10.-Sc6. Meiner Meinung kann Weiß schon keinen Vorteil mehr nachweisen. Er besitzt z. B. nach 11.Dd2 Lxf3 12.Lxf3 cxd4 genug Kompensation für Ausgleich, aber nicht mehr. Nach Achims Fortsetzung 10.-Dc8?! erhält Weiß eine leicht bessere Stellung und ich empfand die Stellung, als schwierig zu spielen für Achim.

Auch bei Ronny entstand eine sehr interessante Partie. Sein Gegner spielte in der Eröffnungsphase gut und konnte mit Schwarz ausgleichen. Nach einigen Komplikationen entstand diese Stellung:

Müller – Alienkin nach 19.-Tf5

Ronny hatte ordentliche Kompensation für den Bauern, aber die schwarze Stellung ist recht solide. Anschließend steckte er eine Figur ins Geschäft, um Dauerschach zu erzwingen, aber ihm entging hierbei eine Finesse.

Müller – Alienkin nach 23.-Tg7

Es folgte 24.Dh6? und nach 24.-Tf8? endete die Partie im Dauerschach nach 25.Dh8+ Kf7 26.Dh5+. Stattdessen hätte Schwarz allerdings 24.-Te8! spielen können, was e6 deckt und nun Entlastung durch Dg5 droht. Infolgedessen wäre es besser gewesen mit 24.Dh5! zu beginnen, da nun nach 24.-Te8 der Zug De7-g5 keine Drohung mehr darstellt. Weiß setzt mit 25.dxe5 fort und Schwarz wird das Dauerschach nicht mehr verhindern können. Also nochmal Glück gehabt, aber insgesamt schon ein gerechtes Remis.

0,5 : 0,5

Nils verteidigte sich am fünften Brett Damenindisch und erreichte eine typische Katalanisch-Stellung.

Huhndorf – Czybik nach 9.Sc3

Nils spielte hier 9.-Sa6. Mir gefällt 9.-Sbd7 etwas besser, aber das ist wohl eine Sache des Geschmacks. Nach der weißen Fortsetzung 10.e4 musste er allerdings 10.-dxc4 spielen, was ein typisches Motiv ist, wenn Weiß Sc3 gespielt hat. Weiß besitzt nach mehreren Fortsetzungen gute Kompensation z. B. 11.Se5 b5 12.b3. Nach der Partiefortsetzung 10.-Tc8? hätte Weiß 11.b3 spielen können. Falls Schwarz sich nun dazu entschließt 11.-c5 zu spielen, folgt 12.exd5 exd5 13.dxc5 Lxc5 14.Lb2 und Weiß besitzt starken Druck und hat viele Motive mit Df5 und/oder Sg5. In der Folge wurde Nils ziemlich in die Defensive gedrängt, ohne ernsthaft Gegenspiel zu besitzen.

Cedrics Gegner erwiderte 1.e4 mit 1.-b6, wonach Weiß direkt eine gute Stellung bekam. Nach einem thematischen Bauernopfer stand Cedric bereits auf Gewinn:

Holle – Murariu nach 12.-a5

Es folgte 13.f5! exf5 14.Lg5 De6 15.Se2 Le7?. Auch wenn man es nicht gerne macht, musste Schwarz zumindest 15.-f6 16.Sf4 Dg8 versuchen. 16.Sf4+-

Hendrik machte das, was er meistens macht: Irgendetwas konkretes spielen und mit Schwarz erst einmal Ausgleich erreichen. Danach den Gegner langsam zusammenschieben. Das klappte mal wieder äußerst gut – Hendrik hatte nämlich schon früh ein besseres Endspiel erreicht. Teilweise war Weiß dem Ausgleich nahe, aber Hendrik erarbeitete sich seinen Vorteil wieder zurück. Kurz nach der Zeitkontrolle war die Partie entschieden:

Thönnes – Tabatt nach 45.Lb7

Es folgte 45.-Se6+ mit Übergang in ein gewonnenes Endspiel. Gute Partie von Hendrik!

1,5 : 0,5

Jan reagierte gut gegen die Rubinstein-Variante im Französisch und stand deutlich besser. An kritischer Stelle verpasste er allerdings die beste Fortsetzung:

Grewenig – Busch nach 20.-Lxd8

Zu klarem Vorteil geführt hätte 21.a4! De8 22.Sd2!. Jan spielte stattdessen 21.Td1 und stand natürlich trotzdem besser.

Bei mir ging die Stellung relativ flott den Bach herunter. Zuerst noch mit einer guten Verteidigung nahm ich anschließend mit dem „falschen“ Bauern.

Dgebuadze – Frischmann nach 24.fxg6

Ich spielte nun 24.-hxg6, was nach 25.exd5! in einer hoffnungslosen Stellung endet. Bei der anschließenden Gewinnverwertung ließ der Großmeister nichts mehr anbrennen. Ganz klar eine starke Partie meines Gegners, aber nach 24.-fxg6 wäre die Partie noch im Bereich des Ausgleichs geblieben. Zum Beispiel 25.Sf6+ (25.Dxd7 geht auch) Sxf6 26.gxf6 Df7. Sobald sich das Zentrum öffnet, besitzt Schwarz trotz der passiven Dame auf f7 gutes Gegenspiel.

1,5 : 1,5

Ebenfalls schnell bergab ging es bei Nils, dessen Gegner eine gute Partie spielte. Am Ende war der weiße Angriff einfach zu stark und das schwarze Gegenspiel kam zu spät.

1,5 : 2,5

Freddy bekämpfte schön die Initiative seines Gegners und erreichte durch mehrere Vereinfachungen ein ausgeglichenes Endspiel – Remis.

2 : 3

Achim verteidigte sich zunächst äußerst korrekt und war dem Ausgleich mehrmals sehr nahe. Leider nahm er in Zeitnot dann den „falschen“ Turm.

Polaczek – Wild nach 30.Tdxe6

Achim übersah, dass Weiß nach 30.-fxe6? nicht Turm auf e2 nehmen muss, sondern direkt 31.f7+ spielen kann, was nach der korrekten Zugfolge einen Turm gewinnen würde. Stattdessen wäre 30.-Txe3 31.Txe3 Dd1+ 32.Kg2 Dd5+ noch absolut in Remisbreite gewesen. Achims Gegner übersah dann seinerseits den Turmgewinn, was Achim wieder gute Remischancen gab. Dann kostete ihn ein fataler Zug leider die Partie.

2 : 4

Somit mussten Jan und Cedric gewinnen um das 4 : 4 zu sichern.

Cedric ließ den vollen Punkt nicht mehr aus der Hand und verwertete souverän seinen Materialvorteil. Gute Partie von Cedric!

3 : 4

Jan gab seinem Gegner zwischendurch einige Remischancen, aber kämpfte sich dann wieder schön zurück.

Grewenig – Busch nach 33.-De4+

Es folgte 34.Kh3 De6+ 35.g4! Te7 36.Db3!. Jan konnte bald die Damen tauschen und verwertete seinen Mehrbauern im entstehenden Turmendspiel souverän.

Somit endete das Match, wie ich finde, leistungsgerecht mit 4 : 4. Es bleibt nur noch eine Frage der Zeit, bis man dem SC Remagen zum Aufstieg in die 2. Bundesliga gratulieren kann – schwer vorstellbar, dass sie sich diesen noch nehmen lassen.

Für uns geht es in den letzten Runden zumindest noch um den 2. Platz.

Bericht von Rick Frischmann

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