Low lie the fields of Athenry

 

Die (vorerst) letzten Runden der zweiten Mannschaft in der Oberliga

Am Ende hat es doch recht deutlich nicht gereicht. Außer den durch den unrühmlichen Rückzug von Remagen erzielten kampflosen Punkten haben wir entgegen meiner Prognose nach dem Worms-Spiel leider nichts Zählbares mehr eingefahren und steigen daher zu Recht ab. Zwischenzeitlich war mir und meinen Kollegen sogar etwas die Lust am Schreiben vergangen. Aber es soll hier nicht nur Jubelberichte geben ("You only sing when you`re winning!"), daher folgt noch eine Zusammenfassung unserer Spiele in 2014 und der letzten Runde.

Gegen den mit 4 Profis angetretenen SC Schwegenheim, der auch souverän Meister wurde, haben wir im Januar erstmals deutlich underperformed und eine 7:1-Klatsche eingefahren. Es gab ein paar Lichtblicke, wie den heroischen Widerstand von Alex und Jörg gegen ihre starken Gegner, wobei letzterer fast noch gepunktet hätte, sowie Stephans Sieg zum Ehrentreffer. Andererseits war ein 0:3 an den letzten Brettern gegen etwa gleichstarke Gegner schon bitter, so dass wir uns über die deutliche Niederlage nicht beschweren können.

Zu den bitteren Umständen der 3,4:4,5-Niederlage gegen die sympathischen Schachfreunde aus Heidesheim ist schon genug gesagt und geschrieben worden. Hier hätten wir mit unserer letzten starken Vorstellung in dieser Saison einen Punkt verdient gehabt. Positiv auf jeden Fall die schönen Siege von Matthias (gegen den amtierenden deutschen U14-Meister Thore Perske), Reinhold (sein schön herausgespielter Punkt hat mich besonders gefreut) und mir (etwas Eigenlob erlaube ich mir hier einmal).

Gegen Schott Mainz 2 wurden wir meines Erachtens deutlich unter Wert geschlagen. Stanley hat seine Partie als Partie des Monats auf dieser Seite bereits kommentiert und hätte zwischenzeitlich gewinnen können. Wie es Stanley immer wieder schafft, mit seiner unkonventionellen Partieanlage (wie dem "doppelten Springerfianchetto"in dieser Partie) eine scharfe Stellung aufs Brett zu bekommen, in der er dann seine taktischen Stärken ausspielen kann, ist beeindruckend. Schachlich und menschlich ist unser Webmaster eine echte Bereicherung für unseren Verein. Auch unser Topscorer Matthias lehnte mutig mit Schwarz ein frühes Remisangebot ab und stand später klar auf Gewinn. Schade, dass diese beiden Partien gekippt sind und verloren gingen, sonst wäre es auf jeden Fall ein knappes Ergebnis geworden. Positiv war in jedem Fall das "echte" Oberligadebüt von Max, der immerhin ein Remis beisteuerte. Auch für unser Urgestein Gerhard habe ich mich sehr gefreut, dass er in seiner Wahlheimat zu alter Stärke zurückfand und eine zuerst kritische Stellung in eine dynamische Position verwandeln konnte, die er mit Dame und Springer in für ihn typischer Manier zum Sieg führte. Leider waren dies unsere einzigen Punkte. Hervorheben möchte ich auf Mainzer Seite die starke Leistung von Altmeister Dimo Werner, der meinen etwas übermotivierten Versuch, eine Symmetrie-Stellung mit Schwarz zu verkomplizieren, positionell sauber widerlegte und mir keine Chance ließ. Respekt! Jörg wurde von FM Kai Wornath glatt überspielt, der Schlussangriff von Tillmann Vogler gegen Stephan Busemann war ebenfalls überzeugend und stark, und auch unser tapferer Frontmann Alex musste trotz erneut starker Vorstellung im Damenendspiel gegen Daniel Gölz letztlich die Überlegenheit seines Gegners anerkennen. Insgesamt also ein verdienter Sieg der Mainzer, wenngleich ein 3:5 oder 3,5:4,5 durchaus drin gewesen wäre.

Trotzdem hatten wir überraschenderweise vor dem letzten Spieltag noch eine kleine Chance auf den Klassenerhalt (1,5% laut Ligaorakel des SK Bad Homburg). Hierzu hätten wir allerdings schon ein mittelgroßes Wunder gebraucht und neben einem hohen Sieg gegen den starken Tabellenzweiten aus Landau noch Schützenhilfe anderer Vereine benötigt. Der Traum an eine spektakuläre Rettung wie die von Eintracht Frankfurt 1999 mit dem legendären Übersteiger von Jan-Aage Fjörtoft durfte dennoch geträumt werden...

Leider holte uns die um den Ex-Illinger Stephan Becking verstärkte Landauer Mannschaft bald wieder in die Realität zurück. Ich habe die Partien (außer meiner eigenen) noch nicht analysiert, daher hier meine subjektiven Eindrücke:

Alex zeigte gegen Stephan Becking wieder eine gute Partieanlage und hielt lange mit, am Ende reichte es gegen seine starken Gegner leider wieder nicht zu einem Punktgewinn. Schade, dass sein Kampfgeist und seine Energie bei der Vorbereitung in dieser Saison nicht so belohnt wurden, wie er es verdient hätte. Ich bin mir sicher, dass Alex von seinen Erfahrungen in dieser Saison (für ihn quasi ein kostenloses IM-Turnier an Brett 1) noch sehr profitieren wird.

