Auftakt in der 2. Bundesliga geglückt – 1. Mannschaft siegt in Schönaich!

Nach unserem grandiosen Saisonfinale im April gegen Koblenz sind wir dieses Jahr wieder in der 2. Bundesliga vertreten und wurden der Staffel Süd zugeteilt. Los ging es am 16.10.2016 mit einem Auswärtsspiel gegen den TSV Schönaich, der letztes Jahr den 3. Platz belegte.

Aufgrund der knapp 2,5 Stunden Fahrzeit mussten wir um 8 Uhr in Saarbrücken losfahren. Bei uns chronischen Langschläfern schon die erste Hürde des Tages. Achim hatte einen 9er-Bus besorgt und Michael Schera hatte sich freundlicherweise bereit erklärt uns zu fahren - nochmal danke an euch beide! Hendrik übernachtete bei Verwandten in der Nähe von Schönaich und kam direkt zum Spielort. Wir sammelten noch Frederik und Manuel ein und waren komplett. Die Stimmung im Bus war gut – man merkte uns allerdings an, dass wir noch den ein oder anderen Kaffee vertragen könnten. Angekommen um 10:30 Uhr (könnte neuer Rekord sein?), erwartete uns schon die erste (positive) Überraschung.

Die Paarungen waren wie folgt:

 TSV Schönaich-Caissa Schwarzenbach
1.GM Danin, Alexandre (2587)-Frischmann, Rick (2312)
2.GM Vishnu, Prasanna. V (2522) -Oberhofer, Andre (2312)
3.IM Volke, Karsten (2467)-Fries, Frederik (2302)
4.IM Menezes, Christoph (2411)-Wild, Achim (2230)
5.Frischer, Sebastian (2223)-Weller, Manuel (2181)
6.Reck, Moritz (2095)-Tabatt, Hendrik (2358)
7.Schnadt, Florian (2140)-Grewenig, Jan (2118)
8.Kuebler, Marcus (1993)-Gress, Alexander (2177)
1_mannschaft_vor_1_runde_16-17
unsere Mannschaft kurz nach der Ankunft in Schönaich

Es war uns klar, dass es an den ersten vier Brettern schwierig werden würde, aber dass wir an den anderen Brettern solch gute Chancen haben, hatten wir nicht erwartet. Devise: vorne dagegenhalten und hinten punkten!

Ich eröffnete mit 1.e4. Mein Gegner wählte die Französische Verteidigung und anschließend 3.-c5 gegen meine Tarrasch-Variante. Der von ihm gespielte Zug 12.- h6 ist eine relative neue Idee und Schwarz hatte damit in letzter Zeit gute Ergebnisse erzielt. Ich stellte meine Figuren auf logische Felder und fühlte mich wohl in der Stellung.

Andre hatte Katalanisch auf dem Brett und wählte mit Schwarz eine solide Variante. Weiß spielte den Vorstoß e2-e4-e5 (ansonsten kann Schwarz leicht ausgleichen) und anschließend cxd5, wonach Andre das ambitioniertere exd5 wählte. Andre hatte diese Struktur schon öfter gespielt und ich war optimistisch.

Frederik spielte 1.Sf3 und die Partie ging in eine Tarrasch-Verteidigung über, in der Schwarz bald einen Isolani auf d5 bekam. Da noch alle Figuren auf dem Brett waren empfand ich die Stellung als etwa ausgeglichen.

Achim spielte Slawisch und Weiß wählte einen etwas seltsam anmutenden Aufbau mit Sbd2. Ich hatte das Gefühl, dass Schwarz hier keine Probleme haben sollte. Generell kennt sich Achim in diesen Strukturen ohnehin sehr gut aus.

Manuel spielte gegen Skandinavisch mit Da5 und wählte einen Aufbau mit Lc4 und Sge2. Ich hatte diese Variante selbst einmal analysiert und war der Meinung, dass Weiß mit g4 und h4 spielen muss, um in Vorteil zu kommen. Allerdings ist dieser Plan auch sehr verpflichtend und Manu spielte richtigerweise etwas solider. Objektiv war die Stellung nun aber wohl ausgeglichen und nicht so einfach zu spielen für Weiß.

Hendrik spielte Sizilianisch und sein Gegner wählte eine geschlossene Variante, in der Schwarz normalerweise recht leicht ausgleichen kann, was Hendrik auch gelang.

Jan spielte mit Weiß einen offenen Paulsen-Sizilianer, den ich mit Schwarz auch schon des Öfteren gespielt habe. Wir hatten uns diese Variante am Vorabend ein wenig angeschaut und ich sah Jan gut vorbereitet für die Partie. Sein Gegner zögerte die Rochade hinaus und Jan stand vor einer wichtigen Entscheidung.

Alex spielte gegen 1.c4 und wählte einen Maroczy-Aufbau. Das ist generell eine komplizierte Variante mit Chancen für beide Seiten – auch hier war ich zufrieden.

Ich wählte inzwischen in leicht besserer Stellung ein Endspiel, dass ich eigentlich nicht verlieren kann und erwartete die baldige Punktteilung.

