1. Mannschaft verliert deutlich gegen Emmendingen

Nach dem Sieg in der 1. Runde gegen Schönaich bestritten wir am 20.11.2016 unser erstes Heimspiel der diesjährigen Saison gegen den SC Emmendingen. Die Emmendinger hatten sich im Vorfeld der Saison erneut namhaft verstärkt und können dieses Jahr sicherlich um die ersten Plätze mitspielen.

Aus den schönen Erinnerungen an unseren Aufstiegstag entstand die Idee wieder gemeinsam zu frühstücken. Freddy erklärte sich bereit dies bei sich zu tun und kreierte uns ein schönes Buffet – danke nochmal an dich Freddy, am Essen hat unsere Niederlage sicherlich nicht gelegen.

fruehstueck

Unsere Gegner schienen nicht viel riskieren zu wollen und kamen sogar in besserer Aufstellung als beim Erstrundensieg gegen Untergrombach.

Die Paarungen waren wie folgt:

SC Caissa Schwarzenbach – SC Emmendingen
1. Frischmann, Rick (2312) – GM Hera, Imre (2619)
2. Oberhofer, Andre (2312) – GM Miezis, Normunds (2506)
3. Fries, Frederik (2302) – GM Sokolov, Andrei (2523)
4. Wild, Achim (2230) – GM Cvitan, Ognjen (2506)
5. Weller, Manuel (2181) – IM Korpa, Bence (2468)
6. Tabatt, Hendrik (2358) – FM Lodici, Lorenzo (2394)
7. Grewenig, Jan (2118) – IM Hommeles, Theo (2386)
8. Gress, Alexander (2177) – Bauer, Andreas (2239)

Mein Gegner wählte 1.c4 und wir kamen durch Zugumstellung in die englische Symmetrievariante. Es war schon einige Zeit vergangen, als ich mir zuletzt diese Variante angeschaut habe und so musste ich von Beginn an meine grauen Zellen anstrengen. Wie ich nun nach dem anschließenden Essen in der Fischerhütte von Englisch-Experte Thomas Biehler weiß, kann Schwarz solide mit d6,b6,Lb7,Dd7, Tc8 spielen oder etwas ambitionierterer mit d5, was ich wählte. Die Stellung war jedenfalls zuerst mal geschlossen und ich stellte mich auf ein vorzeitiges Manövrieren ein.

Andre wählte gegen Sizilianisch die Alapin-Variante, worauf Schwarz 2.-d5 erwiderte und sich mit Lg4, e6 und Sc6 aufbaute. Als Schwarz anschließend cxd4 spielte, entschied sich Andre für ein ausgeglichenes Endspiel. Die Alternative war eine strategisch komplizierte Stellung mit weißem Isolani.

Frederik spielte einen Sizilianisch Taimanov-Aufbau, der seinen Gegner offensichtlich überraschte, da dieser zunächst in etwas längeres Nachdenken über die zu wählende Entgegnung  versank. Schließlich entschied sich Weiß für einen Aufbau mit Le3 und Le2. Freddy verpasste mit 9.-Sa5 eine interessante Möglichkeit, die den weißen Aufbau auf den Prüfstand gestellt hätte. Sein Zug 9.-Tc8 war auch gut, und ich war und bin der Ansicht, dass er zum Ausgleich reichen sollte.

Achim landete durch Zugumstellung in der Tarrasch-Verteidigung. Sein Gegner hatte dort offenbar zuletzt erst eine Partie verloren und spielte recht flott. In der Folge bekam Schwarz das isolierte Bauernpaar auf c6/d5, aber hatte quasi keine schlecht postierten Figuren. Die Stellung ist wohl ausgeglichen, aber wenn es Achim gelingt die Bauern zu blockieren, sollte er etwas besser stehen.

Manuel wurde mit einem königsindischen Aufbau des Weißen konfrontiert und sein Gegner wählte anschließend Sfd2 statt des natürlicheren Sbd2. Ein System, das durchaus einiges an Gift in sich zu haben scheint. Manu „parkte“ seinen Läufer auf h7 und schloss das Zentrum mit d4, nachdem Weiß der Vorstoß e2-e4 gelungen war. Mir gefiel die schwarze Stellung nicht sonderlich, aber die Engine findet noch alles in Ordnung.

Hendrik spielte einen ruhigen Aufbau mit Sf3,e3,b3 und versuchte sich gegen seinen jungen Gegner positionelle Vorteile zu erarbeiten. Beide Spieler postierten ihre Schwerfiguren auf der einzig offenen Linie (c) und Hendrik konnte bestenfalls auf ein unter Umständen besseres Läufer vs. Springer Endspiel hoffen.

