SC Caissa Schwarzenbach

So geht Schachclub heute

(1) SCS I – SC Untergrombach 3½-4½

SC Caissa Schwarzenbach   3½-4½ SC Untergrombach         
 3 Frischmann,Rick        0 : 1 Georgiev,Vladimir       2
 4 Mueller,Reinhold       ½ : ½ Bojkov,Dejan            3
 5 Oberhofer,Andre        0 : 1 Dausch,Rene             4
 6 Tabatt,Hendrik         1 : 0 Vatter,Hans-Joachim     6
 7 Fries,Frederik         ½ : ½ Fuchs,Heinz             7
 8 Grewenig,Jan           ½ : ½ Sieglen,Joachim,Dr.    10
 9 Wild,Achim             0 : 1 Schneider,Bernd        12
10 Weller,Manuel          1 : 0 Florea,Dan

Unterm Strich konnte sich das wirklich sehen lassen. Gegen deutlich favorisierte Untergrombacher haben wir echte Gegenwehr gezeigt, und am Ende fehlte nur ein halber Brettpunkt zum 4:4.

Aber lassen wir fairerweise die Kirche im Dorf, die 2 Mannschaftspunkte für Untergrombach gehen in Ordnung. Der Reihe nach: Wir traten ohne Slim und Alin an, aber dafür waren die Bretter 3-10 geschlossen am Start. Bei Untergrombach fehlte der ein oder andere, aber mit 2 GM und noch einem 2300er an Brett 8 hatten wir es mit einem gut aufgestellten Gegner zu tun.

Die erste Stunde lief alles andere als erfreulich. Ich selbst kam mit Weiß in einer katalanischen Nebenvariante schnell in Schwierigkeiten: Nach der Zugfolge 1.d4 d5 2.c4 e6 3. Sf3 Le7 4.g3 nahm mein Gegner Hajo Vatter direkt auf c4 raus. Wie ich (jetzt:)) weiß, ist das keinesfalls ein Übergang zur Hauptvariante sondern ein eigenes System. Ich orientierte mich darin gar nicht gut und musste nach weniger als 10 Zügen bereits mit Weiß um Ausgleich kämpfen. Schöner Auftakt in die erste Zweitligasaison:). Andre kam ebenfalls schlecht in die Partie. In einer Nebenvariante des Vierspringerspiels verließ er sich auf ein Bauernopfer, welches sein Rechner in der Vorbereitung propagiert hatte. Nach der Partie erzählte uns sein Gegner Rene Dausch - der wohl über entsprechenden Erfahrungsschatz in diesem System verfügt – dass seines Wissens nach das Bauernopfer nicht korrekt sei. Andre fand am Brett auch keinen Weg, um sich Kompensation zu verschaffen.

Ebenfalls dubios sah es an Brett 1 aus: Rick begab sich mit Schwarz ins derzeitige Großmeister-El- Dorado, den Grünfeld-Inder. Das ist wohl momentan eine der häufig gespieltesten Varianten im Spitzenschach. Das bedeutet natürlich entsprechende Gefahr, in eine gut analysierte Variante zu laufen, andererseits muss an dem System ja auch irgendwas dran sein, sonst wäre es nicht so häufig auf dem Brett. Georgiev verzichtete auf die Hauptvariante 4.cxd5, spielte stattdessen ein ebenfalls populäres System mit Lg5( Ich bin gerade nicht sicher, ob noch Sf3 eingeschoben wurde), und ließ im nächsten Zug h4 folgen. Rick kannte sich hier offenbar nicht mehr aus, und geriet in der Folge unter starken Druck, den auch der Damentausch nicht lindern konnte.

Ronny spielte gegen GM Dejan Bojkovs Königsinder seinen gewohnten 4-Bauernangriff. Bojkov griff dabei zu einem Bauernopfer mit frühem ..e5, was Schwarz schnellen Ausgleich verspricht, allerdings auch unvermeidlich zu Verflachungen führt. Nach Abschluss der Eröffnungsphase fand sich eine damenlose Position auf dem Brett ein, in der Schwarz über den etwas stärkeren Druck verfügte.

Ehrlich gesagt rechnete ich zu diesem Zeitpunkt (die Stärke der Gegner an Brett 1 und 2 eingerechnet) an den ersten 4 Brettern allerhöchstens mit einem Brettpunkt.

