Schwarzenbach I: 2:6-Niederlage in Untergrombach

Bericht von Hendrik Tabatt:

Nach der verdienten Niederlage in unserem ersten Heimspiel dieser Saison gegen die starken Emmendinger ging es für uns in der dritten Runde nach Untergrombach.

Die „Zweitliga-Traditionsmannschaft“ hatte in den ersten beiden Runden Niederlagen erlitten, und stand gegen uns bereits entsprechend unter Druck. So wurde das Team um die bekannten „Haudegen“ dieses Mal mit sämtlichen zur Verfügung stehenden Titelträgern aufgerüstet. Sprich: Untergrombach stand in Bestbesetzung.

Kein Grund für uns zum jammern, denn wegen solchen Gegnern wollten wir schließlich zweite Liga spielen. Zudem waren wir ja selbst mit einem „Legionär“ verstärkt: „Ronny M.“ wohnhaft in Dublin/Irland, flog zu unserer Unterstützung ein, und ersetzte den verhinderten Andre an Brett 2.

Und das Match ließ sich nicht schlecht an für uns:

Rick erreichte an Brett 1 gegen GM Davor Rogic aus der Eröffnung heraus deutlichen Vorteil. Nachdem sein favorisierter Gegner die Theorie-Pfade verließ, interpretierte Rick die Position absolut richtig, baute seinen Vorteil in der Folge aus, und erreichte eine Gewinnstellung.

Ronny nahm mit Schwarz seinem Stil entsprechend bei erster Gelegenheit einen weißen Bauern seines Gegners IM Nicolas Brunner, was höchst rsikant aussah, da Weiß sehr starkes Spiel erhielt. In der Folge geriet er auch unter entsprechenden Druck, agierte aber zäh und blieb vorerst irgendwie am Leben.

Zu Brett 3 (Freddy mit Weiß gegen GM Krasimir Rusev) und Brett 4 (Achim mit Schwarz gegen GM Dejan Bojkov) ist ein Nachtrag zu diesem Artikel nötig.

Von den Partien habe ich live nicht sehr viel gesehen, und die zugesendeten Partien haben wohl Eingabefehler. Laut diesen steht Freddy am Ende (Zug 32) Schach gebend völlig auf Gewinn, die Partie endet hier jedoch mit 0:1. Achim, dem ein schöner Angriffssieg mit Schwarz gegen GM Bojkov gelang – soviel habe ich mitbekommen:) - hätte laut Notation einen Zug vor Schluss ein siegbringendes Läuferschach gegeben. Der Läufer hätte jedoch einfach von einem weißen Bauern geschlagen werden können, und Weiß hätte völlig auf Gewinn gestanden. Hier sind wohl Korrekturen nötig. In jedem Fall Glückwunsch an Achim für die starke Leistung!

An Brett 5 spielte Manuel mit Weiß gegen IM Oleg Spirin, und lieferte einen guten Vortrag. In einer umkämpften Partie hatte er meist ein wenig Oberwasser und erreichte ein Endspiel mit Läuferpaar und Mehrbauern, welches gute Chancen bot, aber wohl noch nicht gewonnen war.

Mir gelang an Brett 6 gegen Christian Maier eine ganz manierliche Schwarzpartie. Nach beidseitigen Improvisationsversuchen in der Eröffnung hatte ich bald Ausgleich erzielt. Die Spannung im Zentrum hielt sich in überschaubaren Grenzen, und die Position verflachte zunehmend.

 Jan spielte an Brett 7 gegen Thimothee Heinz, und auch hier verließ man bald betretene Pfade. Unser Topscorer hielt dabei vorerst den Anzugsvorteil, bis er sich im 15ten Zug auf ein riskantes Abspiel einließ. In der Folge spielten beide Gegner hochwertig, die Stellung war jedoch etwas angenehmer für Schwarz, und Jan, der die größeren Schwierigkeiten meistern musste, geriet zudem zunehmend unter Zeitdruck.

Alex, der mit 1,5 aus 2 ebenfalls sehr stark in die Saison gestartet war, hatte es mit Routinier Bernd Schneider zu tun. Ihm gelang es nach guter Eröffnungsbehandlung die Initiative zu übernehmen, wobei die Stellung noch weitgehend ausgeglichen blieb.

