Trocken aber effizient! 1.Mannschaft punktet bei Schlusslicht Turm Winterbach

Am letzten sonnigen Februarwochenende dem 24.02.2019 war unsere erste Mannschaft zu Gast beim Schlusslicht Turm Winterbach. Auch wenn wir nicht in Bestbesetzung antreten konnten war die Devise klar: 2 Mannschaftspunkte sollten her und wenn möglich noch etwas fürs
Brettpunktekonto getan werden. Folgende Paarungen ergaben sich:

Frischmann (2326) - Spengler (2061)
Wild (2257) - Becker (2150)
Fries (2306) - Herrmann (2106)
Gress (2199) - Hell (2112)
Weller (2246) - Robert (1964)
Grewenig (2138) - Schütz (1897)
Bürmann (2102) - Courtial (1771)
Becker (2105) - Müller (1657)

Rick hatte an Brett 1 mit Weiß die Aufgabe den "russischen Bunker" zu sprengen. Er wählte das Abspiel mit 5.Sc3, was meiner Meinung nach auch das Beste ist, um auf Gewinn zu spielen.

Frischmann - Spengler nach 14.f2-f4!

Hier entschied sich sein Gegner für das etwas riskante 14...Sc4?! (Die Alternative 14...Sd7 wäre flexibler gewesen.) was zwar die b-Linie öffnet, aber auch einen Bauern verliert und die schwarze Bauerstruktur am Damenflügel nicht unerheblich schwächt. Nach dem folgerichtigen 15.Dd5 um den Bauer auf c4 einzusammeln unterlief Schwarz ein wahrhaft positioneller Fehler, indem er 15...c5? spielte was nicht nur den Läufer auf e7 in die ewige Sklaverei verdammt, sondern auch Weiß die Oberherrschaft über die weißen Felden c4 und d5 bereitlegte. Hier war ich guter Dinge.

Achim spielte an Brett 2 seine gewohnte Philidor-Verteidigung. Sein Gegner wählte ein ruhiges Abspiel mit 5.g3, welches als nicht überaus aggressiv gilt, aber grundsolide ist. Nach einem frühen weißen Bauernvorstoß im Zentrum wurde ein bisschen Material getauscht, was eher Achim zugutekam. (auch wenn er das selbst wahrscheinlich wieder anders sieht...)

Becker - Wild nach 14.-a7-a6

Freddy kam mit Weiß über eine Zugumstellung (1.Sf3 – welche auch sonst!) in das Fianchetto-System der Königsindischen Verteidigung. Sein Gegner wählte ein Abspiel in dem Weiß nicht nur Raumvorteil erlangte, sondern auch noch prozentual sehr gut punktete. Freddy manövrierte seine
Figuren relativ "einfach und schablonenhaft" umher und stand angenehmer.

Fries - Herrmann nach 15.Dd1-c2

Was sich an Brett 4 zugetragen hat, möchte ich eigentlich nicht erzählen, da es aber zur Vollständigkeit dazugehört werde ich es auch gegen meinen Willen tun.
Alex spielte mit Schwarz eine äußerst zweischneidige Eröffnung 1.d4 c5 2.d5 Sf6 3.Sf3 b5 4.Lg5 Sa6!? In der Folge ergab sich eine wilde Partie mit diversen taktischen Möglichkeiten.

Hell - Gress nach 13.-Tb8xb5

Nach 14.Kg2 ist die weiße Stellung leicht zu bevorzugen. Auf 14...Txb2 folgt 15.Tab1 Tb6 16.Sf5 g6 17.Se7!? Lxe7 18.dxe7 und der Schwarz König bleibt erstmal in der Mitte stecken, da 18...Kxe7 tabu ist wegen 19.Sd5+ mit Damenverlust.

Es folgte jedoch 14.Te1?! wonach 14...Txb2 wiederum gut gewesen wäre aber nach dem Partiezug 14...La6?! und 15.Kg2 war Weiß wieder am Drücker. Mein Eindruck soweit: irgendwo zwischen unklar bis dubious.