Besser lief es hinten: Freddy konnte mit Schwarz im Tchebanenko-System der slawischen Verteidigung schnell alle Schwierigkeiten überwinden. Er setzte den Themenzug ..e5 durch, und entwickelte über die halboffene e-Linie sogar etwas Druck. Das war objektiv nicht zu nennenswertem Vorteil ausreichend, aber mit den schwarzen Steinen sicher ein gutes Eröffnungsergebnis. Unser Neuzugang Jan Grewenig hatte es gegen Dr. Joachim Sieglein mit Französisch zu tun. Vom Bedenkzeitverbrauch beider Spieler ließ sich ableiten, dass sich keiner von beiden noch in der Theorie befand. Sieglein opferte nach langem Überlegen einen Springer auf e5, um das gegnerische Bauernzentrum zu zerstören. Ein klassisches Motiv im Franzosen, dessen objektive Stärke ich in der gegeben Stellung im Moment nicht beurteilen kann. Aber zumindest erhielt Schwarz starke Initiative.

Achim bekam mit Schwarz gegen Bernd Schneider 1.e4 e5 2.Lc4 vorgesetzt. Dieses System erlaubt Schwarz schnellen Ausgleich, behält aber eine schwierige Position auf dem Brett.

Gut in die Partie fand unser zweiter Neuzugang Manuel Weller, der es ebenfalls mit Französisch zu tun hatte. Als ich das erste mal ans Brett kam, hatte Schwarz bereits seinen c-Bauern auf die vierte Reihe vorgeschoben, was das weiße Zentrum entlastete. Manuel stellte sich geschickt dagegen auf und kreierte – gestützt durch sein starkes Bauernzentrum – schwarzfeldrige Schwächen im gegnerischen Lager.

Der weitere Verlauf des Kampfes brachte uns etwas Hoffnung. Nach ein paar Ungenauigkeiten von Hajo war ich dem Ausgleich sehr nah, und hatte dann einfach Glück.

Ein durch positionelle Gründe motivierter Läuferzug stellte auch eine taktische Gewinndrohung auf.

Die positionellen Erwägungen verliehen wohl der Taktik Unscheinbarkeit, und Hajo bemerkte die Drohung nicht. In der Folge gewann ich die Qualität, und konnte sie später für einen Bauerngewinn zurück opfern, der mir ein gewonnenes Damenendspiel einbrachte. Nach diesem Eröffnungverlauf ein glücklicher Sieg für mich.

Achim hatte inzwischen wohl Gewinnchancen ausgelassen (habs nicht gesehen, aber man war sich da einig:)), und geriet in Zeitnot unter die Räder. Jan bekam derweil von seinem Gegner ein Remisangebot, welches er nach Rücksprache mit mir akzeptierte. Vom Kampfverlauf her sicher grenzwertig, aber Jan meinte sehr schlecht zu stehen, eine Einschätzung, die sich bestätigte. Zudem hatte ich noch etwas Hoffnung bei Freddy.

Mauel spielte die Partie überzeugend weiter, kam schließlich zum thematischen Durchbruch f4-f5, welches die gegnerische Verteidigung zum Einbruch brachte.

Nachgespielt habe ich die Partie noch nicht, aber das machte einen ganz starken Eindruck.

Manuel: Bitte mehr davon!

Ronny behielt Konzentration und Nerven, und verteidigte seine Position bis zum Ende. Eine starke kämpferische Leistung, die ihm einen verdienten halben Punkt im Turmendspiel einbrachte.

Das ist gegen einen GM sicher keine Kleinigkeit, also auch hierfür meinen Glückwunsch.

Andre konnte die Partie leider nicht mehr drehen. Dausch spielte konzentriert durch, und konservierte seinen Vorteil bis zum Ende. Auch bei Rick war wohl nichts mehr zu machen. Er kämpfte sich noch bis ins Turmendspiel, aber der Mehrbauer von Georgiev war in dieser Stellung überzeugend.

Immerhin blieben vorne 1,5 Brettpunkte für uns liegen, mehr als ich zwischenzeitlich geglaubt hatte.

Freddy spielte als letzter, und wir hätten einen Sieg zum 4:4 gebraucht. Allerdings gab sich sein Gegner Heinz Fuchs keine Blöße, und die Partie endete schließlich in einem Bauernendspiel, das nicht mehr zu gewinnen war.

Trotz der Niederlage war ich mit unserem Zweitliga-Debut absolut zufrieden. An allen Brettern wurde gekämpft, und wir haben uns sicher nicht „abschlachten“ lassen.

Absolut positiv war der Auftritt unserer beiden Neuzugänge, die 1,5 Brettpunkte beisteuerten.

Ich freue mich auf die nächste Runde in Mainz. Der Gegner dürfte ungefähr gleichstark sein wie Untergrombach, und wenn wir es schaffen, noch „eine Schippe draufzulegen“, ist vielleicht der erste Mannschaftspunkt drin.

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