SC Caissa Schwarzenbach 2 weiterhin Tabellenführer

Am fünften Spieltag dieser Saison trafen wir zu Hause mit Illingen I auf einen der Mitfavoriten für die Meisterschaft in der Saarlandliga. Unsere Mannschaft führte vor dem Spieltag vor den Teams von Gema St. Ingbert/Lebach I, Schwalbach I und Illingen I die Tabelle an. Unseren bisher einzigen Verlustpunkt hatten wir schon in der ersten Runde gegen unsere stark aufspielende dritte Mannschaft liegen lassen. Das sah zwar erst mal gut aus, man muss dabei aber sehen, dass die Verfolger schon in diversen Begegnungen untereinander Federn gelassen, wir aber bisher gegen keine dieser Mannschaften gespielt hatten. Das Match gegen Illingen war also eine wichtige Standortbestimmung. Unser Gegner trat nicht in Bestbesetzung an, insbesondere an den hinteren Brettern ließen sich einige Stammspieler vertreten. Wir selbst waren vollständig, was uns auf dem Papier zum deutlichen Favoriten machte. Wir hatten die Brettreihenfolge ein wenig umgestellt und so kam es zu den folgenden Begegnungen:

 

  1. Becker, J. (2027) - Mayer, F. (2305)
  2. Tabatt, H. (2298) - Biehler, T. (2136)
  3. Uhrig, C. (1919) - Schuh, T. (2075)
  4. Bürmann, J. (2053) - Siebert, V. (1917)
  5. Scheuermann, G. (1987) - Bätz, U. (1793)
  6. Busemann, S. (2022) - Zimmer, L. (1697)
  7. Fiedler, R. (1845) - Schuh, F. (1290)
  8. Rippberger R. (1891) - Feidt, D. (928)

 

 

Am ersten Brett eröffnete Frank Mayer mit 1. c4 und nachdem es vorübergehend nach Sizilianisch im Anzug ausgesehen hatte, wurden die theoretischen Gefilde schon frühzeitig verlassen. Jörg steckte für schnelle Entwicklung einen Bauern ins Geschäft und obwohl die entstandene Stellung vom Computer eher wohlwollend für Weiß beurteilt wird, war sie rein optisch eher schwierig einzuschätzen. Frank tauschte dann seinen weißen Fianchetto-Läufer gegen einen Springer, wohl um die schwarze Bauernstellung  zu verhunzen, aber danach stand Schwarz mit dem Läuferpaar und Angriffschancen am Königsflügel durchaus chancenreich.

 

Hendrik spielte Weressow gegen Thomas Biehler und bekam bei gegenseitigen Rochaden bald die Kontrolle über d- und e-Linie, was ihm deutlichen Vorteil und gute Chancen für einen Königsangriff einbrachte.

 

Ich selbst ließ mich schon früh von Thomas Schuh in einer russischen Variante durch 5. Ld3 (statt d4) verwirren. Statt eine offensichtliche Erwiderung zu wählen, etwa sofortiges Sf6, versuchte ich, mit Sc5 etwas gekünstelt zurück in eine der russischen Hauptvarianten zu gelangen. Nach 13 Zügen hatte ich das augenscheinlich geschafft, die Stellung war bis auf einen Zug identisch zu einer bekannten Theorievariante, der Unterschied war jedoch leider zum Vorteil für Weiß, der hier zu Te1 gekommen war, statt des Zuges a3 in besagter Theorievariante. Ich hatte durch ungeschicktes Agieren gewissermaßen ein Tempo verloren. Vielleicht war das noch zu halten, aber die entstandene Stellung war ausgesprochen bequem für Weiß zu spielen, wogegen ich mir keine weiteren Ungenauigkeiten leisten konnte, wollte ich im Spiel bleiben.

 

Eine sehr spannende Partie entwickelte sich an Brett vier, wo es Jan mit Viktor Siebert und Albins Gegengambit zu tun hatte. Nach einer Ungenauigkeit von Schwarz erlangte Jan die deutlich bessere Stellung, um dann aber durch etwas verfrühtes Vorrücken seines b-Bauern in Nachteil zu geraten. Für kurze Zeit stand nun Schwarz besser, Viktor fand in dieser Phase aber nicht die richtigen Züge. Nachdem er seinen Vorteil durch ungenaues Spiel wieder eingebüßt hatte, versuchte er durch ein sehr optimistisches Springeropfer auf f2 einen Mattangriff gegen den in der Mitte verbliebenen weißen König einzuleiten. Objektiv gesehen stand Weiß danach zwar etwas defensiv, aber deutlich auf Gewinn.

