Erste Mannschaft startet mit einem Unentschieden gegen Landau in die neue Saison

Bericht von Achim Wild

Nachdem wir in der zweiten Bundesliga letzte Saison einiges einstecken mussten, galt es in der ersten Runde ordentlich in die neue Saison zu starten. Unsere ganze Mannschaft hat dabei echte Nehmer-Qualitäten bewiesen, für die ich dem Team nochmals ein ganz besonderes Kompliment aussprechen will. Gute Erinnerungen habe ich diesbezüglich an die Rückfahrt nach der schmerzhaften 0 : 8 Auswärtsniederlage gegen Eppingen. Ziel ist es uns der Herausforderung 2. BL so bald wie möglich wieder zu stellen – sprich den direkten Wiederaufstieg zu schaffen. Wir freuen uns mit dem Saarlandmeister Cedric Holle und Nils Czybik – getreu der bisherigen Transfer- und Vereinspolitik – zwei junge, ambitionierte Spieler in unserem Team zu begrüßen, die für zusätzliche Breite im Kader sorgen werden.

Auf der anderen Seite will Manuel Weller schachlich etwas kürzer treten, was wir respektieren und ihm für seine Verdienste, Kampfgeist und gute Stimmung danken, die er in das Team eingebracht hat.

Direkt in der ersten Runde ging es also gegen Landau, einem der Mitfavoriten, gegen die wir das direkte Aufstiegsduell in der Saison 2014/2015 denkbar knapp mit 3,5 : 4,5 verloren haben (4 : 4 hätte damals gelangt).

Unsere Gegner starteten ohne Stephan Becking (gute Besserung!), Bärwinkel und Muranyi. Wir – aufgrund eines persönlichen Malheurs, was eine pünktliche Anreise verhinderte – ohne mich. Ein schlechter Start fürs Team und natürlich auch für meinen Gegner, ehemaliger Deutscher Meister Rolf Bernhardt: Entschuldigung dafür.

Trotzdem gab unser Elo-Vorsprung in den meisten Partien Grund zur Hoffnung auf einen oder zwei Mannschaftspunkte:

1. Lang, Torsten (2327) - Frischmann, Rick (2333)
2. Henning (2301) - Fries, Frederik (2297)
3. Bernhardt, Rolf (2247) - Wild, Achim (2275)
4. Vogel, Johannes (2124) - Mueller, Reinhold (2263)
5. Lang, Matthias (2158) - Holle, Cedric (2096)
6. Silber, Gerhard (2219) - Oberhofer, Andre (2280)
7. Möldner, Jürgen (2202) - Tabatt, Hendrik (2318)
8. Köhler, Patrick (2096) - Grewenig, Jan (2089)

Brett 1: Lang, Torsten (2327) - Frischmann,Rick (2333)

Rick hat in letzter Zeit seine Form stabilisiert und wird bald 2350 ELO überschreiten. Gerade mit Weiß konnte man vor der Partie optimistisch sein. Allerdings geriet Rick in eine tricky Caro-Pirc Variante, die im erstem Moment fragwürdig aussieht aber ein gefährliches Bauernopfer beinhaltet, inder aber vor kurzem Top-Talent Jeffrey Xiong ziemlich unter die Räder kam. Clevere Vorbereitung von Lang!

Lang - Frischmann, nach 6...Se4

Nach den beiderseits logischsten Zügen kommt es zur ersten kritischen Stellung, in der Weiß nach Aussage von Shabalov nach seiner Partie einen präzisen Zug finden (besser kennen!) muss.

Stellung nach 15.Tc1!

15.Tc1! ist der einzige Zug mit dem Weiß auf Vorteil spielen kann. Kritisch ist nach Shabalov bzw. Engine 15…Sxd4! (15…Sxe5 16.Ld2! gewinnt nach 16…Db6 17.dxe5 Dd4! 18.f3 Lf5! keine Figur, behält aber nach 19.Db3 Lxe4 20.Lxf7 Kh7 21. Le3! etwas Vorteil), nach den forcierten Zügen 16.Lxe4 Lxe5 17.Df3 Lxd4 18.Dxf7 Kh8 19.Dxg6 lichtet sich das Dunkel und der weiße König sollte bei unklarer Stellung und besserer Struktur vielleicht etwas sicherer stehen (19…Db6!?).

