Deutsche Pokal-MM, 1. Runde am 25.01.2014

Neckar1 Neckar2

Am Ende hatte es nicht sein sollen.

Nachdem wir uns letztes Jahr den saarländischen Mannschaftspokal holen konnten, ging es jetzt auf deutscher Ebene weiter.

Sinnvollerweise wurde dabei erst in 8 regional eingeteilten Gruppen gespielt, in denen je 4 Mannschaften vertreten waren. Dort wurde über 2 Tage jeweils ein Gruppensieger ermittelt, so dass 8 Mannschaften in die Runde der letzten 16 einzogen, zu denen sich die 8 Viertelfinalisten des letzten Jahres gesellen werden.

Wir mussten nach Ladenburg, wo außer dem Gastgeber noch der SK Lauffen und der Schachclub aus Ludwigshafen warteten, alte Bekannte aus der Oberliga. Unsere Vierer-Mannschaft bestand aus Andre, Ronny, Achim und mir, und da die Gegnerschaft ebenfalls ohne professionelle Spieler vertreten war (einzige Ausnahme war IM Vadim Chernov von Ladenburg), rechnete ich mir ganz gute Chancen aufs Weiterkommen aus. Zuerst muss ich aber unsere Anreise erwähnen, die eigentlich einen eigenen Bericht verdient hättWie üblich verließen wir Saarbrücken eine knappe halbe Stunde später als geplant. Das hat mittlerweile leider Tradition, und wurde von Andre Tags darauf (dieselbe Leier...), völlig zu Recht moniert. Erstaunlicherweise finden wir immer wieder neue Gründe und andere Mitspieler, die die Verspätungen verursachen, und das Ganze wirkt langsam wie ein genetischer Vereinsdefekt. An Namen kann ich verständlicherweise an dieser Stelle nur meinen eigenen nennen, denn die nächste Verzögerung ging klar auf meine Kappe: Ich hatte mir kurz vor Aufbruch noch eine Wegbeschreibung ausgedruckt, dazu hatten Ronny und Achim ihre Handys dabei, die uns notfalls würden navigieren können. Also konnte auf den ersten Blick Nichts schiefgehen. Allerdings kam ich nicht auf die Idee, die Wegbeschreibung auch zu lesen, und weil Achim und ich Ladenburg direkt neben Karlsruhe vermuteten, fuhren wir erstmal auf die B10 Richtung Karlsruhe. Die Handys blieben natürlich aus, denn für die „letzten paar Meter“ kann man ja dann vor Ort nochmal schnell drauf gucken. Erst als wir die B10 schon hinter uns gelassen hatten, warf ich mal einen Blick auf meine Wegbeschreibung, und stellte umgehend fest, dass sie uns nicht mehr helfen konnte. Jetzt wurden die Handys eingeschaltet, bzw. wurde dies versucht. Ronny hatte nämlich keinen Empfang, und Achims Handy litt an akutem Energiemangel. Zumindest reichte es noch, um uns die Richtung vorzugeben, und Achim fuhr jetzt was das Zeug hielt, und drehte die elektronisch prognostizierte Ankunftszeit von 14 Uhr 15 Minute um Minute zurück (ach ja, hatte ich noch gar nicht erwähnt, um 14 Uhr wurden die Uhren angestellt, und wenn man bis 14 Uhr 30 nicht vor Ort war, wurde man genullt). Tatsächlich kamen wir dann mit qualmenden Reifen wenige Minuten vor 2 zu einem erlösenden gelben Schild, dass uns Ladenburg als nächstgelegenen Ort anpries.

Hier aber das nächste Problem: Das Schild behauptete nach links, das Navi sagte nach rechts. Nach kurzer und hitziger Diskussion wurde ich überstimmt, und wir folgten dem Navi auf Achims Handy, welches damit auch seinen letzten (bösen) Atemzug getan hatte, bevor es den Geist aufgab.

Jetzt fuhren wir auf uns allein gestellt in irgendeinem Baustellen-und Umleitungsverseuchten Ort herum, nur von Ladenburg keine Spur, und mit elektronischer Hilfe war nicht mehr zu rechnen.

Mittlerweile war es Punkt 14 Uhr, und endlich fanden wir ein Schild mit der Aufschrift „Ladenburg“, dem wir erleichtert folgten. Das Navi hatte uns nicht belogen, tatsächlich handelte es sich um den „kürzesten“ Weg, und Ladenburg lag nun keine 150 Meter mehr weg. Allerdings wurden wir auf eines nicht hingewiesen: Zwischen Ladenburg und uns lag jetzt der Neckar! Nicht genug damit war die einzige Verbindung an den Zielort eine langsam vor sich hinschippernde, knapp 3 Autos beherbergende Fähre, die gerade in die falsche Richtung unterwegs war. (O-Ton Andre: "Man kann vom Saarland halten was man will, aber wir haben wenigstens Brücken.“)
So langsam wurden wir panisch, denn durch das Baustellengewühl zurück zu dem ersten Schild finden und dann nach links und dann gucken was passiert und dann was weiß ich..war nicht verlockend.

