Schwarzenbach 2: Kampfsieg gegen SVG Saarbrücken 2

Bericht von Alexander Gress:

6-2 hört sich erst mal nicht nach Kampfsieg an, aber wenn man sich die einzelnen Partieverläufe genauer anschaut, findet man so manche knappe Kiste.

Chronologisch endete zuerst meine Partie an Brett 1. Mein Gegner, Frederic Weiss, war für mich ein Unbekannter und so musste ich ohne Vorbereitung in die Partie gehen. Er wählte einen seltenen Sizilianer, den ich vor längerer Zeit einmal analysiert habe. Ich erinnerte mich an den korrekten Zug, der Weiß in jeder Variante Vorteil versprach. Frederic spielte dann in dieser seltenen Variante einen noch seltenere Fortsetzung. Nun war meine Theorie am Ende. Ich war zum Nachdenken verdammt und spielte den Zug, der für mich am natürlichsten aussah. Die Alternative war ein doppeltes Bauernopfer dessen Initiative ich unterschätze, denn es war die einzige richtige Fortsetzung. Infolge dessen nagelte mein Gegner meinen König im Zentrum fest und meine Stellung schien schlecht bis verloren. Ich weiß nicht, was sich mein Gegner dann gedacht hat, aber er tauschte unbedrängt alles ab, was ihm vor die Flinte lief. Die Partie verflachte schnell und endete Remis.

Einen klaren Start-Ziel-Sieg gab es dagegen an Brett 4. Hier spielte Stephan mit schwarz gegen Christensen Kenneth. Stephans Gegner spielte einen eher langsamen Engländer. Da wird sich erst einmal entwickelt und dann weiter geschaut. Weiß entschied sich für ein unnötiges zwei zügiges Springermanöver. Das gibt Stephan genug Zeit um zwei sinnvolle Verstärkungen einzubauen und das logische Resultat ist eine bessere Stellung (mit Schwarz gegen Englisch nach 14 Zügen!).

Eine der Verbesserungen ist der Tausch des weißen Fianchettos auf g2, was später zum Genickbruch wird. Völlig unbeeindruckt nutzt Weiß seine nächsten beiden Züge um seine Springer nach e3 und e4 zu stellen, was dazu führt, dass Stephans f-Bauer wie eine Rakete nach vorne schießt. Ein Springeropfer auf e2 etabliert den schwarzen Bauer auf f3 gegen die leere Fianchetto-Struktur.

Die Stellung war bereits verloren, aber weiteres ungenaues Spiel ließen die Mattmotive auf g2 unabwendbar werden. Stephan setzt seine Siegesserie fort und verteidigt seine 100%-Marke.

Die Führung war da, aber Stephan und Ich waren uns einig: es wird eng. Jan stand völlig auf Verlust; Michael hatte Initiative, aber sehr viel Material weniger, Tendenz SVG; die anderen Partien waren noch unklar.

Die nächste Entscheidung kam dann tatsächlich an Brett 8. Hier spielte Michael mit schwarz gegen Dario Mohit-Rodriguez. Wir steigen direkt in die beschriebene Situation ein: Materialvorteil für Weiß, Königsangriff für Schwarz. Aktive, nicht materialistische Züge für Weiß führen schnell in eine vorteilhafte Stellung. Allerdings entwickelt Weiß den Springer weg vom eigenen König nach b3. Es gibt nun einen klaren (an Michael: leicht zu sehenden) Gewinnzug und einen anderen Zug, der zwar auch gewonnen ist, aber danach muss jeder weitere Zug sitzen. Wie man aus meiner ausgeklammerten Anmerkung bereits vermuten kann, wurde die zweite Alternative gewählt. Die Folgezüge sind allerdings korrekt und es wird eine gewonnene Stellung erreicht. Um die Spannung wieder herzustellen, entschied sich Schwarz nun den Faden völlig zu verlieren. Ein paar Züge später steht Weiß auf Gewinn. Dieser ist jedoch froh nicht verloren zu haben und sucht die nächste Zugwiederholung. Ein wahrer Zuschauermagnet!

An Brett 7 spielte Reinhold gegen Josef Stephanus. Von dieser Partie fehlt mir die Mitschrift, deshalb alles aus dem Gedächtnis. Ich erinnere mich an eine zweischneidige Mittelspielsituation in der Reinhold (mit Weiß) es geschafft seinen f-Bauer bis nach f6 vorzuschieben. Die e-Linie war offen, der schwarze g-Bauer war auf g6 und somit befand sich der schwarze König auf g8 in akuter Lebensgefahr. Das Material war schon etwas reduziert und sollte es Schwarz gelingen die Schweren Steine vom Brett zu kriegen, wird der Pfahl auf f6 zur Schwäche auf f6. Die folgende schwarze Figurenkoordination war in meinen Augen katastrophal und führte zur Ermöglichung eines taktischen Tricks, in welchem Reinhold mit seinem Läufer ungestraft den Bauer auf g6 nehmen konnte. Ab dem Zeitpunkt spielte Reinhold seinen Vorteil sauber runter und gewinnt verdient seine vierte Partie in Folge und ist damit zusammen mit Stephan unser Top-Scorer.

