Hoher Heimsieg der ersten Mannschaft gegen die SG Trier

Nach unserem Unentschieden zu Saisonbeginn, war das offensichtliche Ziel beim ersten Heimspiel der Saison zwei volle Mannschaftspunkte einzufahren. Wir hatten die erste Mannschaft der SG Trier zu Gast und waren wie zu erwarten klarer Rating-Favorit. Unsere Gegner hatten allerdings schon am ersten Spieltag gegen Worms gewonnen, wonach wir ein wenig gewarnt waren. Erfreulicherweise konnten wir erstmals in unserer neuen „Stammbesetzung“ antreten. Unser zweiter Neuzugang Nils hatten seine Klausuren überstanden und wir freuten uns, dass er nun auch sein Debüt für uns gab.

Die Paarungen waren wie folgt:

  1. Frischmann (2343) – Barzen (2253)
  2. Fries (2301) – Dany (2129)
  3. Wild (2233) – Carafizi (2170)
  4. Czybik (2169) – Hein (1927)
  5. Holle (2088) – Magar (2097)
  6. Oberhofer (2268) – Reichert (1740)
  7. Tabatt (2325) – Rauch (1806)
  8. Grewenig (2089) – Roj (1936)

Ich hatte am ersten Brett Schwarz und zeigte mich in einer Spanisch Breyer Variante sehr gut vorbereitet. Als mein Gegner nach erstem längerem Nachdenken von meiner Analyse abwich, stand ich schon klar besser, aber spielte nicht sehr konsequent.

Barzen – Frischmann nach 16.Lh4

Die Engine ist wie immer kaltblütig und pusht einfach 16.-g5!. Nach dem erzwungenen 17.Lg3 Lxg3 18.fxg3 Db6! 19.Kh2 Se5 steht Schwarz schon riesig. Ich wählte eine andere Variante, übersah dabei allerdings eine starke Möglichkeit meines Gegners, wonach ich etwas bedenklich stand.

Freddy spielte am 2. Brett mit Weiß wieder klassisch friesisch herb und hatte immerhin den gegnerischen Isolani als Angriffsziel. Es war nicht sonderlich viel los, aber die Stellung ist quasi unverlierbar für Weiß.

Achim hatte „Jobavas Spezialvariante“ auf dem Brett – 1.d4 Sf6 2.Lf4 d5 3.Sc3. Wenn sich schon ein gewisser Magnus Carlsen zu dieser Variante durchringt, sollte man sie definitiv ernst nehmen mit Schwarz. Achim kannte sich vermutlich aus, aber sein Gegner brachte bereits im 8. Zug eine Neuerung. Nachahmer wird der Zug aber wohl eher nicht finden.

Carafizi – Wild nach 8.a3N

Achim antwortete natürlich mit 8.-Lxc3+ und nach 9.bxc3 spielte er direkt 9.-Se4. Wie sich später herausstellte, musste der Springer nach weißem f2-f3 wieder den Rückzug antreten. Genauer gewesen wäre 8.-Da5!?

Stellung nach 8.-Da5!?

Nun muss Weiß wieder mit 9.Se2 spielen (9.Dd3 e5! mit der Idee Lf5) und hat nach 9.-0-0 deutliche Probleme seine Entwicklung abzuschließen. Vermutlich muss Weiß nun trotzdem mit f2-f3 spielen um Dd2 vorzubereiten. Das kostet alles eine Menge Zeit und gefühlsmäßig muss Schwarz schon ziemlich gut stehen. Nach Achims Fortsetzung stand er in einem damenlosen Mittelspiel etwas schlechter. Strukturell wäre allerdings alles in Ordnung gewesen, wenn er seine Figuren entknoten kann.

Nils wählte am 4. Brett einen Fianchetto-Aufbau gegen Königsindisch. Früh entstand eine interessante Stellung, nachdem sein Gegner mit 10.-Se4!? von der Hauptvariante (10.-Sxc6) abwich.

Czybik – Hein nach 10.-Se4!?