Jan spielte die Najdorf Variante der sizilianischen Verteidigung und sein Gegner überraschte ihn früh mit 6.Tg1. Jan reagierte gut mit Sc6, wonach Weiß recht inkonsequent mit Lc4 erwiderte. Das kann einfach nicht richtig sein. Wer A sagt muss auch B sagen – einzig logischer Zug war 7.g4, auch wenn es unter Bauernopfer geschieht. Ohne den Vorstoß g4 erschien der Turm auf g1 recht nutzlos und Jan stand schon deutlich besser.

Alex spielte einen offenen Sizilianer und schien in der Drachenvariante erneut sehr gut vorbereitet zu sein (sah jedenfalls so aus). Bei heterogenen Rochaden versuchte Schwarz unter Bauernopfer am Damenflügel alle Linien zu öffnen um dem weißen König an den Kragen zu gehen. Da der weiße Ld4 seinen Gegenspieler auf g7 allerdings nicht wirklich ins Spiel kommen lässt, war das nicht so einfach. Wenn Weiß sich konsolidieren und 1–2 Turmpaare tauschen kann, schien mir die Stellung mehr oder weniger technisch gewonnen. Noch waren aber alle Schwerfiguren auf dem Brett und Schwarz hatte durchaus Gegenspiel.

 

Die Ereignisse überschlugen sich erneut in der Zeitnotphase – dieses Mal zu unseren Ungunsten.

Freddy erreichte zunächst eine ausgeglichene Stellung, in der zwar einen isolierten Bauern auf a6 besaß, aber dafür langfristig Gegenspiel auf den weißen Feldern und je nach Situation im Zentrum oder am Damenflügel besitzt. Just in diesem Moment stellte er glatt eine Figur ein. Ärgerlich, da er vorher ordentlich gespielt hatte.

0 : 1

Achim hatte eine bessere Stellung erreicht, doch entschied sich dann gegen einfache positionelle Ideen 22.Dh4 oder 22.a3 und spielte stattdessen komplizierter mit 22.Lf1. Seine Idee zog er konsequent durch und schien die schwachen schwarzen Bauern aufs Korn zu nehmen.

wild-cvitan

Wild – Cvitan nach 25.-Sf6-e4

Mit Sicherheit hatte Achim erkannt, dass er nach 26.Txc6 Txc6 27.Dxc6 axb4 28.axb4 Lxb4 besser nicht 29.Txd5? folgen lässt, da Weiß dann nach 29.-Le1! in Schwierigkeiten kommt. Wenn Weiß stattdessen keine konkrete Fortsetzung hat, steht er nicht besser. 29.Sc7 ist wohl der beste Versuch, aber die Stellung ist beileibe nicht einfach und Schwarz hat viele Möglichkeiten.

Stattdessen wählte Achim 26.Dxa5?. Aufgrund der nun schlecht postierten Dame, wurde er allerdings postwendend mit 26.-Lxd6! ausgekontert. Nach 27.fxg3 Dd6 ist die weiße Stellung schon hoffnungslos.

0 : 2

Bauer hatte ungenau fortgesetzt und war bei immer knapper werdender Bedenkzeit verzweifelt auf der Suche nach Gegenspiel. Alex schien unbeeindruckt und sammelte des Bauers Bauern einen nach dem anderen ein. Trotz deutlichem Zeitvorteil entging ihm ein zugegebenermaßen nicht sehr trivialer Gewinnweg.

gress-bauer

Gress – Bauer nach 29.-Dc5

Gewonnen hätte das schöne 30.Te5 Ta1+ 31.Kc2 Df2+ 32.Td2 Dg1 33.Te7 T1a2 34.Te8+ Kf7 35.Txa8 +-.

Stattdessen spielte Alex 30.Tde1 und erlaubte damit Dauerschach nach 30.-Ta1+. Eigentlich eine gute Partie von Alex, ein Sieg wäre sicher nicht unverdient gewesen.

0,5 : 2,5

Dann ein Lichtblick:

Jan hatte nach bärenstarker Leistung seine Partie gewonnen! Er fand in dynamischer Stellung viele beste Züge und überspielte seinen Gegner schließlich im Turmendspiel. Absolut sehenswert!

1,5 : 2,5

Doch schlussendlich folgte trotzdem die kalte Dusche.

Manu hatte sich in schlechter Stellung gut verteidigt und plötzlich eine aktive Möglichkeit, nach der nur er besser stehen kann. Leider verteidigte er sich passiv und unterlag schließlich aufgrund seines schwachen Königs.

1,5 : 3,5

Andre hatte im Mittelspiel eine taktische Möglichkeit übersehen und musste ein schlechteres Endspiel verteidigen. In schwieriger Stellung und unter erheblichem Zeitdruck stellte er die Partie direkt ein. Hier würde mich interessieren, ob die Partie noch zu halten gewesen wäre.