Auch Matthias kämpfte tapfer gegen Torsten Lang, musste sich am Ende jedoch verdient geschlagen geben. Gegen des ehemaligen Deutschen Schnellschachmeister sicher keine Schande. Insgesamt mit 4 aus 8 an Brett 2 eine bärenstarke Saisonleistung von Matthias!

Gerhard hatte diesmal gegen Yannick Leuranguer, offenbar beflügelt von seinem Sieg gegen Mainz, die Partie super angelegt und eine "seiner" Stellungen mit guten Gewinnchancen in scharfer Stellung aufs Brett bekommen. Leider verlor er die Partie nach starker Gegenwehr im Verlauf noch. Schade, hier wäre mehr drin gewesen.

Jörg hatte nach starker Vorstellung eine Gewinnstellung gegen Jürgen Möldner mit Mehrqualität erreicht, allerdings bei eigener Zeitnot. Bis zum 39. Zug spielte er die komplexe Stellung auch in Zeitnot stark, aber dann kam der 40. Zug... Hier stellte Jörg eine Figur ein, wonach das Endspiel verloren war.

Stephan Busemann gewann gegen die Pfälzer Legende Rolf Bernhardt nach der Eröffnung einen Bauern, allerdings hatte sein Gegner einiges Gegenspiel. Ohne ausführliche Analyse traue ich mir kein Urteil über die dann entstandene Position zu. Im Partieverlauf konnte Stephan die Drohungen seines Gegners jedenfalls nur unter Materialverlust abwehren und musste bald darauf kapitulieren.

Ich selbst wurde gegen Björn Kopp erstmals in meiner Praxis mit der Variante 1. e4 c5 2. a3 konfrontiert. Zumindest kam ich besser aus der Eröffnung als in meinen letzten Schwarzpartien, wobei die Analyse einige vielversprechende Angriffsideen für Weiß zeigte. Am Ende kam es zu einer von Björn weit berechneten Opferabwicklung, nach der er Dauerschach geben konnte. In der Endstellung hätte Björn noch einen Gewinnversuch unternehmen können. Wie sich in der Analyse herausstellte, hätte das von mir hierauf beabsichtigte Damenopfer zu einer trotz Materialvorteil für mich praktisch sehr schwierigen Stellung geführt, in der mein Gegner mit dem sicheren Dauerschach in der Tasche risikolos hätte auf Gewinn spielen können. Mein Gegner hatte allerdings im Gegensatz zu mir eine Antwort für mich gefunden, nach der er Dauerschach direkt hätte forcieren müssen, und daher direkt Remis geboten. Unter diesen Umständen war das Remis für mich etwas glücklich.

Reinhold spielte gegen Matthias Lang eine solide Partie und erreichte ein Turmendspiel mit Mehrbauer, das leider nur Remis endete. Ob es eine Gewinnmöglichkeit gab, wird die Analyse zeigen. In jedem Fall eine starke Vorstellung von Reinhold.

Unser Ersatzmann Ulle legte die Partie gewohnt aggressiv an und erreichte meines Erachtens nach der Eröffnung eine passable Stellung, verlor dann jedoch 2 Figuren gegen eine Turm und konnte diese Stellung nicht halten.

Insgesamt eine herbe 1:7-Packung. Ein etwas besseres Ergebnis wäre möglich gewesen, an der Niederlage gibt es aber nichts zu deuteln. Glückwunsch an die freundlichen Landauer zum 2. Platz.

Nun heißt es im nächsten Jahr also wieder Saarlandliga. Sportlich ist unser Abstieg absolut gerechtfertigt. In einigen Kämpfen haben wir stark mitgehalten, aber es gab auch einige deutliche Klatschen. Nun ist es in meinen Augen aber keine Schande, als Letzter der Setzliste auch Letzter zu werden. Mir hat es auf jeden Fall großen Spaß gemacht, in dieser Mannschaft zu spielen. Dass wir als 2. Mannschaft trotz der vielen Niederlagen nie mehr als einen Ersatzspieler gebraucht, keine Partie kampflos verloren und immer gekämpft haben, macht mich stolz. Danke Jungs!

Womit wir bei der Überschrift wären: Der beeindruckendste Moment der EM 2012 war für mich der Support der irischen Fans am Ende der chancenlos 0:4 verlorenen Partie gegen Spanien. In einer Mischung aus respektvollen Applaus für die überlegenen Gegner und bedingungsloser Unterstützung der eigenen Mannschaft wurde der Song "Fields of Athenry" derart beeindruckend angestimmt, dass selbst der ZDF-Reporter nicht weiter kommentierte und einfach zuhörte (z.B. http://www.youtube.com/watch?v=h9XiF17ZyD0). In der Niederlage zeigt sich der Charakter einer Mannschaft und eines Vereins. Man kann auch erhobenen Hauptes verlieren, absteigen und trotzdem Sympathien gewinnen und positiv in die Zukunft sehen.

Low lie the Fields of Athenry
Where once we watched the small free birds fly
Our love was on the wing we had dreams and songs to sing
It's so lonely 'round the Fields of Athenry

Also, auf ein Neues im nächsten Jahr!

Jan

 

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