Nils konterte prompt und richtig mit 11.c7!, wonach Schwarz selbst in die Defensive gedrängt wird. Folglich erhielt Weiß sehr aktive Läufer und Druck gegen den schwachen schwarzen d6-Bauern. Hier sah es früh schon sehr gut für uns aus.

Cedric hatte am 5. Brett den einzigen Gegner, der einige Elo-Pünktchen besser war als er. Nichtsdestotrotz kam er gegen einen königsindischen Angriff schon sehr angenehm aus der Eröffnung. Die Partie befand sich lange Zeit im dynamischen Gleichgewicht, bis sich sein Gegner zu einer leicht fragwürdigen Entscheidung durchrang.

Magar – Holle nach 26.-Tdc7

Weiß wählte hier 27.Lxe6?. Gefühlsmäßig müsste der weißfeldrige Läufer ohne Gegenpart nun die Partie dominieren.

Andre war an Brett 6 sehr deutlicher Elo-Favorit. Nach zuletzt 9 Niederlagen in Folge sollte die Bilanz an diesem Tag sicherlich nicht zweistellig werden. Andre entschied sich für ein verzögertes Morra-Gambit, welches der Gegner natürlich mit d4-d3 ablehnte. Es entstand eine für diese Variante typische Maroczy-Struktur, in der sich Schwarz dafür entschied seinen Sd4 mit dem Bauernvorstoß e7-e5 zu unterstützen.

Oberhofer – Reichert nach 14.-e5?!

Das sollte als positioneller Fehler betrachtet werden, da Weiß früher oder später den Sd4 durch Se2 tauschen kann und anschließend freie Bahn auf die Schwäche d6 hat.

Hendrik musste am 7. Brett gegen Londoner System ran und die Stellung war wie zu erwarten – gähn – sehr zum Einschlafen. Objektiv steht Schwarz immer leicht besser, aber das würde eine lange "Knetarbeit" werden. Trotzdem war ich optimistisch, dass Hendrik die Stellung bei seiner Spielstärke gewinnen würde.

Jan wurde am 8. Brett zu Schottisch eingeladen und nahm natürlich dankend an. Seine Gegnerin wählte eine Variante, die ich vor einigen Wochen auch schon in Luxemburg aufs Brett bekam.

Grewenig – Roj nach 6.-Df6

Man kann diesen Zug schon als leichte Ungenauigkeit betrachten, da die Dame auf f6 dort meistens sehr ungünstig steht. Sie bietet oft eine Angriffsfläche und blockiert zudem schwarzes Gegenspiel mittels f7-f5. Jan spielte recht natürlich weiter und stand schnell ziemlich gut. Allerdings hatte er wieder extrem viel Zeit für die Eröffnung verbraucht – wertvolle Zeit, die ihm später fehlen könnte.

Die erste Partie beendete Andre. Nachdem er bei seinem Gegner immer mehr Schwächen produziert hatte, ging dieser recht schnell daran zugrunde. Eine schöne positionelle Partie von Andre – aber auch ein klarer Pflichtsieg. Nichtsdestotrotz hoffen wir, dass für Andre nun eine neue Serie beginnt – natürlich mit Einsen statt Nullen.

1 : 0

Wenn ich mich recht entsinne, gewann danach auch Freddy seine Partie. Nach dem Damentausch erreichte er durch ein interessantes Manöver (Sg3-f5-h4-f3) einen leichten Vorteil und stellte den Gegner vor unerwartete Probleme. An einer Stelle übersah er allerdings eine gute Möglichkeit.

Fries – Dany nach 27.-Lxa5

Freddy hatte gerade mit 27.a5! einen Bauern geopfert und entschied sich hier für 28.b4. Bei korrektem Spiel hätte sich Schwarz aber halten können. Besser wäre direktes 28.Tdb1! gewesen, was auch den a-Bauern zurückgewinnt, aber natürlich den eigenen b-Bauern behält. Freddys Fortsetzung hingegen versprach zumindest kurzfristige Initiative und enthielt zudem eine Falle.

