Kampfschach pur beim 5:3 gegen Bexbach/Fischbach

Bericht von Jan Bürmann

Nur eine Woche nach dem knappen Auftaktsieg gegen Winterbach stand das Auswärtsspiel im nahen Bexbach gegen die SG Bexbach/Fischbach auf dem Programm. Als Ersatz für den wieder fehlenden Stanley kam diesmal Johannes Backens zu seinem Saarlandligadebüt. Bexbach/Fischbach trat ohne Ebel und Krächan an, die durch Huwig und Marburger ersetzt wurden. Die Favoritenrolle lag also bei uns, wobei sich unsere Gegner keineswegs versteckten und die Partien z.T. sehr scharf angelegt wurden. Mein Gegner Klaus-Peter Holzer brachte z.B. das Sizilianische Flügelgambit aufs Brett, während Gerhard Scheuermann gegen Stefan Stein mit dem altehrwürdigen Königsgambit und Joe Peiffer gegen Stephan Busemann mit dem Belgrader Gambit im Vierspringerspiel eröffnete. Auch bei Reinhold Ripperger gegen Manfred Huwig und Alex Gress gegen Carsten Kühn war bald "fire on the board".

Die erste entschiedene Partie gab es aber an Brett 8. Johannes Backens konnte als Schwarzer in einer Schottischen Partie gegen Martin Marburger bereits im 16. Zug mit einem hübschen Doppelangriff eine Figur gewinnen und in gewonnener Stellung im 21. Zug sogar Matt setzen. So etwas nennt man einen Einstand nach Maß. Glückwunsch Johannes, und weiter so!

Reinhold entwickelte gegen das Caro-Kann von Manfred Huwig starken Druck am Königsflügel. An Brett 1 kam es zu einem wilden Gehacke mit beidseitigem Rochadeverlust, das ich überhaupt nicht einschätzen konnte, wobei sich Alex in solchen Stellungen meistens wohlfühlt. Max spielte sehr solide mit schwarz in einer symmetrischen Englisch-Stellung gegen Christian Hänßel und entwickelte allmählich Druck am Damenflügel. Jörg Becker stand gegen Silver Star Victor am Königsflügel sehr aktiv und verpasste wohl auch eine Möglichkeit, in Vorteil zu kommen. Als er diese nicht nutzte, bekam Silver Gegenspiel und konnte auf ein Bauernplus bauen. Joe Peiffer hätte nach Stephans Analyse mit dem Vorstoß e5 erst ausgleichen und im 16. Zug sogar die Qualität gewinnen und in Vorteil kommen können. Nachdem Joe diese Möglichkeiten nicht nutzte, bekam Stephan Oberwasser.

Gerhard stand mit seinem Königsgambit riesig gegen eine etwas passive schwarze Verteidigung und hätte zwischenzeitlich in entscheidenden Vorteil kommen können. Leider fand er nicht die richtige Fortsetzung und es kam nach Damentausch zu einer Stellung, in der Stefan Stein, der sich in schwieriger Stellung zäh verteidigt hatte, Gegenchancen bekam. Ich wählte gegen das Flügelgambit eine rückblickend etwas passive Verteidigung, die mir bei gleichem Material das Läuferpaar einbrachte, als Gegenwert stand Weiß aktiver und hatte Raumvorteil. Insgesamt war die Remisbreite wohl nicht überschritten. Das änderte sich, als ich mit 21....Sc4?? einen kapitalen Bock schoss, der von Klaus-Peter Holzer korrekt mit einem Damenopfer gekontert wurde, das ihm mit Turm, Springer und Läufer mehr als genug Gegenwert und somit eine Gewinnstellung einbrachte.

