Auf der Suche nach der goldenen Ananas

Das letzte Saisonspiel stand bevor. Zwar ging es für uns nicht mehr um dem Aufstieg gegen den frisch gebackenen Oberliga-Meister Worms, jedoch hielt uns das nicht ab nochmal alles in die Waagschale zu werfen, um wenigstens zu sehen, ob wir es "immer noch drauf hatten".

Es ergaben sich folgende Paarungen:
Frischmann (2320) – Naßhan (2315)
Wild (2278) – Heider (2409)
Fries (2305) – Ollenberger (2263)
Gress (2210) – Steinkohl (2213)
Weller (2250) – Helbig (2219)
Czybik (2165) – Martin (2163)
Grewenig (2114) – Dausch (2239)
Holle (2105) – Tschilingiri (1988)

Leider vorneweg gesagt waren nicht alle so hoch motiviert wie Rick, dennoch leistete jeder seinen Beitrag zum Mannschaftskampf bei. Der eine eben ein bisschen mehr und er andere eben etwas weniger. Am besten der Reihe nach:

Nach einer wahrhaftigen Seeschlangen-Saison mit 24 Saisonspielen sollte ich zu den etwas weniger Beitragenden an diesem Tag zählen. Die Paarung begünstigte das alles noch, da ich gegen einen langjährigen Schachfreund spielte und nach einer "unregelmäßigen" Eröffnung auch schnell die Punkte geteilt wurden. So hatten wir doch bei strahlendem Sonnenschein, einem kühlen Bier und etwas Dummgeschwätz den besseren Überblick über das gesamte Geschehen.

Weller – Helbig nach 11.Lg5

Die Stellung befindet sich auch mehr oder weniger im Ausgleich und am Ende verübelte es mir auch keiner, dass ich so schnell remis gemachte hatte.

0,5 : 0,5

Das nächste Ergebnis ließ nicht lange auf sich warten:
Nils spielte mit Schwarz gegen "Magic Mike" eine ruhige geschlossene Partie und konnte ohne Weiteres ausgleichen. Als sich die Stellung dann doch öffnete, war dies zu seinem Vorteil.

Martin – Czybik nach 13.Sxf4

An dieser Stelle wäre Nils mit 13...Dc5+ 14.Kh1 und 14...Lxc3 obenauf gewesen. Leider
misskalkulierte er sämtliche taktische Abspiele, welche sich hätten ereignen können. Er entschied sich daher für das etwas einfachere 13...e5 14.Sd3 und 14...Lxc3, wonach die weiße Bauernstruktur doch zu wünschen übrig lässt und Schwarz somit das angenehmere Spiel sichert.

Trotzdem akzeptierte er wenige Züge später das Remisangebot seines Gegners in leicht besserer Stellung. Geht unterm Strich in Ordnung. Wie gesagt der eine etwas mehr und der andere etwas weniger...

1 : 1

Zwar nicht in Top-Verfassung trotzdem eine taktisch versierte Drecksau – ja wen kann ich sonst meinen außer Jan. Er spielte mit Weiß gegen die Drachenvariante der Sizilianischen Verteidigung.

Sein Gegner wählte ein sehr scharfes Abspiel und Jan stand schon bald vor einer größeren
Entscheidung:

Grewenig – Dausch nach 8...Db6

Selbst wenn er gewusst hätte, dass es nicht funktionieren würde, wäre es ihm schwergefallen zu widerstehen. Da aber alles gerechtfertigt war und er auch nicht widerstehen konnte entschied sich Jan nach längerer Überlegung für 9.Sf5 und hieß die taktischen Verwirrungen willkommen. Nach einer Abfolge von einzigen logischen Zügen entstand dann folgende Stellung.

Grewenig – Dausch 14.Kf2

Statt hier nun 14...Da5 folgen zu lassen, um die Stellung zu konsolidieren wählte Schwarz 14..e6? nur um nach 15.Tb3 Da5 16.Lxc6 bxc6 und 17.Dxd6 sich in einer äußerst misslichen Lage wiederzufinden.