Stellung nach 19.Dxg6

Rick wählte mit 15.Df3?! den zweitschlechtesten natürlichen Zug nach 15.f4? und entging so vielleicht einer größeren Katastrophe – fragen Sie Xiong, (2674) der weiter der verlockendsten Variante folgte. Vorbereitung bis 21…Db6!
Shabalov „I can’t take credit for Komodo’s first line… Old people don’t usually remember long lines but that was a long line I remember… I’m happy, but basically I didn’t play today.“

Xiong - Shabalov nach 21...Db6!

Brett 2: Silber, Henning (2301) - Fries, Frederik (2297)

Freddy hatte im Alapin mit Schwarz überhaupt keine Probleme, nach 10.d4?! entsteht forciert ein Endspiel, das für Schwarz schon ein bisschen angenehmer ist.

Silber - Fries nach 10.d4?!

Brett 4: Vogel, Johannes (2124) - Müller, Reinhold (2263)

Ronny bekam seinen Lieblings-Stellungstyp in einer bekannten Benoni Mainline, in dem er mit 16…Dxc4 statt Taxc8 sehr ambitioniert spielte.

Vogel - Müller nach 16...Dxc4

Auch hier war es falsch von Weiß mit Dg4 ins Endspiel gehen zu wollen, denn nach 20…Ta(f)d8! übernahm Schwarz die Initiative.

Vogel - Müller nach 20...Tad8!

Brett 5: Holle, Cedric (2096) - Lang Matthias (2158)

Cedric zeigte in einer durch den Sd5 optisch gut aussehenden Sveshnikov-Stellung mit 15.h4!? wie ambitioniert er in seiner ersten Partie für uns war. Die Stellung aber wohl ausgeglichen.

Holle - Lang nach 15.h4!?

Brett 6: Silber, Gerhard (2219) - Oberhofer, Andre (2280)

Andre stand nach experimenteller Eröffnungsbehandlung seines Gegners (6.f3!? und 9.Kf2?!) aussichtsreich...

Silber - Oberhofer nach 9.Kf2?!

...und öffnete in der Folge mit 11…e5 und 13…c5 äußerst konsequent die Stellung.

Silber - Oberhofer nach 13...c5

Brett 7: Tabatt, Hendrik (2318) - Möldner, Jürgen (2202)

Hendrik, insbesondere mit Weiß großer Favorit, spielte, wie es viele Schwarzenbacher gerne tun, eine klassische Maroczy Struktur. Dabei wählte er mit 6.Sc2 auch die prinzipiellste aller Varianten.

Tabatt - Möldner nach 6.Sc2

Weiß hat Raumvorteil, also alle Figuren auf dem Brett behalten!

Wichtig: im Igel gilt das hingegen nicht (Figuren=Angriffspotential).

Schwarz spielte in der Folge nicht die kritischsten Züge, wonach Hendrik einen kleinen, aber stabilen Eröffnungsvorteil festhielt. 8…Sd7 (statt dem Partiezug 8...0-0) nutzt die minimale weiße Disharmonie sofort aus und erzwingt Bd2.

Stellung nach 8...Sd7

Danach kann sich Schwarz mit a5/Sc5 gefolgt von Le6 und …f5 aufbauen.

Stellung nach ...f5

Brett 8: Köhler, Patrick (2096) - Grewenig, Jan (2089)

Auch Jans Gegner zeigte sich gut vorbereitet und manövrierte Jan in eine „positionelle“ Wolga-Variante, wich aber nach 10...Db4!? („Dame rein, Dame wieder raus“) mit 12.Ta3 von bekannten Pfaden ab. Wichtigster Hebel in dieser Variante ist e6.
Jan verzichtete erstmal darauf, sondern ließ sich zu weiteren Verrenkungen hinleiten um den weißen Aufbau auf noch komplexere Art und Weise in Frag zu stellen: „Dame (wieder) rein, Dame wieder raus“.

Köhler - Grewenig nach 14...Lh6

Äußerst riskant, da die Dame in "trouble" gerät und der Läufer auf h6 in der Luft hängt.