Noch vor dem 30. Zug fielen die nächsten Entscheidungen. Reinholds Angriff schlug durch, und auch Stephans Angriff am Damenflügel erwies sich als durchschlagender als das weiße Gegenspiel am Königsflügel. Auch Alexander Gress konnte das Taktikduell gegen Carsten Kühn für sich entscheiden, wobei laut "metal friend" Carsten zwischendurch mit 20. ... Tc2 mit Doppelangriff auf Dame und Turm einen Gewinnzug ausließ. Somit gingen wir 4:0 in Führung, wobei an Brett 1 und 4 auch ein anderer Partieausgang möglich gewesen wäre.

Jörg Becker war gegen Silver inzwischen in einem Damenendspiel mit 2 Minusbauern gelandet, dass er nach dem 40. Zug bald aufgab - 4:1. Zu diesem Zeitpunkt waren Gerhard und ich in klar schlechteren bis verlorenen Endspielen gelandet, was die klare Führung relativierte. Glücklicherweise beseitigte Max Müller gegen Christian Hänßel die letzten Zweifel an unserem Sieg. Er verbesserte allmählich seine Stellung, brach am Damenflügel ein, lehnte konsequent ein Remisangebot ab und gewann schließlich souverän. Ganz stark!

Nun kämpften noch Gerhard und ich an Brett 5 und 6 in schlechterer Stellung gegen die Niederlage. Gerhard konnte ein Turmendspiel mit 2 Minusbauern leider nicht halten und verlor zum 5:2. Ganz bitter für Gerhard nach starker Partieanlage, aber auch Respekt für die zähe Verteidigung seines Gegners Stefan Stein. Ich bin mir aber sicher, dass Gerhard mit seiner Routine und Spielstärke noch viele wichtige Punkte für uns holen wird.

Bleibt noch meine Partie. In der Annahme, im Fall eines koordinierten Angriffs der gegnerischen Figuren gegen meine Dame auf verlorenem Posten zu stehen, hielt ich Ausschau nach Dauerschachmöglichkeiten und versuchte, möglichst viele der verbliebenen Bauern zu tauschen. Letzteres gelang mir, und so kam ein bauernloses Endspiel mit Turm, Läufer und Springer von Klaus-Peter Holzer gegen meine Dame aufs Brett. Klaus-Peter lief nun mit seinem König nach vorne und versuchte, mit seinem Figuren den König gegen Schachgebote zu schützen und gleichzeitig Mattdrohungen gegen meinem auf der 8. Reihe (und noch dazu in der Läuferecke) verbliebenen König aufzustellen. Letztlich war dieses Konzept von Erfolg gekrönt. Vielleicht hatte ich mich zu sehr auf ein Dauerschach fixiert, denn als mir die Schachgebote ausgingen, fand ich kein Rezept gegen die weißen Drohungen und musste bald aufgeben. Laut Computer ist das Endspiel theoretisch remis. Allerdings muss ich zugeben, dass ich keine Ahnung von der richtigen Behandlung dieses Stellungstyps hatte und die Computerzüge, die remis halten, selbst beim Nachspielen für mich schwer zu finden sind. Praktisch hat die Partei mit dem Materialplus zumindest auf unserem Niveau wohl gute Gewinnchancen. Insgesamt ein verdienter Sieg von Klaus-Peter Holzer zum 5:3.

Das Ergebnis geht in einem umkämpften Wettkampf mit überwiegend scharf angelegten Partien insgesamt in Ordnung. Positiv herausheben möchte ich unsere Jugendspieler Max und Johannes, die mit solidem Spiel sichere Siege einfuhren und wesentlichen Anteil an unserem Sieg hatten. Ebenfalls hervorheben möchte ich die Gastfreundschaft der Bexbacher. Dass mir direkt nach einer nach fast 6 Stunden verlorenen Partie von einem Mitglied des gegnerischen Vereins erstmal ein Bier ausgegeben wird, erlebt man auch nicht immer und hat mich sehr aufgebaut. Danke dafür!

In der Liga konnten wir uns somit mit 4:0 Punkten hinter Topfavorit Gambit Saarbrücken an Platz 2 setzen. Am 2.11. geht es gegen Illingen 2 weiter.

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