Weiß konnte den Bauern mit Zinsen zurückgewinnen. Die ungleichfarbigen Läufer erschwerten die bedrohliche Lage des schwarzen Königs noch hinzu. Jan ließ sich die Butter auch nicht mehr vom Brot nehmen und konnte in sauberer Manier die Partie für sich entscheiden.

Manchmal kann Schach doch so einfach sein!

2 : 1

An Brett 8 gab es wieder Wundertüten-Schach zu sehen. Cedric spielte mit Schwarz gegen das schottische Gambit. Er muss sich hier wohl sehr gut ausgekannt haben, wie mir in der
Nachbetrachtung bewusst wurde. Während der Partie hatte ich keinerlei Durchblick was vor sich geht. Auch mit der Engine bleibt es kompliziert. Hierzu gibt es eine Vorreiter-Partie zwischen Gawain Jones und Arkadij Naiditsch, welche mich am kompletten Schachverstand zweifeln lässt.

Tchilingiri – Holle nach 15.g3

Kaum hatte sein Gegner 15.g3 gezogen so flog dieser auch direkt vom Brett nach 15...Sxg3.
Im weiteren Spielverlauf entstand eine Materialverteilung Turm+Bauer gegen 2 Leichtfiguren, welche ungefähr ausgeglichen sein sollte.

Tchilingiri – Holle nach 27...Ta8

Gerade als sich die weiße Stellung etwas gefestigt hatte, unterlief ihm mit 28.S3a4?? ein
folgenschwerer Fehler. Cedric fackelte nicht lange und hob mit 28...Txa4! die weiße Stellung aus den Angeln. Nach 29.Sxa4 folgte Dxb4 mit der Doppeldrohnung Txf4 und Dxa4. Hier gab es dann auch nicht mehr viel zu retten für Weiß und Cedric hatten einen weiteren Punkt verbucht.

3 : 1

Alex legte seine Partie wie gewohnt scharf an. Er konnte frühzeitig seinem Gegner die Rochade versauen, jedoch blieb die Entwicklung seiner übrigen Figuren etwas auf der Strecke. Dies ermutigte seinen Gegner zu einem Figurenopfer.

Steinkohl – Gress nach 12...e6

Statt nun den Springer zurückzuziehen und die etwas schlechtere Stellung zu akzeptieren wählte sein Gegner hier 13.Dc3?!. Zwar interessant aber bei genauerer Betrachtung wohl einfach auch schlecht. Nach 13...exd5 14.exd5 Sd4 15.Sxd4 cxd4 16.Dxd4 folgte das ernüchternde 16...Df6 und der schwarze König fand ein sicheres Plätzchen auf d8, inbesondere da der Lc1 bereits das Feld verlassen hatte.

Die nachfolgende Stellung machte nicht den Eindruck, dass sie Alex vor große Probleme stellte. Eher andersrum, am Ende war es der weiße König der in der Mitte des Brettes rumtanzte und schlussendlich zur Strecke gebracht wurde!

4 : 1

Freddy hatte auch mal wieder Zeit zu spielen. Er kam mit Weiß mit leichtem Vorteil aus der Eröffnung, welchen er auch etwas ausbauen konnte. Leider war es nicht so einfach die schwarze Stellung zu knacken.

Fries – Ollenberger nach 10...Dc8

Weiß besitzt in dieser Stellung etwas Vorteil aufgrund des Raumvorteils und des doppelten e-Bauern. Der PC möchte die Türme auf c1 und d1 stellen und zeigt weiterhin Vorteil für Weiß an.

Freddy zog Te1 was auch gegen die Drohung Lh3 gerichtet war. Im Verlaufe der Partie gelang es Schwarz immer mehr Material zu tauschen und der Vorteil verflüchtigte sich zunehmends. Man muss auch sagen, dass Schwarz am Ende ein paar gute Züge gefunden hat und somit die folgende Punkteteilung in Ordnung geht.