 

Am fünften Brett kam Uwe Bätz gegen Gerhard schnell unter die Räder. Die Eröffnung begann alt-benonisch, aber zu einer echten Theorievariante kam es erst gar nicht, weil Uwe schon im vierten Zug eine Figur einstellte. Er versuchte sich im Folgenden etwas einzuigeln, was ihm teilweise auch gelang. Gerhard lavierte aber geduldig auf der Suche nach einem Durchbruch, ohne seinen Vorteil dabei einzubüßen.

 

Stephan kam in der Anfangsphase am sechsten Brett gegen Luca Zimmer in der französischen Abtausch-Variante durch normale und starke Züge in leichten aber dauerhaften Vorteil.

 

Am siebten Brett präsentierte Robert seinem Gegner Felix Schuh einen sizilianischen Drachen. Nach dem 10. Zug stand Weiß bei gegenseitigen Rochaden eigentlich sehr bequem. Er wählte jedoch einen Plan, der eher Schwarz in die Hand spielte. Felix konzentrierte sein Figurenspiel auf den Damenflügel und die beiden tauschten dort die Hälfte ihrer Armeen ab; danach war als einziges aktives Strategem nur noch die für Schwarz halboffene c-Linie vorhanden. Wegen des stark reduzierten Materials, jeweils noch beide Türme und der schwarzfeldrige Läufer, roch es stark nach Remis.

 

Reinhold hat mir nach dem Spiel berichtet, Dennis Feidt habe im Vierspringerspiel schon sehr früh fehlgegriffen mit dem Versuch, Symmetrie aufrechtzuerhalten, was nicht stellungsgemäß war. In der Folge kam Weiß schnell in Vorteil und konnte einen Bauern gewinnen. Der Gewinnweg zeichnete sich gegen Ende der Eröffnungsphase zwar bereits ab, Eroberung des gegnerischen h-Bauern und Vorrücken der Bauern am Königsflügel, aber es war klar, dass dies noch einige Zeit in Anspruch nehmen würde.

 

Insgesamt sah es also nach der Eröffnungsphase trotz meiner eigenen sehr kritischen Stellung ganz gut für uns aus, dennoch war der Ausgang noch offen. Felix stellte schließlich am siebten gegen Robert einzügig eine Qualität ein. Danach drang Schwarz durch Turmverdoppelung auf der c-Linie in die weiße Stellung ein und Robert spielte die Partie erfolgreich zu Ende.

 

An eins nahmen Jörg und Frank davon Abstand, die Stellung auf dem Brett auszudiskutieren. Man einigte sich auf Remis, was vermutlich für Weiß nicht mal eine schlechte Lösung war. Für Jörg bedeutete dies jedenfalls „mission accomplished“.

 

Bei mir lief es nicht so gut. Ich spielte im weiteren Verlauf suboptimale Züge, was bei der angespannten Lage nicht zu verschmerzen war. So verlor ich schließlich einen Bauern ohne jegliche Kompensation und bei dem Versuch, etwas Gegenspiel zu erlangen, gab ich einen zweiten. Thomas hatte bis dahin auch alles richtig gespielt. Mit der Einsicht, dass ich die Partie sicher verlieren würde, gab ich sie kurz vor dem Verlust eines dritten Bauern auf. Nach einer bisher ganz brauchbaren Saison war dies ein herber und ärgerlicher Rückschlag.

 

Am fünften Brett war die Stellung weiter hochtaktisch. Jan schlug zum richtigen Zeitpunkt einen Springer, der zwar schon länger einstand, die meiste Zeit aber tabu war, und baute damit seinen Vorteil aus. Der schwarze Angriff war aber nicht ohne Gift: es gab noch ein paar taktische Motive, die es zu verhindert galt, was bei schwindender Bedenkzeit auch mal schiefgehen kann. Jan setzte aber seine bisher ausgezeichnete Saisonleistung fort und spielte die Partie souverän zu Ende, was uns erneut in Führung brachte.

 

Reinhold hatte in der Zwischenzeit den gegnerischen h-Bauern erobert und da er vorher schon eventuelles Gegenspiel im Zentrum unterbunden hatte, war klar, dass ein Sieg nur eine Frage der Zeit sein würde: sein eigener h-Bauer war unterstützt von beiden Läufern und dem weißen König schon auf den Weg gebracht. Wie die Partie dann genau zu Ende ging, habe ich nicht gesehen, aber nach wenigen weiteren Zügen hat Dennis wohl aufgegeben. Reinhold hatte damit in seinem vierten Spiel in dieser Saison den vierten Punkt gemacht und es stand 3,5 : 1,5 für uns.

