Vorschau Oberliga Südwest 2015/16

Nach dem Vorbild einiger anderer Ligen möchte im folgenden eine kleine Vorschau auf die am Wochenende beginnende Oberligasaison veröffentlichen. Diese Vorschau ist natürlich rein subjektiv. Leser aus anderen Vereinen mögen sich daher bitte nicht auf den Schlips getreten fühlen, wenn ihr Verein in ihren Augen zu schlecht wegkommt.

Das Liga-Orakel des SK Bad Homburg (www.schachklub-bad-homburg.de/LigaOrakel) gibt Koblenz übrigens eine Aufstiegswahrscheinlichkeit von 98,1 %. Dem Meister der letzten Saison, dem SK Landau, gibt es sogar eine Abstiegswahrscheinlichkeit aus der 2. Liga Süd von 99,6%. Nun sollte man das Ligaorakel nicht überbewerten, dennoch muss man 2 Absteiger aus der Oberliga befürchten. Ich drücke den Landauern trotzdem nicht nur aus saarländischer Sicht die Daumen für den Klassenerhalt, es wäre schade, wenn sich selbst in der 2. Liga keine reinen Amateurmannschaften aus lokalen Spielern mehr halten können.

Nun zu meiner Einschätzung der einzelnen Mannschaften:

SV Koblenz 03/25 (Durchschnitt DWZ Brett 1-8: 2373)

Koblenz hat nach der enttäuschenden letzten Saison 3 Großmeister an Brett 1-3 gemeldet, was die Mannschaft nach DWZ-Schnitt mit großen Vorsprung auf Platz 1 der Setzliste katapultiert. Anders als das Ligaorakel denke ich jedoch nicht, dass die Saison für Koblenz zum Selbstläufer wird. Die 3 Großmeister können in den direkten Duellen gegen die Mitkonkurrenten sicher einen entscheidenden Vorteil darstellen, aber ich glaube nicht, dass sie die Saison komplett durchspielen werden. Letztes Jahr waren 2 GM gemeldet, die jeder nur einen Einsatz hatten. Dazu kommt, dass einige Stammspieler bereits deutlich älter sind als die der direkten Konkurrenz. Trotzdem ist die spielstarke, erfahrene Truppe der Koblenzer sicher der nominelle Aufstiegsfavorit.

Prognose: Aufstiegskandidat

TSV Schott Mainz II (2253)

Erfahrungsgemäß spielen die zweite Mainzer in sehr unterschiedlicher Aufstellung, was sie für jeden Gegner schwer auszurechnen macht. Auch hier dürfte der DWZ-Schnitt daher zu hoch gegriffen sein. Dennoch kann ich mir beim Spielerpotential der Mainzer nicht vorstellen, dass sich etwas ähnliches wie in der Vorsaison wiederholt, wo man einmal nur zu viert antrat und am Ende einen enttäuschenden vorletzten Platz belegte. Mit dem Abstieg wird diese Mannschaft nichts zu tun haben, für ganz oben wird es meiner Einschätzung nach aber auch nicht reichen.

Prognose: Mittelfeldplatz

SC Caissa Schwarzenbach (2241)

Tja, was soll man zu seinem eigenen Verein schreiben? Erfreulicherweise ist die überwiegend junge Truppe nach dem knapp verpassten Aufstieg zusammengeblieben. Dazu haben die meisten Spieler sicher noch erhebliches Steigerungspotential. Und wer es sich leisten kann, einen Achim Wild an Brett 9 zu melden, muss eigentlich zu stark für die Oberliga sein, oder? Das Ziel kann also erneut nur Aufstieg lauten. Leicht wird dies bei Blick auf die Konkurrenz nicht, aber wenn die Mannschaft die richtigen Schlüsse aus den Erfahrungen der letzten Saison zieht, zählt sie sicher zu den Aufstiegskandidaten.

Prognose: Aufstiegskandidat

SVG Saarbrücken (2221)

Die Saarbrücker haben sich mit Wolfgang Homuth verstärkt, dafür hat Martin Schmidt das Team verlassen, und auch Valentin Kuklin ist nicht mehr gemeldet. An guten Tagen kann dieses kampfstarke Team jeden in der Liga schlagen, was auch wir letztes Jahr leidvoll erfahren mussten. Da die französischen Spieler jedoch nur unregelmäßig eingesetzt wurden, fehlte jedoch im Verlauf der letzten Saisons die Konstanz, um ganz oben mitzuspielen. Meiner Einschätzung nach sind die Saarbrücker nur dann ein Kandidat für den Titel, wenn sie es schaffen, konstant ihre Franzosen einzusetzen, und das halte ich eher für unwahrscheinlich.