Mit Achims Sieg im Rücken und einer Gewinnstellung von Rick sah es nach knapp über 3 Stunden wirklich gut aus für uns. Leider änderte die Phase vor der Zeitkontrolle die Einschätzung des Kampverlaufs komplett zu unseren Ungunsten:

Rick ließ mehrere gute Möglichkeiten ungenutzt, und übersah (oder unterschätzte) einen gegnerischen Damenzug, der Schwarz wieder Ausgleich brachte. Kurz darauf ließ er einen zweiten Damenzug zu, der sofort die Entscheidung zugunsten Rogics brachte. Sehr bitter für Rick: gegen die 3 GM aus den ersten 3 Runden hätte er mindestens 50% verdient, und nicht einen halben Punkt. Die Aufmerksamkeit bis zum letzten Ende ist eigentlich das einzige, was man ihm noch nahelegen möchte. Sonst haben wir 3 sehr starke Vorträge gesehen. Punkte werden noch folgen!

Ronny, der zwischendrin dem Ausgleich zumindest mal nahe war, fand am Ende nicht mehr die richtige Verteidigung, und musste ebenfalls die Waffen strecken. Hinterher wurde natürlich noch über den Bauernraub in der Eröffnung diskutiert, aber die Position war wohl danach einfach gut für Weiß, und Brunner spielte zudem eine starke Partie.

Manu fand im Endspiel nicht die allerbesten Möglichkeiten, und musste bald remis geben. Wäre es wahrscheinlich auch bei bestem Spiel geworden.

Ich landete in einem Endspiel mit Dame und ungleichfarbigen Läufern, in welchem ich keiner Seite ernsthafte Gewinnchancen eingeräumt hatte. Objektiv war die Position auch klar remis, jedoch hatte Christian noch Giftpfeile im Köcher. Er stellte Mattdrohungen auf, die ich erst richtig würdigte, als das Matt nicht mehr abwendbar war. Ärgerlich weil unnötig, aber remis ist die Ausgangsstellung höchst wahrscheinlich auch, und was mit der Aufmerksamkeit über Ricks Partie geschrieben habe, gilt für mich nicht minder.

Hier war der Mannschaftskampf bereits gelaufen. Das ging aus den eigentlich vielversprechenden Stellungen dann doch etwas zu schnell.

Jan fand irgendwann nicht mehr den besten Zug, was in dieser Position den Verlust bedeutete. Trotzdem keine schlechte Partie, wenn auch riskant angelegt. Zudem muss man anerkennen, dass Thimothee Heinz mit großer Präzision agierte.

Alex ließ im Doppelturm-Endspiel, in welchem er zwar die Initiative besaß, jedoch keinen Weg zur Verbesserung fand, eine kritische Öffnung am Damenflügel zu. Genau genommen lud er den Gegner dazu ein, um in den entstehenden Komplikationen vielleicht doch noch Gewinnchancen zu bekommen. Da er dabei sämtlichen Komfort einbüßte, eine riskante Strategie.

In der Folge ging die Initiative auf Weiß über, und Alex geriet er unter Druck.  Irgendwann löste er diesen auf Kosten eines Bauern auf, und Weiß erhielt 2 verbundene Freibauern gegenüber einem Bauern von Schwarz, wobei jede Seite noch einen Turm hatte. Es gab noch einige Komplikationen, aber am Ende erkämpfte Alex sich das Remis zurück. Mag sein, dass Weiß zwischenzeitlich auf Gewinn gestanden hatte – bin hier nicht sicher. Eine kämpferisch sehr starke Leistung von Alex, die jedoch an Überflüssigkeit kaum zu überbieten ist. Das hätte man bequemer haben können:)

Am Ende stand wie gegen Emmendingen eine 2:6 Niederlage. Das war deutlich zu hoch. Hier war ein 4:4 wirklich drin.

Mut macht uns jedoch, dass wir spielerisch mithalten konnten. Konzentration bis zum Ende und eine gewisse „Abgezocktheit“ fehlen vielleicht noch. Aber wir haben ja noch 6 Matches vor uns, und sind besten Willens, uns weiter zu steigern.

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