 

Und wo wir gerade von einer hundertprozentigen Ausbeute sprechen, Gerhard war es mittlerweile gelungen, den Raum für die weißen Verteidigungsfiguren immer weiter einzuengen, bis schließlich weiterer Materialverlust für Weiß nicht mehr zu vermeiden war. Dem zusätzlichen Gewinn einer Qualität folgte schließlich noch ein weiterer Figurengewinn, der von Uwe nur auf Kosten eines Mattangriffs hätte verhindert werden können; er gab die Partie daraufhin auf, was für uns den Mannschaftssieg sicher stellte. Es war Gerhards dritter Punkt in seiner dritten Partie.

 

Stephan hatte mittlerweile infolge einer Turmverdoppelung die Kontrolle über die e-Linie  gewonnen und Weiß hatte das aussichtsreichere Spiel. In der Folge wechselte allerdings der Vorteil aufgrund von Ungenauigkeiten beider Spieler, die vermutlich auf Zeitnot zurückzuführen waren, mehrfach. Nach dem 38. Zug bot Luca ein Remis an, dass Stephan aufgrund des zu diesem Zeitpunkt bereits gewonnenen Mannschaftskampfes ablehnte. Im darauffolgenden Zug stellte er leider die Partie ein, was schade war, sein Spiel hatte ein besseres Resultat verdient. Dabei soll jedoch die gute Leistung des amtierenden U20 Landesmeisters Luca Zimmer nicht unerwähnt bleiben.

 

Schließlich war Hendriks Spiel die letzte laufende Partie in der Halle, in der ja am gleichen Spieltag auch die jeweiligen Begegnungen unserer dritten und vierten Mannschaft durchgeführt worden waren. Hendrik hatte sich, vermutlich nicht notwendigerweise freiwillig, auf den Abtausch seines wertvollen d-Bauern, der sich auf d6 eingenistet hatte, gegen den schwarzen a-Bauern eingelassen. Dabei wurden auch alle Schwerfiguren mit Ausnahme jeweils eines Turms vom Brett genommen. Das entstandene Endspiel war aufgrund von Hendriks Bauernmehrheit am Damenflügel sicherlich noch als vorteilhaft für Weiß einzustufen, im weiteren Verlauf konnte Thomas aber seine dortigen Bauern unter für ihn günstigen Umständen abtauschen und das entstandene Endspiel war trotz des verbleibenden weißen Freibauern nicht mehr zu gewinnen, man einigte sich auf Remis. Somit kam es zu folgendem Gesamtergebnis:

Caissa Schwarzenbach II – Illingen I              5  :  3

  1. Becker, J. (2027) - Mayer, F. (2305) 1/2 : 1/2
  2. Tabatt, H. (2298) - Biehler, T. (2136) 1/2 : 1/2
  3. Uhrig, C. (1919) - Schuh, T. (2075) 0 : 1
  4. Bürmann, J. (2053) - Siebert, V. (1917) 1 : 0
  5. Scheuermann, G. (1987) - Bätz, U. (1793) 1 : 0
  6. Busemann, S. (2022) - Zimmer, L. (1697) 0 : 1
  7. Fiedler, R. (1845) - Schuh, F. (1290) 1 : 0
  8. Rippberger R. (1891) - Feidt, D. (928) 1 : 0

 

 

Ende Januar müssen wir die Tabellenführung in Schwalbach verteidigen. Aktuell ist allerdings Gema St.Ingbert/Lebach I unser schärfster Verfolger, die Mannschaft liegt weiterhin nur einen Punkt hinter uns zurück.

 

Erwähnen möchte ich an dieser Stelle noch das sehr erfreuliche Ergebnis unserer dritten Mannschaft, die Eppelborn mit 4.5 : 3,5 geschlagen hat und jetzt mit weiterhin nur zwei Punkten Rückstand auf die Tabellenspitze schon auf dem dritten Platz steht, noch vor Illingen und Schwalbach. Ebenso erfreulich ist der Sieg unserer vierten Mannschaft gegen Gema St. Ingbert/Lebach IV in der Bezirksliga Ost, was sie auf den 7. Platz mit zwei Punkten Abstand zu einem Abstiegsplatz bringt.

Noch keine Kommentare bis jetzt

Einen Kommentar schreiben