An Brett 5 bezog ich selbst Stellung. Dank mangelnder Vorbereitung und gutem Gespürsinn wählte ich in der Eröffnung ein sehr trockenes damenloses Abspiel, was natürlich keinerlei Vorteil versprach dafür aber eine normale Schachpartie.

Weller - Robert nach 8.Ke1xd1

Nachdem wir unsere Figuren ins Spiel brachten, ergab sich ein völlig ruhiges und ausgeglichenes Mittelspiel.

Jan bekam an Brett 6 mit Schwarz zu seinem Geburtstag nach 1.d4 Sf6 2.Sf3 c5 das eher erfolgslose 3.dxc5 aufgetischt. Dies stellte ihn eröffnungsmäßig vor keine Probleme und er konnte schon bald den Takt vorgeben.

Schütz - Grewenig nach 12.a2-a3?

Hier wählte er die Zugfolge 12...Sf4 13.Lxf4 Dxf4 was sich selbstverständlich das Läuferpaar schnappt und auch vorteilhaft für Schwarz ist. Noch stärker wäre 12...e5 gewesen um im Zentrum mehr Raum zu gewinnen. Das Problem lag darin, dass es zuviele gute Optionen gab.

An Brett 7 spielte unser 1. Vorsitzender Jan Bürmann ansehnliches Positions-Schach. Gegen den holländischen Stonewall wählte er ein System mit frühem Sh3-f4, um die schwarzen Löcher insbesondere e5 unter Beschuss zu nehmen. Ein seltsam anmutender Springerausfall nach a6 seines Gegner kam ihm dazu noch gelegen.

Bürmann - Courtial nach 12.Sf4-d3

Jörg spielte an Brett 8 mit Schwarz die Aljechin-Verteidigung was nach 2.Sc3 d5 3.exd5 überging in Skandinavisch mit 2...Sf6. Hier kamen auch die Damen früh vom Brett, dennoch war die weiße Stellung nach gerade mal 11 Zügen aufgabereif, weil ihm ein taktisches Missgeschick unterlief.

Müller - Becker nach 9.-e7-e5

Es folgte 10.Sd4?? Txd4 11.f3 Lxf3∓ (11..Te4 hätte die Partie mit Stil sofort beendet). Auch mit dem Auslassen dieser Möglichkeit dauerte es nicht allzu lange und Jörg konnte als erstes seine Partie erfolgreich gestalten.

1 : 0

Rick sühnt weiter auf Rache für all das Unrecht, was ihm in dieser Saison angetan wurde. Nachdem er am Damenflügel alles festlegen konnte, schickte er seine 3 Königsflügel-Bauern zum Angriff los.

Frischmann - Spengler nach 29.f5-f6

Das diese Stellung kein Happy End mehr für den schwarzen Monarchen genommen hat sollten wir uns denken können.

2 : 0

Als nächstes konnte ich den vollen Punkt einfahren.

Weller - Robert nach 23.Td1-b1

Nachdem mein Gegner in ausgeglichener Stellung ohne jegliche Not seinen a-Bauern mit 23...a5?? voranschickte, konnte ich nicht anders und nahm das Geschenk dankend an. Es folgte 24.b5 Sb8 25.b6+-. Die verbliebenen schwarzen Damenflügel-Bauern konnte ich relativ sachgemäß einsammeln und mein Gegner streckte noch vor der Zeitkontrolle die Waffen.

3 : 0

Leider kam die nächste Partieentscheidung etwas überraschend.

Schütz - Grewenig nach 30.Td1-d5

Jans Gegner ist dafür bekannt, dass er aus hoffnungslosen Verluststellungen noch taktische Feuerwerke heraufbeschwören kann. Statt dem komplizierten 30...e5 was nach 31.Td6 und 31..Se7 immer noch gewonnen hätte, stellte Jan leider mit 31...Lf6 und 32.Sg3 glatt die Dame ein und so hatte sich das Blatt schlagartig gewendet.