4,5 : 1,5

So nun etwas mehr bitte. Rick spielte mit Weiß gegen Sizilianisch ein geschlossenes System mit 3.Lb5+. Früher hieß das mal Moskauer-Variante, ob es da noch genauere Untervarianten bzw. Bezeichnungen gibt, ist mir nicht bekannt. Es entwickelte sich ein ausgeglichener Kampf mit viel Herumlaviererei bis zu folgender Stellung:

Frischmann – Naßhan nach 18...Ta8

Rick entschied sich dazu etwas unternehmungslustig zu werden und versuchte mit 19.h4 etwas zu starten. Vorerst mal nicht lebensbedrohlich, zudem sein Kontrahent auch akkurate Züge fand.

Nachdem etwas Würze ins Spiel kam und ein Remisangebot zwischenzeitlich ausgeschlagen wurde, ging Rick mehr oder weniger "all in" indem er 28.g5 spielte.

Frischmann – Naßhan nach 27...Df7

Leider war das taktisch nicht ganz gerechtfertigt und nach dem folgerichtigen 28...Sc4 29.Lf4 und Dg6! wäre dieser Bauer zusätzlich noch verloren gegangen und wahrscheinlich dann auch die Partie.

So aber nicht an diesem Tag denn es folgte 29...h6? und Rick war wieder dick im Geschäft. Er ließ diesen Vorteil auch nicht mehr aus der Hand gleiten und konnte nach Überstehung der Zeitkontrolle nach und nach das Grab des schwarzen Monarchen schaufeln.

5,5 : 1,5

Den dicksten Brocken hatte an diesem Tag Achim zu stemmen und er tat es mit Bravour. Mit Schwarz gegen eine Doppelfianchetto-Eröffnung kam er ohne Probleme aus der Eröffnung.

Heider – Wild nach 16..Db7+

Im weiteren Verlauf gelang es Achim b5 durchzusetzen wonach das Spiel weiter verflachte und die Remisbreite weiter vergrößert wurde. Genau in dem Moment als aus "wenig gar nichts" wurde, unterlief Achim eine Ungenauigkeit.

Heider – Wild nach 30.Ld4

Am einfachsten und am menschlichsten wäre hier wohl 30...Dxc2 31.Txc2 cxd3 32.Sxd3 und Sd6 gewesen und wie ich zu pflegen sage, man hätte sich friedlich auf remis einigen können.

Wie gesagt man hätte. Es folgte stattdessen 30...Ta2?! 31.Dxb3 cxb3 und 32.Tb1 und der b3-Bauer war eher eine Schwäche als eine Stärke. Zwar ging dieser dann auch verloren, aber das Endspiel so merkte man es Achim einfach an, dass er dies nicht mehr verlieren wollte. Durch die nötige Anstrengung und weiterer Materialreduzierung gelang ihm das dann auch.

Endstand 6 : 2

Zur Feier des Tages gab's immerhin ein Gewinner-Schnitzel.

Fazit:

Wir beenden die Saison auf dem 2. Tabellenplatz und konnten uns im letzten Saisonspiel nochmal selbst beweisen, dass wir mithalten können. Durch die vorherige Ausgangssituation geprägt fiel dieser letzte Mannschaftskampf auch etwas hoch für uns aus.

Wie wir am Ende sehen konnten, hat nach unserer standesgemäßen Auftaktniederlage gegen Landau nicht viel zum Aufstieg gefehlt. War es die Auftaktniederlage gegen Landau oder auch das seltsame 4:4 gegen Heimbach-Weis/Neuwied oder war es doch einfach das nötige Quäntchen Glück, was uns diese Saison gefehlt hat? Ehrlich gesagt war wohl Worms dieses Jahr auch einfach mal dran aufzusteigen und wir wünschen Ihnen
viel Spaß und Erfolg in der 2. Bundesliga und vielleicht sieht man sich in 1, 2 oder 3 Jahren wieder – egal in welcher Liga. Auf alle Fälle werden wir nächstes Jahr wieder angreifen und damit verabschieden wir uns in die Sommerpause.

Bericht von Manuel Weller

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