Damit stand es schon 4,5 : 1,5 für unsere Gegner und Hendrik und ich hatten beide noch das Vergnügen deutlich schlechtere Endspiele verteidigen zu müssen.

Hendrik unterlief im Mittelspiel eine für ihn ungewöhnliche Fehleinschätzung der Stellung. In einem Endspiel mit 2 Türmen gegen Dame gab es nur eine offene Linie. So war es schwer für Weiß seine Türme zu koordinieren, da Schwarz noch einen Freibauern auf der dritten Reihe besaß. Schwarz war definitiv am Drücker, und als Hendrik aufgrund der Matchsituation nach 2-facher Stellungswiederholung auf Gewinn spielte, wurde die Dame einfach zu stark und er musste bald aufgeben.

 

Ich war in ausgeglichener Stellung einen Moment unaufmerksam und kam prompt in eine strategisch extrem unangenehme Situation. Die weiße Stellung war einfach zu spielen, während ich ständig Verteidigungsideen finden musste. Das gelang mir nur bedingt und mein Gegner überspielte mich bis hin zur Zeitkontrolle. Ich war anschließend nicht, der Ansicht, dass die Partie noch lange dauern würde, da ich schon recht flott einen Gewinn für meinen Gegner sah.

hera-frischmann

Hera – Frischmann, nach 40.-Sg6

 

Es gewinnt: 41.Lxg6 Kxg6 (41.-Dxg6 42.Dxd4+ +-) 42.Tc6 Te6 43.e5 Df5 44.Txe6 fxe6 45.Dxd4 +-

Zu meiner Überraschung spielte mein Gegner direkt 41.Tc6 und leistete sich im folgenden Endspiel einige weitere Ungenauigkeiten.

hera-frischmann-2

Hera – Frischmann, nach 51.d4

Ich spielte hier 51.-Ta1 und hielt damit auch noch relativ überzeugend remis. Eine böse Überraschung für meinen Gegner wäre wohl 51.-Ta2 52.Lh3 f5!! gewesen, was mir Andres Gegner nach der Partie mitteilte.

Weiß kann nicht 53.exf5 wegen 53.-Sh5+ spielen und müsste nach 53.Lf1 schon remis akzeptieren. Weiß kann glücklich sein, dass er noch 53.Td8+ nebst Th8 hat, wonach die Stellung auch remis wird.

Ich hatte natürlich Glück, dass mein Gegner ab Zug 40 quasi die Arbeit eingestellt hat.

Endstand: 2 : 6

Fazit:

Wir hatten keinen guten Tag und haben auch verdient verloren. Die Emmendinger hatten die notwendige Kaltschnäuzigkeit unsere vereinzelten Patzer auszunutzen. Sicherlich keine Schande, wenn man sich die Paarungen anschaut.

In der Liga sind wir trotzdem noch Sechster und haben zumindest 4 Mannschaften ohne Punkte hinter uns. Dazu zählt unter anderem der SC Untergrombach 1946, gegen den wir in der nächsten Runde am 04.12.2016 antreten werden. Das wird sicher ein spannender Wettkampf! Wir freuen uns darauf und hoffen Punkte mit nach Schwarzenbach zu holen!

Bericht von Rick Frischmann

2 Antworten

  1. Rick Frischmann
    Jans Partie: 1. e4 c5 2. Nf3 d6 3. d4 cxd4 4. Nxd4 Nf6 5. Nc3 a6 6. Rg1 Nc6 7. Bc4 Qa5 8. Nb3 Qc7 9. Nd5 Nxd5 10. exd5 Nb4 11. Qe2 Bf5 12. Nd4 Be4 13. Bb3 Bxd5 14. c4 Nc6 15. Nb5 axb5 16. cxd5 Nd4 17. Qd3 Qc5 18. Bd2 Nxb3 19. Qxb3 Qc4 20. Rc1 Qxb3 21. axb3 Kd7 22. Ke2 g6 23. Bc3 Bh6 24. Bxh8 Bxc1 25. Rxc1 Rxh8 26. Ra1 Rc8 27. Ra7 Kc7 28. Kd3 Kb6 29. Ra1 Rc5 30. Kd4 Rc2 31. Re1 Rxb2 32. Rxe7 Rxf2 33. Rd7 Rd2+ 34. Kc3 Rxd5 35. Rxf7 h5 36. h4 b4+ 37. Kc4 Re5 38. Rf6 Kc6 39. Kxb4 Re4+ 0-1
  2. Alex
    Was ist das für 1 Bricht vong Qualtät her.

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