Am Einfachsten wäre gewesen reinen Tisch zu machen mit 30...Dxd5! 31.Sg5+ Dxg5 32.fxg5 Lxc3 und die nachfolgende Materialverteilung sollte Schwarz zum Gewinn genügen.

3 : 1

Den Grundstein zur Vorentscheidung konnte dann Jan B. legen. Er konnte seinen Gegner positionell und systematisch überspielen. Die Bauern am Damenflügel schickte er auf die Reise und konnte Druck über die b-Linie entfalten.

Bürmann - Courtial nach 28.Ta1-b1

Genau in diesem Moment sah sich sein Gegner genötigt, das Zentrum zu öffnen mit 28...e5 und somit Abhilfe zu schaffen. Taktisch war dies aber nicht gerechtfertigt und durch den Zwischenzug 29.bxc6! ging dann auch Material flöten. Auf 29...bxc6 tauscht sich alles auf der b-Line ab und am Ende hängt der Bauer e5 durch.

Die Partiefortsetztung 29...e4 war zwar noch ein Versuch alles zu verkomplizieren aber nach 30.cxd7 30.Lxd7 (30...exd3 31.dxe8=S!! dxc2 32.Sxc7 cxb1=D 33. Txb1+-) 31.Sf4+- strich sein Gegner auch bald die Segel.

4 : 1

Freddy konnte unter günstigen Umständen das Zentrum öffnen, wonach er auch schon bald eine Figur gewinnen konnte für nur einen Bauern. Er wurde noch in der Zeitnotphase vor ein paar taktische Probleme gestellt.

Fries - Herrmann nach 27.-Ta8-e8

28.Se4+- hätte alle Probleme beseitigt. Freddy entschied sich dazu die Figur zurückzugeben und ein besseres Endspiel zu spielen. Am Ende hatte er gut Lachen!

Fries - Herrmann nach 47.f4-f5!

5 : 1

Becker - Wild nach 24.Ta1-a5

Achim konnte seine Stellung auch verbessern. Ab und zu gab es eine bessere Fortsetzung wie z.B 24.-bxc4 25.bxc4 und Lxc4!. Es folgte zwar 25...Db4 und er behielt immer noch die Kontrolle über die Partie, jedoch reichte es am Ende nicht um den vollen Punkt einzusacken, da sich zu viel
Material tauschte und fast alles nurnoch an einem Flügel abspielte.

5,5 : 1,5

Den Schlusspunkt setzte Alex. Er befand sich auf sehr dünnem Eis. Zwischendrin war die Partie mal haushoch verloren, dann opferte er eine Qualität, danach gab es eine Reihe an Schachgeboten und am Ende sollte man sich eigentlich friedlich auf remis einigen...

Hell - Gress nach 65.Th7-g7+

Wie gesagt sollte...
Es folgte 65...Kh1?? und er ließ sich "patt" setzen mit dem König. 65...Kf1-f2-f3 hätten alle 3 remis gehalten. Dies gab Weiß natürlich alle Zeit der Welt und es ergab sich folgende Schlussstellung:

Hell - Gress nach 78.-Ld4

Statt nun 78.Tg8 oder 78.Tg4 zu spielen und dann mit dem König nach h3 zu laufen um den Bauern h2 zu gewinnen einigte man sich hier auf remis.

Endstand 6 : 2

Fazit:
Ein durchaus gerechtes Ergebnis und 2 weitere Mannschaftspunkte. Noch sind nicht alle Hoffnungen für den Aufstieg begraben, jedoch halten sich diese auch in Grenzen. Wir spielen einfach frei auf weiter. Landau und Worms geben sich keine Blöße und punkten auch fleißig weiter.
Der prophezeite Dreikampf um die Meisterschaft hat sich bewahrheitet und Worms kann im nächsten Spiel gegen Landau alles klar machen oder auch nicht 😉

Unser nächstes Heimspiel findet am 24.03.2019 gegen Gau-Algesheim statt. Fans und Freunde sind natürlich herzlich Willkommen.

Bericht von Manuel Weller

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