Andre spielte einen riskanten Zug, nachdem Weiß eine Figur für zwei Bauern und Initiative opfern konnte. Hier sah es nicht sehr gut aus.

Frederik landete in einem Endspiel mit Minusbauer, besaß aber aktive Figuren und Läufer gegen Springer. Objektiv wohl Remis, aber Weiß muss kämpfen.

Achims Gegner hatte e4 gespielt, um die Stellung für sein Läuferpaar zu öffnen. Es entstand eine komplizierte Stellung, in der sich beide Könige unsicher fühlten.

Hendrik hatte Figurenabtausch vermieden und sich bei einem Figurenopfer offenbar verrechnet. Die Stellung war platt.

Jan hatte stark eine Figur geopfert und einen Bauern gewonnen. Ich war ein bisschen besorgt, dass der weiße Springer auf e7 verloren geht, aber Jan hatte natürlich weitergerechnet und spielte 17.Tf3!, wonach die schwarze Stellung mehr oder weniger hoffnungslos war und Jan auch kurz darauf gewann.

Starke Leistung Jan – 1 : 0!

Ich hatte Jan gerade erst zum Sieg gratuliert, da war Frederik’s Partie auch schon zu Ende. Ich vermutete natürlich ein Remis, aber es kam anders:

diagramm1
Fries – Volke nach 24.-Kg8-Kg7

25.Txf6 (Hoppla!)

Schöne Falle von Freddy und so stand es 2:0!

Hendriks Gegner fand in der Folge bei immer knapper werdender Zeit einfach keinen Gewinn (den es mit Sicherheit gab), und musste Remis forcieren.

2,5 : 0,5 – Jetzt lief es richtig gut für uns.

Alex besaß mittlerweile starken Angriff mit f5-f4 und De8-h5. Praktisch gesehen war das extrem schwer zu halten und Weiß stellte in Zeitnot auch direkt die Partie ein. Stark gespielt Alex, weiter so!

Zwischenstand: 3,5 : 0,5

Manu stand mittlerweile leicht schlechter, ich landete in einem haltbaren Turmendspiel und Andre’s Stellung war verloren.

Es hing also einiges von Achims Partie ab. Ein Remis sollte hier reichen dachte ich. Achim hatte stark einen Bauern geopfert, aber verwarf mit 22.-0-0-0 eine recht einfache Lösung, nach der ich die schwarze Stellung schon als mehr oder weniger gewonnen betrachtet hätte. Sein Gegner verpasste glücklicherweise die beste Fortsetzung und ging anschließend mit 25.Sg5 „all-in“. Achim behielt allerdings die Übersicht und rechnete einen Zug weiter als sein Gegner. In der Folge hatte er einen glatten Turm mehr und Weiß gingen die Schachgebote aus.

4,5 : 0,5!!

Wow! Wir hatten den Kampf nach nicht einmal 3,5 Stunden schon für uns entschieden. Damit hatte nun wirklich niemand gerechnet. Die anderen Partien waren für den Mannschaftssieg folglich nicht mehr von Belange, hatten aber kein gutes Ende für uns.

Andres Gegner spielte nach dem Figurenopfer einfach extrem stark weiter, und die Stellung war nicht mehr zu halten.

Bei mir hat mein Gehirn irgendwann aufgehört zu arbeiten und ich kam im Turmendspiel auf die grandiose Idee meinen König freiwillig abzuschneiden. Schade um die gute Partie, aber das zeigt nur, dass man gegen solch starke Gegner quasi jede Stellung verlieren kann. Nach 3 Minuten an der frischen Luft ging es mir wieder gut und ich konnte den Mannschaftssieg genießen.

Manu befand sich in einem schwierigen Turmendspiel, in dem (wie bei mir) sein König ebenfalls abgeschnitten war. Bei knapper Bedenkzeit verpasste Manu leider die einzige Remisfortsetzung 54.Tc4+!, die zugegebenermaßen auch niemand von uns sah. Danach war nichts mehr zu retten. Trotzdem Kopf hoch Manu, du hast im schlechteren Endspiel gut gefightet!

Endstand: 4,5 : 3,5

Fazit:

Bekanntlich tun wir uns in der 1. Runde einer neuen Saison immer besonders schwer und so war es auch dieses Mal. Jedoch darf man bei unserer reinen Amateurmannschaft auch gar nicht erwarten, dass auf Anhieb alles glatt läuft. Wir haben schlussendlich einfach durch eine sehr couragierte Mannschaftsleistung überzeugt und verdient gewonnen.

1_mannschaft_nach_1_runde_16-17
das wohl verdiente Siegerbier

In der 2. Runde, die am 20.11.2016 stattfinden wird, empfangen wir den SC Emmendingen im Haus der Begegnung, Spandauer Straße 10, 66424 Homburg-Schwarzenbach. Mit 14 Titelträgern bei 18 gemeldeten Spielern erwartet uns somit der nächste richtig „dicke Brocken“.

Wir würden uns freuen viele Besucher und Interessierte willkommen zu heißen und erwarten einen spannenden Wettkampf!

Bericht von Rick Frischmann

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