Es steht nun 3-1 für uns und ich glaubte an einen knappen Sieg für uns. Jan steht zwar immer hoffnungsloser, aber die anderen 3 Partien scheinen langsam zu uns zu kippen.

Weiter ging es an Brett 2, wo Max mit schwarz gegen Helmut Horacek spielte. Dort kam es zu einem offenen scharfen Sizilianer und ich beneidete Max, dass ich diese Partie nicht spielen durfte. Nach beiderseitigen Ungenauigkeiten, was in dem Stellungstyp zu entschuldigen ist, haben wir eine Stellung, in der Max eine Qualität weniger hat, aber dafür Kompensation in Form eines Königsangriff. Im weiteren Verlauf erspielt sich Max einen kleinen Vorteil. Es gab dann einen Punkt, an dem Max die Qualität zurücknehmen, und so seinen kleinen Vorteil in eine ruhigere, materiell Ausgeglichene Stellung mitnehmen, könnte. Die Alternative zwang Weiß in eine Stellungswiederholung. Zu dem Zeitpunkt war ein Remis wesentlich mannschaftsdienlicher als alles zu riskieren. Obwohl wir 100%-Leute haben, finde ich persönlich, dass Max bisher die stärkste Performance unserer zweiten Mannschaft gezeigt hat, weiter so!

3,5-1,5, nur noch ein Punkt muss her und es sah gut aus.

Jörg spielte an Brett 3 mit Weiß gegen Tim Biehl. Jörg hatte sich nach einer von schwarzen sehr passiv gespielten Eröffnung einen Vorteil erspielt. Ein geschicktes Bauernopfer brachte Ihm sogar eine noch bessere Stellung ein. Dann verpasste er jedoch den ersten Blattschuss und Schwarz lebte wieder. In einer Bauer-gegen-Kompensations-Stellung erspielte sich Jörg erneut eine Gewinnstellung. Doch in der Zeitnot verpasste er mehrere klare Gewinnzüge und Schwarz gleicht erneut aus. Die Partie nahm jedoch ein abruptes Ende. Im berühmten 40ten Zug stellt Tim einen Turm ein. Es wird gemauschelt, dass seine Brille schuld war, aber das sind nur Mutmaßungen.

4,5 Punkte und der Kampf war gewonnen, egal wie. Da ich die letzte Partie nicht zu Ende gesehen habe, überlasse ich den Rest des Berichtes an Jan.

Fortsetzung des Käptn`s:

Nachdem wir also den Sieg in der Tasche hatten, schaffte ich es tatsächlich, meine zwischenzeitlich glatt verlorene Partie gegen Vincent Preiß ins Remis zu retten. Auf einen ungewöhnlichen, bei genauem Spiel wohl verdächtigen Zug meines Gegner entschied ich mich nach viel zu langem Überlegen für die falsche Option. Als ich dann noch einen einfachen Gegenangriff meines Gegners unterschätzte, stand ich völlig breit, so dass mein Gegner schon die Aufgabe erwartete. Nachdem Vincent ein paar Mal den direkten KO verpasste, konnte ich nach dem 40. Zug im Doppelturmendspiel Gegenspiel erreichen und ins äußerst glückliche Remis entkommen.

Das Sahnehäubchen auf unseren schwer erkämpften Sieg setzte Johannes Backens. Nach solider Eröffnung ließ Burkhard Braun eine Chance aus, in Vorteil zu kommen, und startete einen Angriff, der von Johannes allerdings mit einem Gegenschlag auf f2 klassisch ausgekontert wurde. Nach spannendem Verlauf, in dem Johannes immer zumindest ausgeglichen stand und zwischenzeitlich seine Vorteil entscheidend hätte ausbauen können, schwächte Burkhard am Ende seine Königsstellung. Dies konnte Johannes ausnutzen, mit seiner Dame eindringen und nach über 5 Stunden mit einer Springergabel die Partie entscheiden. Nach dem Sieg gegen Bexbach die zweite Superleistung von Johannes, der immer die Ruhe behielt sowie Kampfkraft und Nervenstärke gegen einen über 200 Punkte stärkeren Gegner bewies. Weiter so!

Insgesamt ein vielleicht etwas zu hoch ausgefallener 6:2-Sieg. Allerdings sollten wir auch berücksichtigen, dass Saarbrücken 2 in dieser Besetzung eine Spitzenmannschaft der Liga und kein Sparringspartner ist. Und es ist immer ein Zeichen von Qualität, auch aus kritischen und unklaren Stellungen noch zu punkten.

Ungewöhnlicher Weise findet die nächste Runde gegen Ensdorf erst im Januar statt. Der aktuelle letzte Tabellenplatz dieser starken Mannschaft, die uns in der vorletzten Saison mit einem 4:4 gegen Illingen 1 Schützenhilfe geleistet hat, überrascht mich und ist auch ein Zeichen für das gestiegene Niveau in der Saarlandliga. Wir werden Ensdorf auf keinen Fall unterschätzen und sind auf ein weiteres umkämpftes Match vorbereitet.

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