Dramatisches 4,5:3,5 für Schwarzenbach 2 gegen Schwalbach

Was für ein Drama! Das war einer der spannendsten Mannschaftskämpfe, den ich je erlebt habe, mit einem echten Fotofinish, in dem unser Spitzenbrett Max Müller zum umjubelten Matchwinner wurde. Ich gebe im Folgenden meine Eindrücke dieses Kampfes wieder.

Samstagmittag: Jörg Becker meldet sich krank. Nachdem schon länger klar ist, dass Johannes Backens ausfällt und durch Cedric Recktenwald ersetzt wird, verfügt die 3. Mannschaft zu diesem Zeitpunkt nur über 6 Stammspieler plus evtl. einen Ersatz aus der 4. Mannschaft. Ich entscheide daher, keinen weiteren Ersatz zu holen, und informiere den Rest der Mannschaft, dass wir gegen Schwalbach zu siebt antreten müssen. Keine Einwände meiner Jungs, wir nehmen die Herausforderung an!

Samstagnachmittag: Mein Lieblingsfußballverein VFL Osnabrück gerät in Kiel gehörig unter Druck, U20-Nationaltorwart Marvin Schwäbe kratzt mehr als einen unhaltbaren Ball der Kieler von der Linie. Kurz vor Schluss wird Publikumsliebling Addy Menga eingewechselt, der seit fast einem Jahr nicht mehr getroffen hat. Addy trifft in der Nachspielzeit zum äußerst glücklichen 1:0-Sieg der Osnabrücker. Da ich bin mir sicher, dass wir morgen Schwalbach schlagen...

Sonntag, 15.00 Uhr: Der Showdown beginnt. Schwalbach wie üblich mit Brett 1-8, wir mit Debütant Cedric Recktenwald an 7 und einer krampflosen Niederlage an Brett 8. Letztes Jahr haben wir Schwalbach durch mein glückliches Remis gegen Edmund Maas in einem zwischenzeitlich verlorenen Turmendspiel mit 4,5:3,5 besiegt. Alle wissen, dass es heute wieder ein enges Spiel wird.

18:00: Reinhold Ripperger hat mit einem Sieg gegen Edmund Maas an Brett 6 zum 1:1 ausgeglichen. In einer ultrascharfen Variante konnte er ein paar Ungenauigkeiten seines Gegners zum entscheidenden Mattangriff nutzen. Insgesamt bin ich vorsichtig optimistisch. Max Müller steht an Brett 1 gegen Jörg Klein ordentlich. Alex Gress lässt an Brett 2 gegen Carsten Becker in der Eröffnung die Möglichkeit zu einem Opfer aus und gewinnt etwas Material, überlässt dafür aber dem Schwalbacher die Initiative. Im Verlauf kann sich Alex befreien und steht mit Mehrbauer zwischenzeitlich besser. Der gesundheitlich angeschlagene Stephan Busemann gerät an Brett 3 gegen Paul Guido Martin nach hohem Zeitverbrauch in der beidseits kreativ gespielten Eröffnung zunehmend unter Druck. Dafür kann ich an Brett 4 gegen Franz Josef Becking nach der Eröffnung einen Bauern gewinnen. Franz bekommt dafür etwas Gegenspiel, aber ich bin zuversichtlich, die Stellung zusammenhalten und meinen Mehrbauern verwerten zu können. Gerhard Scheuermann steht an Brett 5 gegen Rainer Maurer ordentlich, hier ist aber noch nichts entschieden. An Brett 7 spielt Cedric Recktenwald ein starkes Debüt gegen Christoph Gerhard und bekommt eine überlegene Stellung, allerdings bei hohem eigenen Zeitverbrauch. Trotzdem lehnt Cedric ein Remisangebot ab und spielt auf Gewinn.

19:00: Nach der Zeitkontrolle führen wir 3,5:1,5! Cedric muss bei knapper Zeit doch ins Remis einwilligen. Trotzdem ein starkes Debüt für Cedric und bestimmt nicht sein letzter Einsatz in der 2. Mannschaft. Gerhard gewinnt nach ein paar Wirrungen (so skeptisch, wie er seine Stellung beurteilte, habe ich es nicht gesehen) und ist jetzt mit 5 aus 5 Topscorer der Liga. Bravo! Ich kann die Angriffe von Franz Josef abwehren und weiteres Material gewinnen, nach der Zeitkontrolle gibt Franz auf. Da Max, der zwischenzeitlich kritisch gestanden, dann aber selbst direkte Gewinnchancen ausgelassen hatte, inzwischen einen Mehrbauern im Springerendspiel besitzt, sollte mindestens ein 4:4 gesichert sein. Ob es zu mehr reicht, ist allerdings unklar, da nur noch wenige Bauern auf dem Brett sind. Alex Gress hat leider inzwischen seinen Mehrbauern verspielt und steht äußerst kritisch. Mit Minusbauer und offener Königsstellung sieht es im Dame-Turm-Endspiel gar nicht gut aus. Auch Stephan Busemann landet in einem verlorenen Turmendspiel. Ich glaube trotzdem an uns und prophezeie ein 4,5:3,5.

20:00: Alex und Stephan mussten beide ihren Gegner zum Sieg gratulieren. Damit hängt beim Stand von 3,5:3,5 alles von der Partie von Max Müller gegen Jörg Klein ab. Max konnte inzwischen einen Freibauern bilden, allerdings bei nur noch 2 gegen einen Bauern. Objektiv wahrscheinlich Remis, allerdings hat Max sicher praktische Chancen. Jetzt kommt es zunehmend auf Kondition und Nervenstärke an.

21:00: Beide Spieler haben fast ihre gesamte Restbedenkzeit aufgebraucht und leben mehr oder weniger vom Increment. Objektiv pendelt die Stellung ein paar Mal zwischen Remis und Gewinn, wobei es natürlich realitätsfern ist, von den Spielern in so einer Situation perfekte Computerzüge zu verlangen. Die Spannung steigt weiter...

ca. 21:30: Wahnsinn! Max kann mit einem Springerschach den gegnerischen Springer ablenken und erzwingt die Umwandlung seines Freibauern. Jörg Klein gratuliert Max fair zum Sieg, Max erhält Szenenapplaus der Umstehenden, was beim Schach mehr bedeutet als stehende Ovationen.

Insgesamt also ein 4,5:3,5-Sieg dank der Kämpferqualitäten und Nervenstärke von Max. Toll, wie Max sich in den letzten Jahren entwickelt hat, er ist ein würdiges Spitzenbrett, und ich bin mir sicher, dass ihm dieser Erfolg noch mehr Selbstvertrauen gibt.

Zu einem tollen Kampf gehören natürlich immer zwei, und somit zolle ich den Schwalbachern gern Respekt für ihre starke Leistung. Der Kampf hätte durchaus auch 4:4 oder 3,5:4,5 ausgehen können, ohne dass wir uns hätten beschweren können.

So bleiben wir mit Tabellenführer vor Winterbach, die unsere 3 Mannschaft mit 5,5:2,5 besiegten. In Anbetracht der ersatzgeschwächten Aufstellung der Dritten, bei der die hochschwangere Sonja sogar noch ein Remis erspielte, ein für uns respektables Ergebnis. Großartig auch der 5:3-Sieg der 4. Mannschaft gegen Illtal, der einen großen Schritt zum Klassenerhalt darstellt.

Am 6.3. geht es für uns nun gegen die SG Völklingen/Püttlingen weiter.

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