Fries – Dany nach 31.Lxc5

Turm oder Bauer? Hier wurde Freddys Gegner vermutlich ein wenig optimistisch und spielte 31.-bxc5?, was sofort verliert. Nach dem korrekten 31.-Txc5 32.Tb8 b5 33.Sd4 gewinnt Weiß den Bauern wieder zurück, muss im Endspiel aber vermutlich noch ordentlich kneten um diese Stellung zum Sieg zu führen.

Fries – Dany nach 31.-bxc5

Und nun?

Sollte Weiß hier keine Pointe aufzeigen, könnte Schwarz mit dem gefährlichen c-Bauern eventuell schon etwas besser stehen. Aber Freddy hatte natürlich zuvor schon berechnet, dass er nach dem korrekten 32.Tb1! den Läufer auf c8 gewinnen würde. Nach 32.-Lxh3 33.Tbb8 gab sein Gegner auf. Gute Partie von Freddy und 2 : 0!

Anschließend gewann Jan seine Partie, die ein durchaus merkwürdiges Ende nahm. Jan erspielte sich stark eine Gewinnstellung, doch befand sich wieder in erheblicher Zeitnot. Mit seinem letzten Zug warf er den kompletten Vorteil wieder weg, doch seine Gegnerin gab ab.

Grewenig – Roj nach 23.-Sf5

An dieser Stelle gibt es eine Reihe von Gewinnzügen für Weiß. Jan verwarf das offensichtliche 24.Se4 wegen 24.-Te6 und spielte stattdessen 24.Se6??. Überraschenderweise übersahen beide Spieler hier das simple 24.-Te8, wonach die Engine laut 0.00 schreit. In der Tat muss Weiß hier schon aufpassen, um nicht in eine schlechtere Stellung zu geraten. Spielerisch sicherlich ein verdienter Punkt für Jan, aber das Ende wird ihm nicht gefallen. Sei’s drum – 3 : 0.

Den nächsten vollen Punkt fuhr Nils ein. Nachdem er schon in der Eröffnung eine sehr gute Stellung bekommen hatte, ließ er nichts mehr anbrennen und holte souverän seinen ersten Sieg für Schwarzenbach – super Leistung Nils, bitte weiter so!

4 : 0

Hendrik versuchte sich zunächst strukturelle Vorteile zu erarbeiten und hatte dann den weißen König als Angriffsziel ausgemacht, als dieser sich auf g3 befand. Als er die zähe Verteidigung seines Gegners schließlich für einen Zug gebrochen hatte, war Hendrik leider in arger Zeitnot.

Rauch – Tabatt nach 38.Dg3

An dieser Stelle gewann 38.-Dh1! mit der Mattdrohung Dh5 und Druck auf g2. Auf 39.Dh3 folgt nun 39.-Dc1! mit erneuter Mattdrohung und Angriff auf den c4-Bauern. Die beste weiße Verteidigung wäre 39.Dxe5 Dxg2+ 40.Dg3 f5+ 41.Kh4 Dh1+ 42.Dh3 De1+ 43.Kg5 De3+ 44.Kxg6 Dg1+ 45.Kh5 Tf6! mit tödlichem Angriff.

Stellung nach 45.-Tf6!

Nach Hendriks natürlicher Fortsetzung 38.-f5+ war leider nichts mehr für ihn drin. Insgesamt schade, aber das Remis kann man aufgrund der guten Verteidigung des Gegners und der einzigen nicht sehr trivialen Gewinnmöglichkeit durchgehen lassen.

Somit war immerhin schon der Mannschaftskampf gewonnen. Ich erhöhte anschließend auf 5,5 : 0,5.

Ich verteidigte mich auf eine recht interessante Weise, indem ich einen Springer mitten in eine Fesselung stellte. Dem Computer gefällt diese Idee natürlich nicht sehr, aber aus praktischer Sicht bin ich damit zufrieden und meine Entscheidung zahlte sich zum Ende der Partie sichtlich aus. Mein Gegner spielte in leichter beidseitiger Zeitnot etwas zu langsam und gab mir den einen Zug Zeit um meine Stellung zu konsolidieren.