Köhler - Grewenig nach 15...Lb5

Köhler - Grewenig nach 17...c4

18.Sa2! Dc5 19.Sxc4! Lxc1 20.Sb6 hätte ganz schön genervt. Der Gegner griff allerdings zum natürlichen Hebel 18.e5, wonach sich Jan inkl. Übergang ins Endspiel perfekt verteidigte. Spitzname im Jugendtraining: „The Engine“.

Stellung nach 20.Sb6

+++++++ 2 : 0 +++++++

Brett 6: Silber, Gerhard (2219) - Oberhofer, Andre (2280)

Andres Gegner geriet in schwieriger Stellung mit seiner Dame auf Abwege (Qb1-b2, c1 wäre ein besseres Feld gewesen), was den schwarzen Königsangriff deutlich erleichterte.

Silber - Oberhofer nach 17.Db2

Andre machte da weiter wo er aufgehört hatte und spielte jeden Hebel, den die Stellung hergab. In der späteren Analyse fand er auch recht schnell den geduldigen „Gewinnzug“ 22…Kh8!!, wonach Weiß nicht mehr zu retten ist. Auch die Partiefortsetzung reicht nach 24.Dxc4? vollkommen aus.

Silber - Oberhofer nach 20...f5

Leider machte Andre dann auch da weiter wo er letzte Saison aufgehört hatte und spielte die Gewinnkombination falsch. 26…Dg4+ gefolgt von Tf2+ hätte gewonnen. Mit dem König auf d1 entfällt das Txc2-Motiv (kein Schach). Von diesem Schock konnte sich Andre in der Folge verständlicherweise nicht erholen und verlor gar noch. Das tut weh. 2 : 0 für den Gegner.

Silber - Oberhofer nach 26...Tf2+?

Brett 1: Lang, Thorsten (2327) - Frischmann, Rick (2333)

Beide – Rick und sein Gegner – übersahen oder unterschätzten das starke Qualitätsopfer 17…Txd4! nach 17.g4.

Stellung nach 17...Txd4!

Katastrophe abgewendet! Nach dem natürlichen 17...Sxd4 und einigen natürlichen Zügen entstand eine äußerst unklare Stellung. Rick schaffte es nach und nach sich zu koordinieren und Druck auf die schwarze Stellung auszuüben. Statt des pseudo-aktiven 26…Ld4? konnte in der Analyse nach 26…Le5! kein weißer Vorteil gefunden werden. Beide Könige sind gleich schwach und der Sh5 hängt in vielen Varianten in der Luft rum.

Frischmann - Lang nach 26...Ld4

Nach 27.Tf4 (vielleicht von Lang übersehen) entschied sich Schwarz die Dame zu opfern, statt mit Lf6 eine sehr sehr unangenehme Stellung zu verteidigen. Die Stellung war insbesondere nach Turmtausch wohl nicht mehr zu verteidigen. Rick ging mit technischer Präzision dem vollen Punkt entgegen.

Frischmann - Lang nach 35.Ke1

+++++++ 2,5 : 0,5 +++++++

Brett 2: Silber, Henning (2301) - Fries, Frederik (2297)

Freddy kam mit immer knapper werdender Zeit irgendwie vom rechten Pfad ab seine Stellung zu verstärken. Angefangen mit 25…g5 hatte er Probleme den Laden zusammen zu halten.

Silber - Fries nach 25...g5

Nach 28…h6 hätte ihn 29.f3! vor große Probleme gestellt.

Stellung nach 29.f3!

Der Gegner steuerte jedoch stattdessen mit Td1 und Turmtausch den Remishafen an. Glück gehabt.

+++++++ 2,5 : 1,5 +++++++

Brett 7: Tabatt, Hendrik (2318) - Möldner, Jürgen (2202)

Hendriks Gegner bereitete zunächst u. a. mit 12…a6 den thematischen Hebel vor, traute sich aber nie.

Tabatt - Möldner nach 19.b4

Nach 18…Dc7 verwarf Hendrik den „Nobrainer“ 19.a4, aus Angst Schwarz könnte mit a5 der Stellung die Dynamik nehmen. Too much Brain! Ohne Hebel sollte es vereinfacht ausgedrückt „Spiel auf ein Tor“ ergeben.
Nach 19.b4 und 20.De3 verpasste Schwarz jeweils ..b5 und entschied sich stattdessen für den Hebel a5. In der Folge nutze Hendrik die Schwächen souverän aus und zeigte auch in der Schlusskombination seine Klasse.

