Gäste aus dem hohen Norden trotzen uns ein 4:4 ab

Am ersten Februarwochenende stand das nächste Heimspiel für unsere 1.Mannschaft auf dem Programm. Zu Gast hatten wir Heimbach-Weis/Neuwied, welche einige Titelträger mitbrachten, allen voran natürlich Urgestein IM Boidman. Da wir eine relativ titelträgerarme Mannschaft besitzen (jedenfalls keine offiziellen Titel ;-)) war ein spannendes Match zu erwarten. Es ergaben sich folgende Paarungen:

Frischmann (2310) – Winterberg (2380)

Wild (2269) – Boidman (2336)

Gress (2208) – Schulz (2330)

Weller (2254) – Puth (2217)

Oberhofer (2282) - Ronge (2090)

Czybik (2166) – Roos (2137)

Grewenig (2155) – Fink (2151)

Holle (2079) – Jahn (2053)

Rick war an Brett 1 wie gewohnt bis aufs Messer vorbereitet und spielte Wolga-Gambit. Eröffnungsmäßig hatte er keinerlei Probleme.

Stellung nach 11...Lc8-b7

Hier wählte sein Gegner das verlockende aber zugleich auch festlegende Abspiel 12.e5?! (besser war hier z.B. das flexiblere 12.Sd2 d5 13.0-0=) Nach 12...Sg4 13.Sb5 Ta8 14.Sd6? Ld5∓ wackelt das Gerüst Bauer e5 + Sd6 gewaltig und ich war guter Dinge.

An Brett 2 bekam Achim es mit Altindisch zu tun. Eine eher positionelle Eröffnung mit viel Hin- und Hergeschiebe in der Weiß Raumvorteil besitzt.

Stellung nach 12...g7-g6

Hier folgte 13.Se1?! wonach Schwarz mit 13...Lg5 den schwarzfeldrigen Läufer unter guten Umständen tauschen konnte. Genauer wäre hier 13.Dd2 mit der gleichen Idee Se1-d3 gewesen.

13...f5 funktioniert noch nicht, da dann stark 14.Lh6 Sg7 15.exf5 gxf5 16.Sg5± folgt.

Alex spielte an Brett 3 gegen einen verzögerten Alapin-Sizilianer die Botwinnik-Bauerstruktur c5-d6-e5. Diese Partie befand sich etwas ungewohnt für Alex auch in einem positionellen ruhigen Gewässer.

Stellung nach 14.Sd2-c4

Die Stellung befindet sich wohl im Ausgleich. Der schwarze Läufer hat sich hier irgendwie nach g6 verirrt. Dieser wäre wahrscheinlich glücklicher auf e6 positioniert. Somit sind auch die weißen Felder am Damenflügel potenziell schwach.

An dieser Stelle folgte 14...Se8?! (besser wäre 14...Sd7 15.Sf5 bxc3 16.bxc3 Sb6 17.Sce3 Lg5+= gewesen) Nach 15.Sf5 Sc7 16.Da4 Sb5?? (16...Tb5 sieht zwar etwas krampfhaft aus aber scheint noch ok zu sein) 17.Qa6+- geht leider schon kompensationslos Material flöten.

Ich selbst spielte an Brett 5 mit Weiß mittlerweile schon altersgemäß 1.c4 Englisch! Mein Gegner spielte mir sprichwörtlich alles nach und somit entstand die folgende Symmetriestellung:

Stellung nach 19.Tf1-c1

Das einzigste was ich bis dahin verbuchen konnte war ein enormer Zeitvorteil von 45 Minuten. An dieser Stelle ging mein Gegner dann eigene Wege mittels 19...Kh8?! was zwar nicht unbedingt empfehlenswert war, da 19...Tfc8 doch besser gewesen wäre mit Ausgleich.

Andre spielte an Brett 5 Nimzoindisch was dann schon bald überging eine Damenbauer-Isolani-Stellung mit Schwarz. Sein Bonus war hierbei noch, dass er die Bauernstruktur des Gegners am Königsflügel zerrütten konnte.

Stellung nach 16...Sd7xc5

Diese Stellung sollte sich meiner Einschätzung nach mehr oder weniger die Waagschale halten mit beidseitigen Chancen.

Nils hatte es an Brett 6 ebenfalls mit Altindisch zu tun. Er wählte ein solides Abspiel, welches ich nach kurzem draufschauen während der Partie mit "geht in Ordnung +=" einschätzte.

Stellung nach 15.Dc2-e2

An Brett 7 spielte Jan seinen allzeit beliebten Sizilianer. Jedoch konterte der Gegner frühzeitig mit 3.Dxd4. Schon bald bot der Gegner ein dubioses Springeropfer auf d5 an, welches mit Fug und Recht angenommen wurde.

Stellung nach 12.Sc3-d5

An dieser Stelle folgte selbstverständlich 12...exd5 13.exd5 Sd4 14.Sxd4 exd4 15.Dxd4

Mit dem PC ist so eine Stellung immer schnell analysiert aber um auf die Idee zu kommen, dass Schwarz nach 15...Dc5!! 16.De5+ und 16...Kd8 einen "safe haven" gefunden hat kann man ihm nicht vorwerfen.

