(8) Caissa I – SF Neuberg 4,5-3,5

Das war Wahnsinn! Der spannendste Mannschaftskampf, an den ich mich erinnern kann!
Und wenn am Ende das Glück auf der eigenen Seite ist, bleibt ein echtes Erlebnis in Erinnerung.

Den wechselhaften Verlauf kann ich nicht wirklich gebührend wiedergeben, obwohl ich selbst früh fertig war, und fast 4 Stunden lang an der „Seitenlinie“ rumgehampelt bin.
Erst sah es sehr gut aus, dann eher schlecht, irgendwann völlig unklar, dann richtig übel, bis sich zum Schluss doch noch alles zu unseren Gunsten gedreht hat.
Gefühlt wars ganz einfach Dramatik in Reinform!

Erwähnen muss ich auch, dass Neuberg ein absolut ebenbürtiger Gegner war, und dass es genauso gut hätte anders herum enden können, aber am Ende war das Glück auf unserer Seite.

An den Brettern lief folgendes ab:

(Ich breche hier mal mit meiner üblichen Chronologie der Brettreihenfolge, und versuche den Spielverlauf einigermaßen wiederzugeben. Die Partien habe ich noch nicht, also auch keine fundierten Bewertungen, sondern nur meine persönlichen Eindrücke.)

Ich konnte nach knapp über 2 Stunden und 26 Zügen den Führungstreffer für uns schießen.
Ich spielte an Brett 4 mit Weiß gegen FM Thorsten Overbeck, und hatte diesmal mit der Vorbereitung einen Treffer gelandet. Meine Variante kam aufs Brett, und die möglichen Stellungsbilder hatte ich mir gut angeschaut. Zwar hatte ich nicht exakt das Abspiel in der Partie vorbereitet, aber ich kannte die Muster und konnte mich orientieren. Mir war bewusst, dass sich in vergleichbaren Positionen Figurenopfer anbieten, also habe ich mich nach etwas Rechnen dazu durchgerungen. Die kritische Stelle war wohl der Übergang 2 Züge vor dem Opfer. Da verteidigte mein Gegner nicht korrekt, und im höheren Sinne war es dann auch schon vorbei. Der schwarze König musste zum Damenflügel wandern, ohne jedoch ein sicheres Plätzchen zu finden, und am Ende blieben mir Mehrfigur und Gewinnstellung. So könnte es jeden Sonntag laufen:)

Als nächstes endete - wenn ich mich richtig erinnere - Brett 5, wo Freddy mit Schwarz gegen FM Ahmad Wahedi spielte. Freddy spielte gewohnt solide, und erreichte mit Schwarz bald Ausgleich, und nach einer Ungenauigkeit von Weiß sogar Vorteil. Wie groß dieser war kann ich nicht genau sagen, aber laut Freddy selbst war seine Stellung gewinnträchtig.
Allerdings versäumte er in der Folge die beste Fortsetzung, und am Schluss blieb ihm nur ein Mehrbauer bei ungleichfarbigen Läufern, was nicht mehr zu gewinnen war.
Da aber unsere anderen Bretter passabel bis gut standen, war das ein vielversprechender Start.

Leider sank die Stimmung schnell wieder, denn Andre befand sich gegen FM Christopher Seifert auf der Verliererstraße. Das kam überraschend und unangenhem, denn die Eröffnungsphase lief eher zu seinen Gunsten. Er hatte in einer unorthodoxen Partie mit Schwarz gut manövriert, und wohl schon etwas mehr als Ausgleich erzielt. Laut Andre hätte er bei korrektem Spiel einen kleinen langfristigen Vorteil gehabt, wollte aber mehr, und handelte sich dabei eine Verluststellung ein.
Danach konnte er mit einer Qualität weniger die Partie nicht mehr halten, also 1,5-1,5.

Kurze Zeit später endeten die Bretter 2 und 7:

Ronny hatte mit Weiß die deutsche Nationalspielerin WGM Melanie Ohme als Gegnerin, und seine Partieanlage sah für mich gut aus. Er hatte einigen Raum-und Aktivitätsvorteil, wobei aber noch Nichts Entscheidendes passiert war. Nach einem ungenauen Bauernzug von Schwarz wurde Ronnys Vorteil jedoch greifbar, und mittels eines starken Freibauern auf der d-Linie, welcher – mittlerweile auf der sechsten Reihe angelangt – unangenehm in die schwarze Stellung schnitt, wurden die weißen Drohungen zu stark, und das Matt war nicht mehr abwendbar.
Schöne Leistung!