So entschieden wir uns nach einer weiteren kurzen und hitzigen Diskussion auf die Fähre zu warten, die zwar endlos langsam aber doch noch irgenwie rechtzeitig wieder auf unserer Seite des Flussufers ankam.

2 Euro 40 und knapp 10 Minuten später waren wir wieder auf festem Untergrund, erreichten bald das Rathaus und den darin befindlichen Domhofsaal, und dann tatsächlich gegen 14 Uhr 20 saßen wir an unseren Brettern.

Gelost hatten wir den SK Lauffen, gegen den wir an 3 Brettern klar favorisiert waren, nur Ronny hatte an Brett 2 mit Schwarz gegen FM Gunnar Schnepp einen von der Wertungszahl höher eingestuften Gegner.

Es lief allerdings alles viel besser als nach dieser „Anreise“ erwartet:

Andre legte mit Weiß eine solide positionelle Vorstellung hin, und überspielte seinen Gegner. Im einzig kritischen Moment ließ er nach langem Überlegen den gegnerischen Turm einen Bauern erobern, gewann diesen aber schließlich mit klarem Vorteil zurück. Das war sicher ein mutiges und ideenreiches Manöver, aber an dieser Stelle würde ich bei Gelegenheit nochmal die Engine drüber laufen lassen, vielleicht hatte Schwarz hier bessere Möglichkeiten.

Ronny hatte nach der Eröffnung eine superscharfe Stellung auf dem Brett, die Weiß im Zentrum und am Königsflügel entsprechende Möglichkeiten gab. Allerdings hatte Ronnys Aufstellung ebenfalls dynamisches Potential, und nachdem sein Gegner einen Bauern zugunsten erhöhter Angriffschancen gegeben hatte, stand die Partie auf Messers Schneide. Ersten Analysen vor Ort zufolge hätte der weiße Angriff durschlagen müssen, aber Ronny verteidigte sich am Brett erfolgreich, schlug die Angriffsversuche ab, und erreichte schließlich eine bequeme Gewinnstellung.

Auch bei mir lief es nicht ganz so glatt. Nach gelungener Eröffnung hatte ich mit Schwarz Strukturvorteile erzielt, und mit dem Läuferpar uneingeschränkte Herrschaft über die schwarzen Felder.

Allerdings war mein Vorteil auch nicht riesengroß, und mein Gegner Holger Scherer fand in der Folge starke Züge, während ich immer mehr den Faden verlor. Irgendwann war die Partie für mich an der Grenze zum Verlust, aber hier fing mein Gegner an nachzulassen. Nach dem er auf einen klar vorteilhaften Bauerngewinn verzichtet hatte und dann auch noch „erfreulich“ passiv wurde, bekam ich wieder die Oberhand, und konnte einen abschließenden Fehler mit einer kleinen Kombination zum Sieg nutzen.

Bei Achim schien die Sache am Klarsten. Im frühen Mittelspiel hatte er mit einer gut gerechneten Kombination eine Figur für 2 Bauern gewinnen können. Nach dem folgenden Damentausch schien der Sieg nur noch eine Frage der Zeit. Aber Schwarz konnte mit seinen beiden Bauern und einem aktiven König für erstaunlich unangenehmes Gegenspiel sorgen, und schließlich den halben Punkt retten.

Nach der Odyssee bei der Anfahrt, waren wir entsprechend gelöst und gut gelaunt, und sahen recht zuversichtlich dem Match gegen Ladenburg entgegen, die sich parallel gegen Ludwigshafen durchgesetzt hatten.

Erwähnenswert ist noch, dass wir uns Abends einer nach dem anderen aus dem Rathaus aussperrten (die Tür ließ sich ab einer gewissen Uhrzeit nich mehr von außen öffnen..), uns dann aber in der benachbarten Kneipe schnell wieder gefunden haben. In der Reihenfolge: erst ich, dann Ronny, dann Andre und schließlich Achim, der am längsten spielte. Zum Schluss saßen wir dann zu viert am Tresen.

Gegen Ladenburg sind wir dann knapp gescheitert. Natürlich kamen wir wieder zu spät, diesmal knapp 15 Minuten, und nein, wir sind nicht ein zweites mal per Fähre angereist.
Gegen Ladenburg hatten wir „Heimrecht“, also an 1 und 4 Schwarz.