Prognose: Oberes Mittelfeld

Schachfreunde Heidesheim (2212)

Mein Geheimfavorit. Es grenzt an ein Wunder, dass die Heidesheimer es geschafft haben, ihre Jungstars Johannes Carow und Thore Perske zu halten, die im Rhein-Main-Gebiet sicher auch höherklassige Angebote hatten. Dies spricht für ein gutes Vereinsklima. Im letzten Jahr kostete eine überraschende Niederlage in Illingen die Aufstiegschancen. In diesem Jahr schätze ich die kompakt spielende Mannschaft der Heidesheimer auf keinen Fall schlechter ein als Koblenz oder Schwarzenbach.

Prognose: Aufstiegskandidat

SK Gau Algesheim (2171)

Der Aufsteiger aus Rheinland-Pfalz hat mit GM Ovsejevitsch und Supertalent Vincent Keymer 2 bärenstarke Spitzenbretter aufgestellt. Der Rest der Mannschaft fällt dagegen DWZ-mäßig doch recht deutlich ab, zudem muss man ohne Hans-Jürgen Koch auskommen. Daher sehe ich die Mannschaft eher im Kreis der Abstiegskandidaten, besonders wenn es 2 Absteiger geben sollte.

Prognose: Abstiegskandidat

SV Worms 1878 (2158)

Worms hat in der Vorsaison positiv überrascht und sogar lange Zeit oben mitgespielt. Im Vergleich zur Vorsaison ist die Mannschaft bis auf eine Änderung zusammen geblieben, wobei sich einige Spieler leistungsmäßig gesteigert haben. Meiner Einschätzung nach wird die Mannschaft einen gesicherten Mittelfeldplatz erspielen.

Prognose:  Mittelfeldplatz

SC Heimbach-Weis/Neuwied  (2148)

Hier muss ich mich auf die Wertzahlen und den Eindruck der Vorsaison verlassen, da ich die Mannschaft nicht persönlich kenne. Letztes Jahr gelang als Aufsteiger recht sicher der Klassenerhalt. Wenn die Mannschaft ihre Stammspieler konstant ans Brett bringt, erscheint ein Mittelfeldplatz erneut realistisch. Allerdings ist die Ersatzbank nominell schwächer besetzt als bei einigen Konkurrenten, was sich im Saisonverlauf ungünstig auswirken könnte.

Prognose: Unteres Mittelfeld/Abstiegskandidat

SC Turm Illingen (2138)

Unsere Freunde aus Illingen haben das Schachoriginal Tilman Giese in die erste Mannschaft geholt, dafür ist unser ehemaliges Mitglied Mario Ziegler nicht mehr dabei. Letztes Jahr holte man mit 9:9 Punkten einen beachtlichen 6.Platz, herausragend dabei Boris Traub mit 7/9, auch das Comeback von Thomas Biehler war sehr erfreulich. Ob die nicht gerade nach DWZ erfolgte Aufstellung der Mannschaft eher ein Vorteil oder ein Nachteil ist, muss die Saison zeigen. Ich hoffe sehr, dass die Illinger sich halten können, allerdings wird der Klassenerhalt bei eher 2 Absteigern und ohne einen sicheren Absteiger wie im Vorjahr Mutterstadt kein Selbstläufer.

Prognose: Unteres Mittelfeld/Abstiegskandidat

Gambit Saarbrücken (2106)

Im Vorjahr dominierte Gambit die Saarlandliga und überzeugte hierbei durch Konstanz bezüglich der Aufstellung und mannschaftliche Geschlossenheit. Trotzdem dürfte in der Oberliga leider eine schwere Saison bevorstehen. Zwar wurde ein neuer Franzose gemeldet, dafür aber Harald Wagner gar nicht mehr aufgestellt. Größtes Problem dürfte die dünne Ersatzbank werden. Wenn sich Gambit auf seine Stärken der Aufstiegssaison besinnt und weitgehend in Bestbesetzung durchspielt, gebe ich der Mannschaft durchaus Chancen im Abstiegskampf, aber auch nur dann.

Prognose: Abstiegskandidat

1 Antwort

  1. Sonja
    Na dann wollen wir mal hoffen, dass sich Jan's Prognose bewahrheitet. Zumindest mal,was Schwarzenbach betrifft.

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