Leider musste kurz darauf Achim die Waffen strecken: Gegen Christian Künstler hatte er mit Schwarz eine Blockade-Stellung im Zentrum errichtet. Weiß konnte sich dabei an Raumvorteil und aktiven Schwerfiguren erfreuen, allerdings war sein weißfeldriger Läufer sehr passiv, so dass die schwarze Stellung völlig intakt wirkte. Von außen hatte ich jedoch den Eindruck, dass es für Schwarz schwieriger war, Pläne zu finden, und in aufkeimender Zeitnot vergriff Achim sich und lief in eine Springergabel, welche die Partie sofort entschied.

Also 2,5-2,5.

Die letzten 3 Partien mussten die Entscheidung bringen, und viel dramatischer geht es echt nicht:

Rick stand an Brett 1 gegen IM Nikolas Lubbe bedenklich: Nach gelungenem Eröffnungsverlauf hatte er 2 Mehrbauern, die eigentlich zum Gewinn ausreichen sollten. Allerdings leistete er sich einen fehlerhaften Damenzug, nach dem er fast unter die Räder gekommen wäre. Nikolas gewann einen Bauern zurück und erhielt starken Angriff. Mit Turm, Dame und Läufer hatte er eine Batterie gegen den schwarzen König errichtet, und Rick konnte mit einem passiven Springer und seinem verbliebenen Mehrbauern die Verteidigung gerade so zusammenhalten. Ich muss zugeben, dass wir außen dachten, der Angriff würde durchschlagen.

An 6 gab es ebenfalls ein Wechselbad der Gefühle:
Jan kam mit Weiß gegen FM Dr. Klaus-Jürgen Lutz gut in die Partie, und ich hatte früh Hoffnung auf einen vollen Punkt. Allerdings verlor Jan in der Folge immer mehr den Faden, und stand irgendwann auf Verlust, zumindest sah es für mich so aus. Aber bei der Abwicklung ins Endspiel ging bei Schwarz irgendwas schief, und trotz einem Minusbauern hatte Jan mit verbleibendem Turm und Springer (gegen Turm, Läufer) auf einmal starke Drohungen gegen den König. Mattnetze zeichneten sich ab, und wir glaubten hier wieder an einen Sieg.

Kaum zu beurteilen war die Stellung an Brett 8: Unser Top-Scorer Manuel hatte gegen Hendrik Schaffer 2 Leichtfiguren für Turm und Bauer, was materiell meistens ok ist. Allerdings stand sein König fürchterlich lose und ungeschützt, obwohl die verbliebenen 3 gegnerischen Schwerfiguren im Momnet keinen Zugriff hatten. Zudem standen sämtliche von Manuels Figuren sehr aktiv, und wirkten zusammen.
Hier wusste von außen keiner so wirklich, wie das einzuschätzen war.

Die erste der 3 Partien, die endete, war Brett 6: Jan konnte keinen Gewinn finden (ich weiß nicht, ob es einen gab), und wickelte ins Remis ab. Da am Schluss sowieso nicht mehr drin war, die richtige Entscheidung!

Also 3:3.

Wir hatten zwar zwischenzeitlich auf mehr spekuliert, aber da Rick sich langsam befreite, sah es noch ganz manierlich aus.
Dann allerdings die Hiobsbotschaft:
Manuel reagierte nach ein paar kreativen Bauernzügen seines Gegners schlecht, und stellte die komplette Partie ein! Die Position war mit einem mal völlig hoffnunglos, denn Manuel hatte bei Turm, Dame gg Turm, Dame jetzt einfach 2 Minusbauern, und sein Gegner schickte sich an, gleich zur zweiten und nach Belieben dritten Dame umzuwandeln.

Also blieb noch die Hoffnung, dass Rick vielleicht doch noch den vollen Punkt holt, und er kam langsam auf den Weg: nachdem er den Damentausch erzwingen konnte erreichte er ein Endspiel mit Mehrbauern, das Gewinnchancen bot. Gefühlt war es wohl eher noch in der Remisbreite, aber die Chancen lagen ausschließlich bei Schwarz. Und während Rick immer weitere Fortschritte erzielte, ereignete sich unser kleines Schachwunder:
Manuels Gegner übersah auf dem Weg zur Umwandlung ein einfaches Dauerschach!
So schlimm das für den Gegner ist, konnten wir kaum anders als vor der Tür in Euphorie auszubrechen: denn Rick hatte mittlerweile eine glasklare Gewinnstellung!
Der Rest war banges Warten, bis endlich der Punkt eingetütet war.

Mit Abstand der emotionalste Mannschaftskampf, bei dem ich anwesend war!

Großen Respekt an die Neuberger Mannschaft, die nach der bitteren Niederlage noch freundliche Worte für uns übrig hatten!

Kommentare sind deaktiviert