Knapper Sieg in Gau-Algesheim

Mit 3 Spielern aus unserer zweiten Mannschaft „verstärkt“ gastierten wir bei dem jungen Team von Gau Algesheim. Zugegebenermaßen hatten wir ob des Fehlens etablierter Stammkräfte inklusive Topscorer Freddy einige Sorge, dass wir nicht mit den 2 dringend benötigten Mannschaftspunkten im Gepäck die Heimreise antreten würden.

Problem mit Gau-Algesheim: An Brett 1 und 2 sitzen dort mit GM Sergej Osjewitsch und „Jahrhundert-Talent“ Vincent Keymer 2 echte Kaliber. Dort konnten wir zumindest guten Gewissens nicht unbedingt Punkte einplanen. Ab Brett 3 sind wir dann zwar deutlich favorisiert, aber wir wussten natürlich nicht genau, wie sich das Fehlen unserer Stammspieler auswirken würde.

Wir waren dann etwas erleichtert, als sich herausstellte, dass Gau-Algesheim ebenfalls 3 Reservisten aufgestellt hatte, und wir ja doch über die besser besetzte „Bank“ verfügen. Und Max, Gerhard und Alex sollten ihre Sache hervorragend machen.

Da ich noch keine Partien nachspielen konnte ( Irgendwie hat bei den zur Verfügung gestellten Partien die Notation gefehlt..), hier meine groben Eindrücke vom Wettkampfverlauf:

Manuel konnte ohne Schwierigkeiten den vollen Punkt für uns einfahren. Seinem Gegner mißglückte die Eröffnung offensichtlich, und die schwarze Stellung litt unter Entwicklungsrückstand und irreparablen Schwächen auf den weißen Feldern. Hier genügte eigentlich ein kurzer Blick nach rechts um zu wissen, dass wir bald in Führung liegen würden. Nach einer bisher unglücklichen Saison freut mich Manuels schneller Sieg natürlich besonders.

Alex konnte an Brett 8 kurz darauf auf 2:0 erhöhen. Dieser Punkt kam zu dem Zeitpunkt jedoch überraschend für mich. Materiell und vom Entwicklungsstand war die Partie ausgeglichen, und die ganz große Taktik lag auch nicht in der Luft. Alex laborierte an einer Bauernschwäche, würde aber bei Verlust besagten Bauerns sofort Spiel erhalten. Das abrupte Ende der Partie habe ich nicht gesehen, aber Alex junger Gegner hatte sich offensichtlich doch taktisch vertan.

Achim konnte mit Weiß diesmal nicht viel herausholen. Die Eröffnung sah für mich noch gut aus, aber spätestens im Mittelspiel verlor sich sein Anzugsvorteil. In der Abbruchstellung, in der der allergrößte Teil des Materials noch auf dem Brett war, hätte ich wahrscheinlich schon die schwarzen Steine bevorzugt. So gesehen sollten wir über den halben Punkt nicht klagen.

Ronny kam gegen seinen renommierten Gegner einfach gar nicht in die Partie. Osjewitsch nutzte die etwas passive weiße Spielanlage zu Raumgewinn und Aktivität, und drückte seinen Positionsvorteil gekonnt bis zum Partiegewinn. Starke Vorstellung des Gau-Algesheimer Großmeisters!

Gerhard glückte die Spielanlage mit Weiß diesmal nicht so ganz. Die Angriffsversuche blieben stecken, und in positionell etwas nachteilhafter Struktur musste er den Damentausch zulassen.

Das Endspiel sah für mich kritisch aus, und für die frühe Remis-Vereinbarung konnten wir dankbar sein, denn die Abbruchstellung könnte für Gerhard vielleicht schon verloren gewesen sein.

Im Nachhinein ein ganz wichtiges Remis!

Rick hielt sich mit Schwarz mehr als nur gut gegen die größte deutsche Nachwuchshoffnung.