Stattdessen folgte das eher menschliche 15...Lf5 mit späterer Rückgabe der Figur und ausgeglichenem Spiel.

Was sich an Brett 8 zugetragen hat kann ich nur folgendermaßen beschreiben:

In einer Hybrid-Line der französischen Winawer-Variante mit 4...b6 wurden von Cedrics Gegner alle französischen Motive durcheinander geschmissen. Das dies alles nicht gut sein kann wurde von Cedric gut unter Beweis gestellt.

Stellung nach 21...Le7-f8

Nach knapp 20 Zügen war es Cedric hier gelungen den kompletten schwarzen Königsflügel lahm zu legen. Hier war ich sehr zuversichtlich und die Partie erschien mir nur noch "technischer Natur".

Als Erstes wurden bei Nils die Hände geschüttelt. Nachdem etwas Holz vom Brett kam, gab die Stellung auch nicht mehr so viel her und er akzeptierte das Friedensangebot seines Gegners.

0,5:0,5

Leider geriet Achim zunehmend unter Druck und seinem Gegner gelang es einen Springer zentral auf d4 einzupflanzen, wonach die Stellung nicht besser wurde aus weißer Sicht. Nach einem taktischen Kinnhaken war die Stellung dann kapitulationsreif.

0,5:1,5

Cedric bewies die nötige "Technik" und konnte sicher den Punkt einfahren. Die 3 schwarzen Figuren am Königsflügel saßen bis zur Schlussstellung brav auf ihren Ausgangsfeldern und begutachteten ein Massaker des schwarzen Königs am Damenflügel.

1,5:1,5

Nach und nach gewann ich in meiner Partie die Oberhand und konnte starken positionellen Vorteil erzielen. Ausgerechnet in gegnerischer Zeitnot lüftete ich meinen König zu sehr was meinem Gegner die Chance gab zu einem taktischen Einschlag. Danach glich meine Stellung leider einem Trümmerhaufen und ich musste die Waffen strecken.

1,5:2,5

Umso mehr konnte ich mich für Rick freuen. Er spielte weiter dynamisch und es ergab sich folgende Stellung:

Stellung nach 16...Sg4-xh2

Maurice Ashley würde die Partie wahrscheinlich wieder folgendermaßen kommentieren: "This is in your living room. The horse is on the sofa and you gonna have to deal with it."

Zu deutsch: Die weiße Stellung ist schon völlig breit.

Später steckte Rick noch eine Figur ins Geschäft und konnte somit die weiße Stellung komplett in die Luft jagen!

2,5:2,5

Bei Andre tauschten sich alle Schwerfiguren vom Brett und es entstand ein äußerst interessantes Leichtfiguren-Endspiel.

Stellung nach 39.Lf3-g2??

Kurz vor der Zeitkontrolle leistete sich sein Gegner einen fatalen Fehler, welcher der die Partie zu unseren Gunsten kippte. Es folgte 39...Se2+ mit Springertausch und die Basis der weißen Damenflügel-Bauern konnten nicht mehr ausreichend verteidigt werden. Nach 41.b4 konnte Andre mit 41...a5! die Schotten dicht machen.

3,5:2,5

Alex versuchte die Stellung noch zu verkomplizieren. Sein Gegner bewies aber einen kühlen Kopf und konnte alle Drohungen parieren und sackte am Ende verdient den vollen Punkt ein.

3,5:3,5

Jan spielte ein reines Schwerfiguren-Endspiel und allmählich machte er Fortschritte und überspielte seinen Gegner. Leider gab es hier und da mal wieder eine bessere Fortsetzung für ihn. Weiß konnte dann sogar die Balance halten und beim "Überziehen der Partie" landete Jan am Ende sogar noch in einem verlorenen Turmendspiel.

Stellung nach 65...Kf7-e8

Die Marschroute des weißen Königs klingt einleuchtend. Am Ende nach Kd7-c7 bringt Tc6+ die Entscheidung. Da Weiß aber 66.Kd4 zog und direkt an den Königsflügel gerannt ist, endete die Partie schließlich remis.

Endstand 4:4

Fazit:

Eine durchweg verdiente Punkteteilung. Uns geht im Aufstiegsrennen ein wichtiger Punkt verloren, um weiterhin Anschluss an die Spitze zu halten. Landau lässt auch Punkte liegen in Gau-Algesheim und Worms marschiert weiter verlustpunktfrei vorne weg.

Es geht jetzt in die Endphase der Saison über und wir spielen einfach munter weiter frei nach dem Motto "Oberliga ist auch schön."

Vielleicht bekommen wir noch unser Finale am letzten Spieltag bis dahin heißt es abwarten.

Der nächste Mannschaftskampf findet bereits am 24.02.2019 statt. Gegner ist dann Schlusslicht Turm Winterbach. Hier sollte dann wieder mehr drin sein.

Noch keine Kommentare bis jetzt

Einen Kommentar schreiben