Barzen – Frischmann nach 33.bxc4

Nach 33.-b4! war ich sicherlich schon aus dem Gröbsten heraus und habe mit Tc6, Le6, a5-a4 usw. einen glasklaren Plan. Der weiße Plan hingegen ist noch nicht sehr ersichtlich. Insbesondere in Zeitnot eine unangenehme Stellung für meinen Gegner, die dieser auch schlussendlich nicht halten konnte.

Cedric sicherte sich in guter Stellung völlig richtig einen Mehrbauern und verpasste zunächst eine gute Verteidigungsmöglichkeit:

Magar – Holle nach 34.h5

Weiß räumte gerade das Feld h4 für seinen Läufer und droht vermeintlich fxg6+ nebst Lh4 mit Qualitätsgewinn. In Wirklichkeit existiert diese Drohung aber nicht und Schwarz kann seine Dame mit 34.-Dd7 zurück ins Spiel bringen. Nach 35.fxg6+ hxg6 36.Lh4 kann Schwarz einfach Tf8! spielen und der Turm kann wegen dem Abzugsschach Lh3+ nicht genommen werden. Cedric wählte einen anderen Zug, nachdem Weiß einen gefährlichen anmutenden Angriff bekam. Im 40. Zug stand er schließlich vor einer schweren Entscheidung:

Magar – Holle nach 40.Th1

Wie sollte Schwarz sich verteidigen?

Korrekt war das sofortige 40.-Kf7!, wonach Weiß mit 41.Dxf8+ Dauerschach erzwingen kann – aber auch nicht mehr. Cedric spielte hingegen 40.-Tee8??, was äußerst gefährlich war. Nach dem korrekten 41.Sf3 (droht Dxg6!!) wäre Cedric matt geworden. Sein Gegner verirrte sich allerdings immer mehr und übersah eine letzte Verteidigungsressource von Cedric, wonach Turmtausch folgte und die Partie für Weiß nicht mehr zu retten war. Eine turbulente Partie von Cedric, dessen Partieanlage wieder stimmte, aber der in guter Stellung die gegnerischen Möglichkeiten unterschätzte. Mit mehr Praxiserfahrung wird er sich mit Sicherheit in der Verwertung von solch vorteilhaften Stellungen verbessern. Zumindest freuten wir uns alle über seinen ersten vollen Brettpunkt für die erste Mannschaft (Pokalmeisterschaft mal ausgenommen).

Schließlich beendete auch Achim seine Partie, verlor aber leider. Lange Zeit kämpfte er um Ausgleich und stand kurz vor der Zeitkontrolle sogar etwas besser. Trotzdem kann man sagen, dass Achim nie wirklich in die Partie kam und nicht die Spielstärke zeigte, die wir ihm alle zutrauen. Selbst als seine Stellung bereits verloren aussah, hätte er sich noch in ein Endspiel mit einer Qualität weniger retten können, welches die Engine noch nicht als sofort verloren ansieht. Kopf hoch Achim, wir wissen alle was du kannst und sind überzeugt, dass du mit einem Sieg in der nächsten Runde wieder in gute Form kommst!

Am Ende also ein nie gefährdeter 6,5 : 1,5 Heimsieg, bei dem mich insbesondere die Siege von Nils, Cedric und Andre sehr gefreut haben.

An dieser Stelle noch ein großer Dank an unseren neuen Oberliga-Schiri Markus Luy, den Mann mit der kleinsten Kamera der Welt (Simone Littera), sowie die anderen Helfer Alex Wolf, Jan Bürmann und Michael Schera!

Bei unserem nächsten Spiel am 02.11 müssen wir bei Liga-Neuling Altenkirchen ran und wollen natürlich direkt unseren nächsten Sieg einfahren!

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