Nach unorthodoxer Eröffnung, in der bald viel Rechenarbeit erforderlich wurde, hatte Rick die Qualität gewonnen. Ich lehne mich hier mal aus dem Fenster und behaupte, dass die schwarze Stellung gewonnen war. Aber einfach war es keineswegs, denn Rick hatte Schwächen auf den dunklen Feldern, und Weiß verfügte über gefährliche Leichtfiguren. Im Spät-Mittelspiel vergriff sich Rick in komplexer Position, und die Partie war verloren. Hier würde mich die Analyse sehr interessieren!

Zum Glück für uns lieferte Max bei seinem zweiten Oberliga-Einsatz eine ganz starke Partie ab!

Nach guter Eröffnungsbehandlung gewann er einen Bauern, und wehrte in der Folge mit aller erforderlichen Geduld die weiße Suche nach Gegenspiel ab. Als sämtliche Aktivität des Anziehenden erstickt war, verwertete er sich seinen Material-Vorsprung. Ein positionell sehr reifer Vortrag! Max ist meiner Meinung nach absolut Erstmannschafts-tauglich!

Nun stand es 4:3 für uns, und ich spielte noch. Ich konnte meinen Gegner mit Schwarz auf unbekannten Wegen einigermaßen einfach überspielen, und hatte mehrmals die Möglichkeit zum vollen Punkt gehabt. Allerdings traf ich zu selten die richtigen Entscheidungen, und am Ende musste ich in Zeitnot entscheiden, ob ich die Niederlage riskiere, um doch noch den ganzen Punkt mitzunehmen. In einem Mannschaftskampf eigentlich keine ernsthafte Frage, also:

4,5-3,5 !

Es war also knapp wie erwartet, aber der Sieg geht in Ornung!

Die verbleibenden 3 Matches tragen alle bereits „showdown“ - Charakter (soweit wirs nicht versauen:)).

Zum nächsten Wettkampf erwarten wir unsere Freunde aus Illingen, die um den Klassenerhalt kämpfen.

Gespielt wird am 21.02. ab 11 Uhr im „Haus der Begegnung“ in Homburg-Erbach.

Zuschauer sind wie immer herzlich willkommen.

1 Antwort

  1. Alex
    Kleine Ergänzung bzgl. meiner Partie: Das ganze war ein Najdorf mit g3. Der Rückzug des Springer nach ...e5 auf das Feld b3 gilt als Theoriemuffel-Variante und lässt Schwarz leicht ausgleichen. Seltsam war, dass mein Gegner in der Eröffnung an völlig offensichtlichen Zügen sehr viel Zeit investiert hat, was mich vermuten lässt, dass er eher wenig Erfahrung im Najdorf hat. Die von Hendrik beschriebene Bauernschwäche wurde bewusst von mir herbeigeführt, um den Bauer zu geben und dafür d5 mit Tempo durchzudrücken. Alle Najdorfspieler verspühren bei der Möglichtkeit d5 zu spielen fast schon eine sexuelle Anziehung. Meiner Gegner hat das erkannt, nahm den Bauern nicht und verstärke stattdessen seine Stellung, eine gute Entscheidung. Es gilt nun eine Variante zu finden, den schwachen Bauer zu nehmen, ohne d5 zu zulassen. Der Engine nach hätte Schwarz dann keine volle Kompensation, aber meine Erfahrung sagt mir, dass die Einschätzung von Engines bezüglich Kompensation in einer praktischen Partie im nicht professionellen Bereich nicht viel Wert ist. Ich habe dann den Bauer für den Moment taktisch überdeckt. Meiner Gegner nahm dann den Bauer, was schon ein Fehler ist, aber noch nicht verliert. Er wählte dann a tempo die brutalste Abwicklung, die er, ich muss es leider so sagen, misserable gerechnet hat. Er opferte die Dame und übersah ein entscheidendes Zwischenschach. Die Partie endete entgegen des Hauptberichtes vor der Manuels Partie.

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