Ausgezeichneter 5. Platz bei der Deutschen Blitzschach Einzelmeisterschaft in Magdeburg

Der deutsche Schachbund gab am Samstag, den 25.05.2019 den Startschuss für den diesjährigen Meisterschaftsgipfel. Dieser besteht aus der Ausrichtung mehrerer deutscher Meisterschaften, einem German Masters der Männer und Frauen und dem Finale der deutschen Schach-Amateurmeisterschaft. Ich ging bei der deutschen Blitzschach Einzelmeisterschaft für das Saarland an den Start. Bei sehr starker Besetzung war ich vor dem Turnier an Platz 17 von 30 gesetzt. Trotzdem war ich mir bewusst, wozu ich imstande bin, da ich bereits 2016 mal den 5. Platz errang.

Auf 6 Stunden Zugfahrt nach Magdeburg hatte ich noch einige Zeit um an meinem Eröffnungsrepertoire zu schrauben und ohne die Begleitung eines gewissen Herrn Grewenig, bin ich sogar zu mehr oder weniger christlichen Zeiten ins Bett gekommen ;-). Auf der anderen Seite, hätte ich zu manchem Zeitpunkt im Turnier einen"Wachrüttler" von Jan sehr gut gebrauchen können. Aber dazu später mehr.

Morgens beim Frühstück im Hotel habe ich sogar noch Manus Vater und dessen Freundin getroffen. Während dem Gespräch stellten wir fest, dass die Partien anscheinend per DGT-Brett live übertragen werden. Also: The pressure is on…

Alle Partien können auch jetzt noch hier nachgespielt werden.

Das Turnier wurde in der FestMark ausgetragen – eine relativ urige ehemalige Kaserne, in der mittlerweile Veranstaltungen jeglicher Art durchgeführt werden und in der beste Spielbedingungen durch den DSB geschaffen wurden. Es gab sogar ein Live-Video der ersten beiden Bretter, das über sportdeutschland.tv übertragen wurde.

© Frank Hoppe / schachbund.de

Dann ging es endlich los!
In der 1. Runde kam ich unwissend gegen einen Mannschaftskameraden meines belgischen Vereins Wirtzfeld. Wir hatten es dieses Jahr anscheinend nie geschafft am gleichen Spieltag in der Mannschaft zu spielen. Insofern war die Stimmung vor der 1. Runde schon mal gut, aber dann wurde es natürlich ernst.

Im Tschigorin brachte ich es leider nicht fertig meinen Mehrbauern zu verwerten und musste mich schließlich mit Remis begnügen. Leichte Startschwierigkeiten also, die sich in der 2. Runde fortsetzten. Nach vermurkster Eröffnung in nun eigentlich guter Stellung, übersah ich, dass ein Turm auf a8 gedeckt war, was mich eine Figur kostete. Es gab noch minimalste Schwindelchancen und mein Gegner stellte die Partie tatsächlich einige Züge später ein – den Punkt nehmen wir mit. In der 3. Runde gab es nach guter Eröffnungsphase einige komische Züge im Mittelspiel, aber schlussendlich fand ich wieder in die Bahn und nahm meinem Gegner eine Figur ab, wonach dieser sofort aufgab. In der 4. Und 5. Runde war ich langsam in Form und ließ lediglich in der ersten Partie an der ein oder anderen Stelle eine Remisabwicklung zu. Mit 4,5/5 ließ sich der Start also durchaus schön aussehen – auch beim Blick auf die Tabelle.

© chess24.com

Leider gab’s dann in der 6. Runde die erste Niederlage in einer Partie, die ich auf jeden Fall gewinnen muss. Irgendwie fand ich den – zugegeben relativ leichten – taktischen Schlag nicht und stellte nach und nach Material ein. Erfreulicherweise schlug ich mit 2 Siegen zurück, in der die Gegner zwar Remischancen bekamen, aber im Großen und Ganzen war ich dauerhaft am Drücker. Es folgte in Runde 9 die nächste Partie, die ich nicht verlieren darf. In klarer Gewinnstellung tauschte ich unnötigerweise die Damen, wonach die Stellung objektiv noch besser war, aber am Brett nicht einfach zu spielen. Im Endeffekt stellte ich dann noch die Qualität und somit die Partie ein.