Die Engine behauptet Schwarz würde nach 28…Lxc6 29.dxc6 d5 noch leben, halte ich aber für fragwürdig.

Stellung nach 29...d5

Hendriks Gegner allerdings wählte 28...dxc5, wonach die Partie mit 29.Db3 ein rasches Ende nahm. So oder So der zu erwartende Anschlusstreffer!

Tabatt - Möldner nach 29.Db3

+++++++ 3,5: 1,5 +++++++

Brett 5: Holle, Cedric (2096) - Lang, Matthias (2158)

Cedric gab „auf der f-Linie Gas und schickte den Bauern nach f5“ (schöne Formulierung aus dem Landauer Bericht). Wir waren uns allerdings alle einig, dass Cedric besser zunächst mit 27.e5! +/- und dann mit 28.f5! Gas gegeben hätte.

Stellung nach 28.f5!

Stopft das Feld e5, über das sich Schwarz später stabilisierte, wonach dem weißen Angriff nichts mehr im Wege gestanden hätte.

Mit 31.f6 und dem verlockenden 32.g4 geriet der schwarze König zunehmend in Sicherheit und Cedric ins Hintertreffen.
Mit wenigen Sekunden auf der Uhr spielte er mit 33.g5 den Verlustzug, 33.gxh5 (kein Angriff auf der g-Linie wegen Df5+) hätte das Gleichgewicht gehalten.

Stellung nach 33.gxh5

Interessant, dass nach 30…Le8 das natürliche fxg6 nicht gewonnen, sondern nach hinten losgegangen wäre. 31...Ld7!! und die f-Linie öffnet sich zur Gunst des Schwarzen – LOL.

Stellung nach 31...Ld7!!

So leider 3,5 : 1,5 für den Gegner. Schade um Cedrics Debüt und Kopf hoch!

Mit einer aussichtsreichen Stellung bei Jan, sowie technischen Gewinnstellungen bei Rick und Ronny war zunächst immer noch alles drin.

+++++++ 4 : 2 +++++++

Brett 8: Köhler, Patrick (2096) - Grewenig, Jan (2089)

Jan zeigte seine Klasse indem er keine Angst vorm weißen a-Bauern zeigte, sondern mit präzisen dynamischen Zügen Druck ausübte. In komplizierter Stellung und mit wenig Zeit auf der Uhr verpasste er 33…Kh6!, wonach Weiß die guten Züge ausgegangen wären.

Stellung nach 33...Kh6!

Mit 33…Tb3 landete er stattdessen im Remishafen. 2 Mannschaftpunkte waren also rechnerisch ausgeschlossen.

Brett 4: Vogel, Johannes (2124) - Müller, Reinhold (2263)

Ronny spielte trotz körperlichen Handicaps besser als je zuvor und ließ sich von den scheinbar aktiven weißen Figuren nicht einschüchtern.

Vogel - Müller nach 31. Tb7

Ronny leistete sich menschlich nur noch einen Lapsus indem er mit 35...Lg5 statt Lc7 Gegenspiel zuließ.

Vogel - Müller nach 34...Tc4. Es folgte 35.Tb1 Lg5.

Mein Gegner suchte derweil Zerstreuung an Ronnys Brett.

Theoretisch leistete er sich noch einen weiteren, der aber schön und studienartig gewesen wäre.

Vogel - Müller nach 51...Lf6

52.g5! Lxg5 53.Se6 Tc6 (53...Tc8 54.Th2!! outta nowhere) 54. Sd4 Td6 Txc4 mit Remischancen. Da machen wir Ronny jetzt mal keinen Vorwurf, gerade wenn man selbst überhaupt nicht antritt.

In der Folge verwerten Ronny und Rick ihre Stellungen und ein eventuell sogar eher unglückliches 4 : 4 stand als Endergebnis fest.

Trotz aller Widrigkeiten ein besserer Start in die Oberliga-Saison als vor 2 Jahren, sowie ein besseres Ergebnis gegen den direkten Aufstiegskonkurrenten in der finalen Runde vor 3 Jahren.

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