Wir hatten ausgemacht, dass Ronny und Andre die Farben tauschen, also an ihren Brettern blieben, Achim und ich unsere Farben behielten, also Achim diesmal an 3 und ich an 4.
Ladenburg war ein durchaus ernst zu nehmender Gegner, der mit Vadim Chernov einen starken IM in den Reihen hatte, was bei einem Vierer-Wettkampf nicht zu unterschätzen ist. Dazu spielte mit Ralph Scherer ein alter Bekannter aus dem Saarland mit. Darüber habe ich mich besonders gefreut, zumal ich Ralph schon lange nicht mehr gesehen hatte. Gut, nach dem Wettkampf war ich dann nicht mehr so ganz erfreut, da er tatsächlich den einzigen aber entscheidenden Sieg gegen uns einfuhr.

Meine Prognose an die Mannschaft vor dem Wettkampf war folgende: "Ralph wird auf jeden Fall an 3 wechseln um mit Schwarz zu spielen (das war richtig), und sie werden auch überlegen, Chernov an 2 zu setzen, um ihm Schwarz zu geben, dies schließlich aber nicht tun, weil das zu riskant wäre (das war nicht richtig)!"

Schließlich ergaben sich folgende Paarungen:
1. Oberhofer – Kettner
2. Müller – Chernov
3. Wild – Scherer
4. Tabatt – Schrepp

Ganz schlecht lief der Partiebeginn bei Andre, der beim Versuch, Zeit aufzuholen (nochmal, wir müssen uns da irgendwas einfallen lassen), quasi direkt die Partie einstellte, und sich frühzeitig in einem Endspiel mit Turm und Läufer gegen 2 Türme wiederfand.

Ronny kam an 2 gegen Chernov ganz manierlich aus der Eröffnung, Achim stand sogar sehr gut, und ich zumindest angenehm. Aber trotzdem war es klar, dass es eng werden würde, da die Wertung nicht mehr zu unseren Gunsten laufen konnte.

Ronny erreichte schließlich trotz Minusbauern eine gute Stellung mit einem starken Läuferpaar, nachdem sein Gegner zu unserem Glück eine wirklich tolle Gewinnkombination ausließ. Kurz darauf einigte man sich auf remis. Da Andre weiterhin auf Verlust stand, mussten hinten also 2 Punkte her.
Ich hatte mittlerweile ein vorteilhaftes Spät-Mittelspiel erreicht, während Achim seinen Positionsvorteil abgegeben hatte zu gunsten taktischer Gewinnchancen. Nach unseren ersten Analysen war das auch in Ordnung so.

Jetzt wurde es allerdings hektischer: Mein Gegner versetzte mir einen schönen taktischen Schlag, den ich völlig übersehen hatte, und ich musste mir die Struktur ruinieren, um Schlimmeres zu verhindern. Dadurch ging der Vorteil auf die weiße Seite über, auch wenn meine Stellung wohl noch überlebensfähig war. Schließlich verlor Weiß aber den Faden, manövrierte seine Dame ins Abseits, und ich konnte die ungedeckte Postierung des weißen Turms zu einer Gewinn-Kombination nutzen.

So weit so gut, aber nachdem ich die „Zigarette danach“ geraucht hatte, und wieder im Turniersaal angekommen einen Blick auf Achims Brett geworfen hatte, sank meine Stimmung wieder.
Der Angriff war verpufft, und Ralph hatte einfach eine Qualität mehr. Kurz darauf streckte Achim die Waffen, und am Ende war es ein Saarländer, der die Saarländer rauswarf.

Bei Andre war in Sachen voller Punkt nichts zu machen, er hatte zwar mittlerweile sogar einen Mehrbauern, aber stand furchtbar passiv. Obwohl er wirklich mit großem Kampfgeist in Verluststellung sogar sämtlichen Zugwiederholungen auswich, war einfach nix zu tun. Sein Gegner Jürgen Kettner spielte sicher und sehr mannschaftsdienlich, und verzichtete darauf, riskantere Gewinnversuche zu unternehmen. Schließlich musste Andre sich einer eneuten Drohung zur Zugwiederholung beugen, und ins Remis einwilligen.

Unterm Strich bleibt negativ nur das ständige Zuspätkommen unserer Leute zu vermerken. Das muss einfach besser werden.

Positiv in Erinnerung bleibt ein unterhaltsames und spannendes Wochenende.

Mein Dank gilt dem Schachklub Ladenburg, der für eine ganz tolle Ausrichtung gesorgt hatte!

Essen und Getränke waren für die Spieler komplett frei, und mit dem Domhofsaal hatten wir ein perfektes und stimmiges Spiellokal zur Verfügung. Das alles sorgte für eine durchgehend positive Atmosphäre während der beiden Tage.

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