Es gab nun noch 3 Runden bis zur Pause. Die erste Partie war gegen den Titelverteidiger IM Ilja Schneider. Es entstand eine komplizierte Mittelspielstellung, in der ich eher den Überblick behielt und die Partie gewann. In der nächsten Partie stand ich zwischenzeitlich auf Verlust, aber es gab wieder Schwindelchancen, die ich zum Remis brachte. Die letzte Partie vor der Pause, wollte ich unbedingt noch gewinnen, was mich aber eventuell etwas zu sehr dazu verleitet hat die Partie zu überziehen. Nach einer schlechten positionellen Einschätzung in der Eröffnung, stand eher mein Gegner besser. Ich spielte trotzdem weiter und hatte in der Zeitnotschlacht schlichtweg das glücklichere Händchen. Der Tabellenstand zur Pause konnte sich dann bereits sehen lassen. Rechnet man Glück und Pech bei den Stellungen zusammen, wäre vielleicht sogar noch ein Punkt mehr drin gewesen.

© chess24.com

Nach der Pause gab’s dann die erste Schwächephase. Ich kam direkt gegen drei starke Blitzspieler hintereinander und verlor alle Partien – kann passieren, trotzdem ärgerlich.

Die Runde 16 war perfektes Timing, denn ich musste zurückkommen und mein Gegner lief mir komplett in eine vorbereitete Variante. Auch die folgenden beiden Partien liefen hervorragend und ich war wieder „back on track“.

In der 19. Runde spielte ich gegen den späteren Turniersieger GM Rainer Buhmann und mein Tschigorin schlag mal wieder zu. Mit Mehrbauern aus der Eröffnung kommend, verlor ich allerdings zunehmend den Überblick. Trotz Remischancen war’s dann schwierig und die Partie ging verloren.

In Runde 20 bekam ich in der Eröffnung Probleme und hatte Glück, dass mein Gegner an einer Stelle einen Figurengewinn übersah. In Runde 21 gab’s ebenfalls erhebliche Eröffnungsprobleme, aber die dynamischen Möglichkeiten habe ich dann erkannt.

Es folgte noch ein Sieg in Runde 22, aber dann die erneute große Rochade in den Runden 23-25. Die Niederlage in Runde 24 ging völlig in Ordnung, aber die beiden anderen Runden darf ich nicht verlieren.

Es stand ein strammes Restprogramm mit 2 GM’s innerhalb 4 Runden an. Glücklicherweise lief dann alles perfekt für mich zusammen.

In der 26. Runde servierte mir mein Gegner früh in der Eröffnung eine Dame und bekam dafür lediglich 2 Leichtfiguren, was ich mehr oder weniger locker nach Hause brachte.

Anschließend dann die Spitzenpaarung gegen GM Jan Gustafsson. Da die ersten beiden Brettern gefilmt wurden, kann die Partie auch im Video nachverfolgt werden über diesen Link. Die Partie ist ab 3:01:20 zu sehen. In der Partie stand ich komplett platt, aber mein Gegner verrechnete sich. Am Ende sollte er dann den letzten Fehler machen.

Die vorletzte Runde lief dann gut, die letzte Runde allerdings wieder horrormäßig, bis mein Gegner einen taktischen Trick übersah, den ich mit lediglich einer Sekunde Restzeit fand.

Somit kamen 18,5 Punkte aus 29 Partien zusammen und ein hervorragender 5. Platz. Zusätzlich dazu konnte ich mich über einen Blitz-Elo-Gewinn von 101 Punkten freuen, was mich auf sehr solide 2474 bringt. Diese gilt es nun bei der SBEM und bei der DBMM zu bestätigen.

© DSB / Jachmann / schachbund.de

Bericht des DSB

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